Fünf Kilometer östlich von Donostia-San Sebastián, eingeklemmt zwischen Berg Ulia und dem Jaizkibel-Massiv, liegt einer der erstaunlichsten Orte der baskischen Küste: Pasaia. Zwei Fischerdörfer, durch eine schmale Bucht getrennt, verbunden nur per Fährchen oder einem langen Umweg über Lezo. Auf der einen Seite Pasai Donibane mit seinen bunten Häusern und der einzigen Dorfstraße, die manchmal unter Häusern durchführt. Auf der anderen Seite Pasai San Pedro mit dem Werftmuseum Albaola – wo gerade ein Projekt abläuft, das den Verstand strapaziert: der Nachbau eines Walfangschiffs aus dem 16. Jahrhundert. Mit Techniken aus dem 16. Jahrhundert. Nicht als Filmkulisse. Sondern um damit 2027 nach Kanada zu segeln.
Pasaia auf einen Blick
- Lage: 5 km östlich von Donostia-San Sebastián, Gipuzkoa
- Ortsteile: Pasai Donibane & Pasai San Pedro
- Anreise: Regionalbus (Lurraldebus, Linien seit 1. Oktober 2026 neu nummeriert), El Topo (Euskotren), Auto (Parkplatz Ortseingang)
- Highlight: Albaola & Nao San Juan – Museumsschiff seit Nov. 2025
- Festival: Itsas Festibala, alle zwei Jahre – zuletzt Mai 2026
- Eintritt: Dorf & Festival kostenlos; Albaola: Eintritt variabel

Geschichte – Galeonen, Walfang und berühmte Gäste
Pasaia ist seit dem 12. und 13. Jahrhundert urkundlich als Hafen belegt – damals Umschlagplatz für Wolle aus Navarra und Eisenwaren aus den Schmieden Gipuzkoas. Seinen Höhepunkt erlebte der Hafen im 16. und 17. Jahrhundert: Er diente dem spanischen Königreich als Marinebasis, Werften bauten hier königliche Galeonen, und baskische Walfänger stachen von hier aus in Richtung Neufundland und Labrador in See. In manchen Jahren lagen über 300 baskische Schiffe vor der kanadischen Küste. Wie sehr diese Werften das Selbstbild Gipuzkoas prägen, zeigt das San Telmo Museum in Donostia: Eines der elf Wandbilder von Josep Maria Sert, „Pueblo de armadores“, zeigt den Hafen von Pasaia mitten im Schiffbau – Ochsen ziehen eine Kanone, die lange Schiffsreihe deutet die Armada an.
Das Castillo Santa Isabel wurde 1621 unter Philipp IV. zum Schutz des Hafens fertiggestellt – es sicherte den strategisch wichtigen Hafeneingang vor Piraten und ausländischen Kriegsschiffen. Kluge Entscheidung: Pasaia galt als einer der sichersten Naturhäfen der gesamten europäischen Atlantikküste.

1777 reiste der Marquis de La Fayette auf dem Landweg nach Spanien und stach von Pasai Donibane aus in See – um den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu unterstützen. Es war seine erste Atlantiküberquerung. Die Basken, die dieses Meer seit Generationen befuhren, dürften das am Kai eher nüchtern zur Kenntnis genommen haben. Am Palast Villaviciosa erinnert heute eine Gedenktafel an den Aufbruch.
Nicht zu vergessen: Pasai San Pedro ist Geburtsort von Blas de Lezo, einem der bedeutendsten Admiräle der spanischen Seefahrtsgeschichte. Mit einem Auge, einem Arm und einem Bein – der Mann hatte im Laufe seiner Karriere buchstäblich Substanz verloren – verteidigte er 1741 Cartagena de Indias gegen eine britische Flotte, die für ihre Niederlage in England noch jahrelang keine Erklärung finden wollte. In San Pedro erinnert sein Geburtshaus an diesen außergewöhnlichen Seemann.
Pasai Donibane – das Dorf mit einer Straße
Wer mit dem Auto kommt, parkt am Ortsrand. Dann beginnt sie: die Donibane Kalea, die einzige Straße des Ortes, die sich durch Torbögen schlängelt, manchmal buchstäblich unter Häusern hindurchtaucht und direkt am Wasser endet. Drei-, vier-, fünfstöckige Fischerhäuser in Blau, Rot, Gelb und Grün – Balkons über Balkons, und darunter das ruhige Wasser der Bucht. Das Ganze ergibt eine Szenerie, bei der man sich fragt, ob das noch Realität oder schon ein Filmset ist.

