Casa Cámara in Pasai Donibane: Hummer direkt aus dem Meer gezogen

Casa Cámara in Pasai Donibane vom Wasser aus gesehen – der Speisesaal ragt über den Hafen von Pasaia

Es gibt Restaurants, in denen wird es plötzlich still. Im Casa Cámara passiert das immer im selben Moment: wenn die Chefin in die Mitte des Speisesaals tritt, an die Seilwinden greift, die dort von der Decke hängen, und die Körbe mit Hummer und Languste direkt aus dem Meer heraufzieht. Selbst die gerade gestillten Babys drehen die Köpfe. Seit 1884 geht das hier so – und hoffentlich noch lange. Pasai Donibane liegt nur fünf Kilometer östlich der Stadt und gehört zu den lohnendsten Tagesausflügen von San Sebastián; alles zur Stadt selbst steht in meinem San Sebastián Reiseführer.

Casa Cámara auf einen Blick

  • Küche/Konzept: Klassische baskische Fisch- und Meeresküche, reine Produktküche
  • Ideal für: ein Festmahl mit Hummer oder Languste im Speisesaal über dem Wasser, mit Blick auf die Hafeneinfahrt – perfekt kombiniert mit einem Ausflug nach Pasai Donibane
  • Empfohlene Gerichte: Austern, Tomatensalat, Gänseleber, Kaisergranat, Seehecht rebozado, Apfelkuchen mit Vanilleeis – dazu Hummer oder Languste frisch aus dem Hälterbecken
  • Ort: Pasai Donibane, Pasaia (Gipuzkoa), ca. 5 km von Donostia-San Sebastián
  • Gebäude: Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert direkt über dem Wasser
  • Gegründet: 1884 von Pablo Cámara – heute in vierter Generation
  • Besonderheit: natürliches Hälterbecken mitten im Speisesaal, Hummer und Languste werden vor den Gästen aus dem Meer gezogen
  • Bewertung: Google 4,6 ★ · Guía Repsol
  • Preisniveau: €€€
  • Öffnungszeiten: Sommersaison: 21. Juni – 19. September: Di–Sa 13:00–15:30 & 20:30–22:15 · Mo, So geschlossen | Übrige Saison: 20. September – 20. Juni: Mi–Do, So 13:00–15:30 · Fr–Sa 13:00–15:30 & 20:30–22:15 · Mo–Di geschlossen
  • Reservierung: unbedingt empfohlen – in der Hauptsaison Wochen im Voraus
  • Adresse: Donibane Kalea (San Juan) 79, 20110 Pasai Donibane
  • Telefon: +34 943 52 36 99
  • Website: casacamara.com
  • Zuletzt besucht: 2025

Pasaia: vier Stadtteile, zwei Berge, ein Hafen

Pasaia ist ein kleiner ehemaliger Fischerort östlich von Donostia-San Sebastián. Die gerade einmal gut 16.000 Einwohner fassende Stadt besteht aus den vier Stadtteilen Pasai Donibane, Pasai San Pedro, Pasai Antxo und Trintxerpe. Sie schmiegen sich mal lieblich, mal mit der einen oder anderen Bausünde im Gepäck rund um die beiden Berge Monte Ulia und Monte Jaizkibel. Dazwischen liegt der große Seehafen, der vielen Menschen Arbeit bietet.

Die alte Hafenstadt ist bis heute ein bedeutendes Zentrum des spanischen Fischfangs. Leider sind die Bestände in den Gewässern inzwischen so minimiert, dass nur noch ein Fischerboot morgens den Hafen verlässt, um am Nachmittag seinen Fang an die hier ansässigen Restaurants zu verkaufen. Die meisten davon liegen im alten Stadtteil Pasai Donibane – einer schmalen Gasse aus bunten Häusern, die sich zwischen Fels und Wasser klemmt. Eines der bekanntesten und berühmtesten ist das Casa Cámara.

Seit 1884: die Geschichte des Hauses

Die Geschichte beginnt schon 1850, als Pablo Cámara als Gemeindesekretär nach Pasai Donibane kam. Er kaufte ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, dessen heutiger Speisesaal damals als Anlandeplatz diente: Hier luden die arrantzales, die Fischer des Dorfes, ihren Fang aus, gegenüber dem heutigen Eingang stand die Fischauktionshalle. Als die Anlandung an einen anderen Ort im Dorf verlegt wurde, baute Cámara genau dort das Hälterbecken, das bis heute im Zentrum des Speisesaals liegt, und begann, Essen und Meriendas auf Basis von Fisch und Meeresfrüchten zu servieren. Erst überdachte eine schlichte Rankpflanze den Bereich, später eine Markise. Das Jahr war 1884 – der Beginn von Casa Cámara.

