Miracruz-Ulia San Sebastián – Monte Ulia und der Küstenweg nach Pasaia

Miracruz-Ulia in San Sebastián – Monte Ulia und Küstenwanderweg nach Pasaia

Miracruz-Ulia ist der östliche Rand von Donostia: unten ein ruhiges Wohnviertel an der Ausfallstraße nach Frankreich, oben der Monte Ulia mit 243 Metern, Küstenpfaden und Aussichten, für die man in dieser Stadt sonst Eintritt zahlt. Wo das Viertel im Stadtgefüge steht, zeigt mein San Sebastián Reiseführer.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Ulia der mondänste Ausflugsberg der Stadt, lange bevor Igeldo diese Rolle übernahm. Heute ist davon wenig übrig – und genau deshalb hat man die Wege oft für sich. Am Alto de Miracruz, dort wo die Straße den Hügel überquert, steht außerdem das berühmteste Restaurant der Stadt.

Miracruz-Ulia auf einen Blick

  • Lage: östlich von Gros, zwischen Stadtrand und Atlantikküste
  • Wahrzeichen: Monte Ulia, 243 Meter, frei zugänglich
  • Höhepunkt: der Küstenweg nach Pasaia, rund 8 Kilometer
  • Geschichte: Vergnügungspark der Belle Époque, ab 1902 mit eigener Straßenbahn
  • Charakter: Wohnviertel unten, Wald und Klippen oben
  • Gastronomie: überschaubar – mit einer weltbekannten Ausnahme am Alto de Miracruz
  • Aufstieg: von Gros zu Fuß etwa 45 Minuten
  • Gut zu wissen: feste Schuhe mitnehmen, die Pfade sind bei Nässe rutschig

Monte Ulia: 243 Meter über der Stadt

Der Berg über dem östlichen Stadtrand hat mehr Geschichte, als man ihm ansieht. Im Mittelalter stand hier ein Ausguck, von dem aus die Walfänger nach Beute Ausschau hielten; 1813 stiegen die britisch-portugiesischen Truppen von Ulia herab, um die von den Franzosen gehaltene Stadt anzugreifen. Seine glanzvollste Zeit begann um 1900: Auf der Höhe entstand ein Vergnügungspark, und 1902 fuhr von der Straße in Ategorrieta die erste elektrische Straßenbahn Spaniens hinauf – wenige Tage nach der Eröffnung nutzten sie Königin María Cristina und der spätere Alfonso XIII.

1907 kam ein technisches Kuriosum dazu: eine 280 Meter lange Seilschwebebahn nach der Konstruktion von Leonardo Torres Quevedo, die vierzehn Personen über die letzten Höhenmeter zum Gipfel trug – eine der ersten Personenseilbahnen überhaupt. Der Erfolg hielt nicht lange: Als 1912 die Standseilbahn auf den Monte Igueldo eröffnete, verlor Ulia sein Publikum, in den zwanziger Jahren stellte die Straßenbahn den Betrieb ein. Geblieben sind Reste: die Wiese des ehemaligen Tontaubenschießstands, heute Picknickplatz mit Spielgelegenheit, verwitterte Mauern, ein unterirdisches Wasserreservoir und weiter draußen die Batteriestellung an der Punta de Mompás.

Grüne Steilhänge rund um die Hafenbucht von Pasaia im Baskenland
Hinter Ulia fällt die Küste steil zum Atlantik ab – hier Richtung Pasaia.

Der Küstenweg nach Pasaia

Der schönste Weg des Viertels beginnt in Gros und endet am Hafen von Pasaia: rund acht Kilometer über den Berg und an der Kante entlang, mit zwei bis drei Stunden Gehzeit und Steigungen, die zwar fordern, aber nichts Alpines verlangen. Der Pfad ist Teil des Küstenwegs des Jakobswegs und durchgängig markiert. Unterwegs wechseln Wald, Ginster und plötzlich offene Blicke auf den Atlantik; kurz vor dem Ziel öffnet sich die enge Hafeneinfahrt von Pasaia unter einem.

Blick über die Bucht von Pasaia auf die schmale Hafeneinfahrt zum Atlantik
Ziel der Wanderung: die schmale Hafeneinfahrt von Pasaia.

Der Weg endet in Pasai San Pedro; von dort setzt ein kleines Boot in Minuten nach Pasai Donibane über, wo die Fischrestaurants liegen. Zurück nach Donostia geht es mit dem Bus, sodass man die Strecke nur in eine Richtung laufen muss. Wer lieber kürzer unterwegs ist, dreht am Picknickplatz um. Weitere Strecken in der Umgebung stehen in meiner Übersicht der schönsten Wanderrouten rund um San Sebastián.