Architektonisch lohnen sich mehrere Stopps: Der Palast Arizabalo und der Palast Villaviciosa, beide vor 1800 erbaut, geben dem Dorf seinen herrschaftlichen Rahmen. Die Basilika Santo Cristo de Bonanza, die Kirche San Juan Bautista, die Kapelle Santa Ana – wer die alle besucht, hat danach jedenfalls mit dem Universum abgeschlossen. Das alte Rathaus von 1735 fällt unter den baskischen Rathäusern schon dadurch auf, dass es gar nicht baskisch wirkt: kein großer Bogen, Satteldach, rechteckig. Vermutlich hat der Architekt den Auftrag aus Versehen angenommen.
Victor Hugo übernachtete 1843 im Haus Gaviria, direkt am Wasser. Was genau ihn nach Pasaia geführt hat, ist nicht ganz klar – vielleicht die gleiche Mischung aus Fjordromantik und Hafenlärm, die heute noch jeden Besucher packt.

Pasai San Pedro – die andere Seite
Mit der kleinen Personenfähre setzt man in wenigen Minuten nach Pasai San Pedro über – und landet in einer anderen Welt. Auch hier dasselbe historische Straßenbild: schmale Gassen, bunte Häuser, alte Kirche San Pedro mit beeindruckender Fassade. Doch San Pedro hat zusätzlich etwas, das Donibane fehlt: die Albaola Itsas Kultur Faktoria.

Wer von San Pedro aus den Berg Ulia erklimmt, wird mit einem Panorama belohnt, das alle Mühe sofort vergessen lässt: die Bucht tief unten, die Schiffe, das Meer, und bei gutem Wetter bis hinüber zur Küste Frankreichs. Der GR-121-Wanderweg beginnt am nördlichen Ausgang von Donibane und führt weiter Richtung Hondarribia – für Einsteiger vielleicht etwas anspruchsvoll, aber historisch gesehen derselbe Weg, den baskische Seeleute seit Jahrhunderten zu Fuß zurückgelegt haben. Die hatten allerdings kein Smartphone zur Navigation.
Albaola & die Nao San Juan – das Projekt des Jahrhunderts
Genau das ist es, womit man sich in Pasai San Pedro beschäftigt hat: ein baskisches Walfangschiff aus dem 16. Jahrhundert nachzubauen. Nicht irgendein Schiff – sondern die San Juan, die im Frühjahr 1565 von Pasaia aus nach Labrador aufbrach, dort Wale jagte und im Herbst desselben Jahres vor der Küste Neufundlands sank. Das Wrack blieb 413 Jahre unentdeckt – bis 1978 kanadische Archäologen der Behörde Parks Canada es in Red Bay, Labrador, unter zehn Metern Wasser und einer dicken Schicht Ballaststeinen fanden. Heute ist Red Bay UNESCO-Weltkulturerbe.

Parks Canada dokumentierte das Wrack jahrzehntelang, erstellte präzise Baupläne und übergab diese schließlich an Albaola. Der Bau der Replik begann 2013 in Pasai San Pedro – auf dem Gelände einer alten Werft, genau dort, wo das Original einst vom Stapel lief. Im Juni 2014 wurde symbolisch der Kiel gelegt. Mit Techniken des 16. Jahrhunderts: Schiffszimmerei, Schmiedekunst, Segelerei, Seilerhandwerk. Handwerk, das fast verschwunden war, wurde für dieses Projekt wiederbelebt und an junge Handwerker aus aller Welt weitergegeben.
Am 7. November 2025 wurde der Rumpf zu Wasser gelassen – nach über elf Jahren Bauzeit. Mit Sidra getauft, nicht mit Champagner. Natürlich. Die Zeremonie wurde von Bertsolaris besungen, vom Lehendakari besucht, von Kanadas Botschafterin begleitet, und live auf ETB1 übertragen. Xabier Agote, Gründer und Vorsitzender von Albaola, fasste es schlicht zusammen: „Hemos rescatado un conocimiento olvidado“ – wir haben vergessenes Wissen zurückgeholt.
Was jetzt noch fehlt: rund 4 km Tauwerk aus Hanf, zwei Sätze Segel à 600 m², geschmiedete Anker, Walboote, Kupferkessel und Fässer – alles nach historischen Vorlagen. Während der Fertigstellung auf dem Wasser ist das Schiff als Museumsschiff besuchbar. Das Ziel: 2027 überquert die San Juan den Atlantik Richtung Red Bay, Kanada – mit einer Besatzung von rund 40 Personen in historischen Gewändern, ohne moderne Navigationsgeräte als Haupthilfe. Die Inuit-Gemeinden, deren Vorfahren im 16. Jahrhundert mit baskischen Walfängern in Labrador zusammentrafen, sind bereits in das Projekt eingebunden.
Pasaia Itsas Festibala – das maritime Festival
Alle zwei Jahre verwandelt sich Pasaia in den wichtigsten maritimen Treffpunkt der baskischen Küste. Das Pasaia Itsas Festibala, 2018 zum ersten Mal veranstaltet, bringt traditionelle Holzschiffe aus ganz Europa in die Bucht. Die dritte Ausgabe 2024 zählte über 135.000 Besucher und mehr als 110 einlaufende Schiffe. Darunter historische Segler wie die Recouvrance, die Grayhound und das Patache Juanita Larando.