Seither ist das Haus ununterbrochen in Familienbesitz geblieben; heute führt die vierte Generation den Betrieb. Damit gilt Casa Cámara als das älteste durchgehend aktive Restaurant von Gipuzkoa. Der Speisesaal ragt über das Wasser am Eingang der Hafeneinfahrt – man sitzt beim Essen buchstäblich über dem Meer und schaut den ein- und auslaufenden Schiffen zu.

Am Rande eine hübsche Fußnote zum Ort: Die Musikkapelle von Pasai Donibane wurde 1818 gegründet und ist damit die älteste des gesamten Baskenlandes. Ihr Name war programmatisch – „La Constancia“, auf Baskisch Konstantzia. Ende des 19. Jahrhunderts sollen die meisten ihrer Musiker Fischer gewesen sein, die ihre Instrumente mit aufs Meer nahmen, um freie Momente zum Üben zu nutzen; als Notenständer diente der Rücken des Ruderers davor. Aus dieser Szene entstand die Tamborrada Arrantzale Sanjuandarra, die bis heute gefeiert wird.

Das Schauspiel mit den Seilwinden

Hierher kommen Touristen wie Basken, um sich einen ganzen Fisch grillen zu lassen oder gleich einen Hummer beziehungsweise eine Languste zum Festmahl zu machen. Und genau das ist der Moment, in dem es im sonst lebhaften Casa Cámara plötzlich ruhig wird.

Die Chefin betritt den Raum und geht in die Mitte des Restaurants, wo zwischen einem länglichen Holzgeländer ein paar Seilwinden mitsamt Seilen an der Decke hängen. Je nach Bestellung zieht sie die Käfige mit den Hummern oder Langusten direkt aus dem Meer herauf. Kennerhaft und flink werden die gewünschten Prachtexemplare gegriffen und in einen Eimer gelegt. Der Gang in die Küche ist dann nicht mehr weit – und des einen Schicksal ist des anderen Glück. So war es hier schon immer, und so wird es hoffentlich auch immer bleiben.

Was auf den Tisch kam

Es ist eine klassische Produktküche, die ohne großen Firlefanz auskommt und ausschließlich auf die Produkte von Land und Meer baut. Unsere Runde:

  • Austern – der klassische Auftakt an diesem Ort über dem Wasser.
  • Tomatensalat – schlicht, reif, salzig, ölig. Mehr braucht es nicht.
  • Gänseleber – der eine Ausflug weg vom Meer, und ein sehr guter.
  • Kaisergranat – süß, fest, präzise auf den Punkt gegart.
  • Seehecht rebozado – in Ei und Mehl gewendet und gebraten, jene baskische Zubereitung, an der man erkennt, wie gut der Fisch wirklich ist.
  • Apfelkuchen mit Vanilleeis – kein Konzept, kein Konstrukt, einfach richtig gut.

Auf der Karte stehen darüber hinaus die großen Klassiker der baskischen Meeresküche: Txangurro aus dem Ofen, Kokotxas vom Seehecht, gemischte Meeresfrüchte-Parrillada, gebratener Besugo, Muscheln in grüner Sauce, Seezunge Müllerin – und natürlich die atlantische Languste, gekocht oder gegrillt.

🗣️ Mein Eindruck vor Ort

Das Casa Cámara ist einer dieser Orte, an denen die Inszenierung nicht aufgesetzt wirkt, weil sie schlicht die Arbeitsweise des Hauses ist. Das Hälterbecken ist keine Deko – es ist der Grund, warum das Restaurant genau hier steht. Und der Moment, in dem die Körbe hochkommen, ist auch nach über 140 Jahren noch großes Theater.

Kulinarisch keine Experimente, sondern Produkt, Feuer, Salz. Der Kaisergranat und der Seehecht rebozado waren für mich die Höhepunkte, dazu ein Tomatensalat, der zeigt, wie wenig es braucht. Der Blick aus dem Speisesaal auf die Hafeneinfahrt tut den Rest. Reservieren – und zwar früh.