Miracruz und Ategorrieta: das Viertel unten

Unterhalb des Bergs zieht sich das Wohnviertel an der Avenida Alcalde José Elosegi entlang, der alten Ausfallstraße Richtung Irun und Frankreich. Der Bereich gehörte einst zur eigenständigen Gemeinde Alza, die 1940 nach Donostia eingemeindet wurde; die Namen Miracruz, Ategorrieta und Alto de Miracruz stammen aus dieser Zeit. Was man hier findet, ist normales Stadtleben: Wohnblöcke am Hang, Bäckereien, ein paar Bars, Blick auf das Meer aus dem dritten Stock. Vom Zentrum ist man mit dem Stadtbus in gut zehn Minuten da, zu Fuß von Gros in zwanzig.

Essen und Trinken in Miracruz-Ulia

Gastronomisch ist das Viertel dünn besiedelt – bis auf eine Adresse, die alles aufwiegt: Am Alto de Miracruz steht das Arzak. Das Haus wurde 1897 von den Großeltern Juan Mari Arzaks als Weinausschank und Taverne errichtet, damals noch im Dorf Alza und wegen der Qualität der Weine spöttisch Alto de Vinagres genannt. Aus der Taverne wurde ein Speisehaus, aus dem Speisehaus in den siebziger Jahren eines der Gründungsrestaurants der Neuen Baskischen Küche; seit 1989 trägt es drei Michelin-Sterne, die es ohne Unterbrechung gehalten hat. Heute führt Elena Arzak die Küche gemeinsam mit ihrem Vater. Wichtig für die Orientierung: Das Arzak liegt hier im Osten, nicht im Antiguo, wie oft behauptet wird.

Ansonsten gilt: Wer nach der Wanderung essen will, geht entweder hinunter nach Gros oder weiter nach Pasaia. Im Viertel selbst gibt es Nachbarschaftsbars mit Kaffee, Bier und einem überschaubaren Pintxo-Angebot – gut für die Pause, nicht für den Abend.

🗣️ Mein Eindruck vor Ort

Ulia ist für mich der Beweis, dass man in Donostia keine Anfahrt braucht, um aus der Stadt herauszukommen. Man steigt in Gros zwischen Wohnhäusern eine Straße hinauf, und zwanzig Minuten später hört man nur noch Wind und Möwen.

Am liebsten laufe ich vormittags los und plane das Ziel gleich mit ein: hinüber nach Pasai Donibane, dort Fisch und ein Glas Txakoli, danach mit dem Bus zurück. Das ist der beste Tagesausflug, den diese Stadt ohne Auto zu bieten hat – und die wenigsten Besucher machen ihn.

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Häufige Fragen zu Miracruz-Ulia

Wie kommt man auf den Monte Ulia?

Zu Fuß von Gros in etwa 45 Minuten, meist über die Calle Zemoria und den alten Trassenverlauf der früheren Straßenbahn. Mit dem Auto führt die Carretera de Ulia hinauf, oben gibt es begrenzte Parkmöglichkeiten.

Wie lang ist der Küstenweg nach Pasaia?

Rund acht Kilometer, je nach Tempo zwei bis drei Stunden. Der Weg ist mittelschwer, durchgehend markiert und endet in Pasai San Pedro; zurück fährt man mit dem Bus.

Liegt das Restaurant Arzak in Miracruz?

Ja. Das Arzak steht am Alto de Miracruz an der Avenida Alcalde José Elosegi 273 am östlichen Stadtrand, nicht im Antiguo. Das Haus stammt von 1897 und hält seit 1989 drei Michelin-Sterne.

Ist der Weg ganzjährig begehbar?

Ja. Angenehm sind vor allem April bis Juni und September bis Oktober. Nach Regen sind die Lehmpassagen rutschig, feste Schuhe sind Pflicht, und an den Klippen sollte man Abstand halten.

Lohnt sich Miracruz-Ulia für Besucher?

Für alle, die laufen mögen, ja. Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn gibt es nicht, dafür einen halben Tag Küste, Wald und Aussicht direkt vor der Stadt – ohne Auto und ohne Eintritt.

Christian Fenske, Weinhändler und Foodblogger von Gozatu

Über den Autor

Christian Fenske ist Weinhändler und Foodblogger. Für Gozatu! ist er regelmäßig in Donostia-San Sebastián unterwegs und schreibt nur über Orte, die er selbst besucht hat. Mehr über Christian →