Die vierte Ausgabe fand vom 14. bis 17. Mai 2026 statt. Angekündigt waren neben Albaola-Booten und den üblichen Traditionsseglern unter anderem die Morgenster (ein über 100 Jahre alter niederländischer Heringsfänger), die Étoile du Roy und der Ring Andersen – dazu die frisch gewässerte Nao San Juan. Kanada war Gastland der Ausgabe – eine Brücke zurück zu den Walfängern des 16. Jahrhunderts. Die nächste Ausgabe wird turnusgemäß 2028 erwartet.
Das Festival ist kostenlos zugänglich und findet in beiden Ortsteilen statt. Schmiede hämmern am Kai, Bootsbauer zeigen ihr Handwerk, Musik aus verschiedenen Küstenkulturen klingt durch die Gassen. Für Kinder gibt es einen acht Meter hohen Klettermast auf der Plaza Bizkaia. Für Erwachsene: Pintxos und Txakoli mit Blick auf historische Segelschiffe. Schwer vorstellbar, wie man das toppen könnte.
Essen, Trinken & Ankommen
Pasaia ist von Donostia aus bequem erreichbar: mit dem Bus, dem Auto (Parkplatz am Ortsrand Donibane), oder am schönsten mit El Topo, dem Euskotren-Zug, der die gesamte Küste entlangfährt. Die Kombination aus Bahnfahrt und kleiner Fähre zwischen den Ortsteilen gehört zum Erlebnis.