Praktische Infos & Kontakt

📍 Casa Cámara (Casa Cámara jatetxea)
Donibane Kalea (San Juan) 79
20110 Pasai Donibane (Gipuzkoa)
+34 943 52 36 99
casacamara.com

🕐 Öffnungszeiten

Sommersaison: 21. Juni – 19. September

MontagGeschlossen
Dienstag – Samstag13:00 – 15:30 & 20:30 – 22:15 Uhr
SonntagGeschlossen

Übrige Saison: 20. September – 20. Juni

Montag – DienstagGeschlossen
Mittwoch – Donnerstag13:00 – 15:30 Uhr
Freitag – Samstag13:00 – 15:30 & 20:30 – 22:15 Uhr
Sonntag13:00 – 15:30 Uhr

Angegeben sind die Küchenzeiten; der Speisesaal bleibt mittags bis 18:00 und abends bis 00:30 Uhr geöffnet. Betriebsferien vom 9. bis 26. November, dazu einzelne Ausnahmetage. Das Haus ist klein und international bekannt – Reservierung unter +34 943 52 36 99 oder über casacamara.com. Stand: Oktober 2026.

🗺️ Lage & Anfahrt

Zu Fuß: Die Gasse von Pasai Donibane ist Fußgängerzone – bis vor die Tür kommt man nicht mit dem Auto. Vom Ortseingang sind es rund fünf Minuten durch das Dorf.

Öffentlich: Ab Donostia sind es rund 5 Kilometer, Busse fahren regelmäßig nach Pasaia. Die schönste Anreise ist die motora von Pasai San Pedro herüber – eine halbe Minute Überfahrt, die den Abend eröffnet. Wer Zeit hat, wandert über die Steilküste am Monte Ulia.

Auto & Parken: Geparkt wird auf dem großen Platz am Ortseingang von Pasai Donibane, nicht im Ort selbst.

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Laia Erretegia – Jon Ayala grillt Txuleta und Meeresfrüchte auf Weltklasseniveau.

Mola Mola Bar – Beach Bar an der Playa de la Antilla mit hausgemachten Burgern und Strandblick.


Häufige Fragen zum Casa Cámara

Wo liegt das Casa Cámara?

In der Donibane Kalea (Calle San Juan) 79 in Pasai Donibane, am Eingang des Hafens von Pasaia – rund 5 Kilometer östlich von Donostia-San Sebastián.

Wann hat das Casa Cámara geöffnet?

Sommersaison: 21. Juni – 19. September: Dienstag bis Samstag von 13:00 bis 15:30 Uhr und von 20:30 bis 22:15 Uhr. Montag und Sonntag sind Ruhetage. Übrige Saison: 20. September – 20. Juni: Mittwoch und Donnerstag und Sonntag von 13:00 bis 15:30 Uhr, Freitag und Samstag von 13:00 bis 15:30 Uhr und von 20:30 bis 22:15 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage. Die Zeiten wechseln mit der Saison.

Seit wann gibt es das Casa Cámara?

Seit 1884. Pablo Cámara gründete es in einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das er zuvor erworben hatte. Das Haus ist seither ununterbrochen in Familienbesitz und wird heute in vierter Generation geführt – damit ist es das älteste durchgehend aktive Restaurant Gipuzkoas.

Was hat es mit dem Hälterbecken im Speisesaal auf sich?

Es ist ein natürliches Becken, das mit dem Meer verbunden ist und mitten im Speisesaal liegt. Darin leben Hummer und Langusten. Wird bestellt, werden die Körbe an Seilwinden vor den Gästen aus dem Wasser gezogen und die Tiere direkt in die Küche gebracht.

Muss man im Casa Cámara reservieren?

Unbedingt. Das Haus ist klein und international bekannt; in der Hauptsaison sollte man Wochen im Voraus buchen.

Kann man mit dem Auto bis vor die Tür fahren?

Nein. Die Gasse von Pasai Donibane ist nicht befahrbar. Geparkt wird am großen Platz am Ortseingang, von dort geht man rund fünf Minuten zu Fuß. Alternativ setzt die kleine Fähre von Pasai San Pedro in weniger als einer Minute über.

Christian Fenske, Weinhändler & Foodblogger von Gozatu!

Über den Autor

Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

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