Gegessen wird am Wasser, auf beiden Seiten der Bucht. In Pasai Donibane serviert Ontziola täglich wechselnde Menús del Día mit frischem Fisch für faire Preise – der Geheimtipp für alle, die essen wollen wie die Locals. Casa Cámara holt den Hummer im Korb direkt aus dem Meer unter dem Speisesaal, Txulotxo steht für baskische Produktküche über dem Hafen, und I&M Arkupe Berri kocht bodenständig baskisch direkt an der Kaimauer. Auf der anderen Seite, in Pasai San Pedro, legt La Lonja den Fisch auf den Holzkohlegrill, und Izkiña Jatetxea in Trintxerpe steht für Fisch und Meeresfrüchte aus dem eigenen Vivero – stiller Klassiker, kaum von Touristen entdeckt.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Pasaia ist für mich einer der überraschendsten Orte rund um Donostia. Nur fünf Kilometer raus, und man steht plötzlich in einem anderen Jahrhundert: eine schmale Bucht, bunte Fischerhäuser, eine einzige Gasse, die direkt am Wasser endet. Die kleine Fähre rüber nach San Pedro gehört für mich unbedingt dazu.
Wer Geschichte mag, kommt an Albaola und der Nao San Juan nicht vorbei – ein nachgebautes Walfangschiff aus dem 16. Jahrhundert mitten im Bau zu sehen, ist beeindruckend. Mein Tipp: den Besuch mit einem Mittagessen am Wasser verbinden.
🗺️ Lage & Anfahrt
Zu Fuß: Pasaia liegt rund 5 km östlich von Donostia-San Sebastián, die Karte zeigt die Bucht mit beiden Ortsteilen. Zwischen Pasai Donibane und dem Zentrum von Donostia verläuft ein Wanderweg über den Monte Ulia: rund 13 km, etwa fünf Stunden und gut 400 Höhenmeter, inklusive Fährüberfahrt über die Bucht. Von Pasai Donibane nach Osten führt der GR 121 in rund 24,5 km nach Hondarribia.
Öffentlich: Der Topo (Euskotren, Linie E2) fährt zwischen Amara und Pasaia alle 7,5 Minuten. Für Pasai San Pedro steigt man an der Station Herrera aus, von dort sind es laut Tourismusbüro rund 20 Minuten zu Fuß bis zum Anleger. Die Station Pasaia selbst liegt in Pasai Antxo. Regionalbusse fahren von Donostia sowohl nach Pasai Donibane als auch nach Pasai San Pedro, nach San Pedro zu Stoßzeiten alle 15 Minuten. Seit 1. Oktober 2026 tragen die Lurraldebus-Linien der Region neue Nummern (aus der E09 nach San Pedro wurde die OR05), aktuelle Linien bei lurraldebus.eus. Zwischen beiden Ortsteilen pendelt ganzjährig die Motora von Itxaszerbi: montags bis donnerstags 6:30 bis 23 Uhr, freitags und samstags bis Mitternacht, sonn- und feiertags 7:45 bis 23 Uhr; Fahrkarten an Bord, 1,85 Euro oder 0,48 Euro mit Mugi-Karte (Stand März 2025). Die Boote sind nicht für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität ausgestattet.
Auto & Parken: Am Rand des Ortskerns von Pasai Donibane gibt es einen großen Parkplatz, von dort geht es zu Fuß in die Donibane Kalea. Zu den Fiestas de Santiago Ende Juli wird die Straße zeitweise für den Verkehr gesperrt.
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Casa Cámara · Falkon · I&M Arkupe Berri · Izkiña Jatetxea · La Lonja · Ontziola Jatetxea · Txulotxo
Häufig gestellte Fragen zu Pasaia
Wie kommt man von Donostia nach Pasaia?
Am einfachsten mit dem Regionalbus (Lurraldebus, Linien seit 1. Oktober 2026 neu nummeriert, Fahrpläne auf lurraldebus.eus) oder mit El Topo, dem Euskotren Richtung Hendaye. Mit dem Auto gibt es Parkplätze am Ortseingang von Donibane. Die Ortsteile Donibane und San Pedro verbindet eine kleine Personenfähre – die Überfahrt dauert Minuten und kostet unter 2 €.
Was ist die Albaola Itsas Kultur Faktoria?
Albaola ist ein Werftmuseum und Forschungszentrum in Pasai San Pedro, das sich dem baskischen Meereskultur-Erbe widmet. Bekanntestes Projekt: der wissenschaftliche Nachbau der Nao San Juan, eines baskischen Walfängers aus dem 16. Jahrhundert. Das Schiff wurde im November 2025 zu Wasser gelassen und ist derzeit als Museumsschiff besuchbar. Die Faktoria beherbergt außerdem eine internationale Schule für Schiffszimmerleute (Aprendiztegi).
Was ist das Pasaia Itsas Festibala?
Ein internationales maritimes Kulturfestival, das alle zwei Jahre in Pasaia stattfindet. Traditionelle Holzschiffe aus ganz Europa laufen in die Bucht ein, Handwerker zeigen historisches Kunsthandwerk, und das Programm verbindet Musik, Gastronomie und Meereskultur. 2024 kamen über 135.000 Besucher. Die vierte Ausgabe fand vom 14. bis 17. Mai 2026 statt; die nächste wird turnusgemäß 2028 erwartet.
Was hat Victor Hugo mit Pasaia zu tun?
Der französische Schriftsteller übernachtete 1843 im sogenannten Haus Gaviria (auch bekannt als Maison Victor Hugo) in Pasai Donibane – einem typischen Haus des 17. Jahrhunderts mit direktem Zugang zur Bucht. Was genau ihn nach Pasaia führte, ist nicht ganz klar. Das Haus ist heute eines der historischen Wahrzeichen des Ortes.
Wann segelt die Nao San Juan nach Kanada?
Geplant ist die Atlantiküberquerung für 2027. Die Nao San Juan soll dann die Route des Originals nachfahren – von Pasaia nach Red Bay, Labrador. An Bord: rund 40 Personen in historischen Gewändern, ausgestattet mit Techniken und Material des 16. Jahrhunderts. Red Bay ist heute UNESCO-Weltkulturerbe; dort liegt das Originalwrack noch immer auf dem Meeresgrund.
Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


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