Laia Erretegia Hondarribia: Meistergrill an der Grenze

Reifeschrank mit dry-aged Txuleta-Cuts im Laia Erretegia in Hondarribia.

Das Laia Erretegia liegt so versteckt, dass man kaum glaubt, hier eines der besten Grillrestaurants der Welt zu finden. Oberhalb von Hondarribia, an den Hängen des Jaizkibel, zwischen Bauernhöfen und der Einsiedelei Santiagotxo – mitten auf dem Jakobsweg. Eine halbe Autostunde von Donostia entfernt und damit einer der lohnendsten Tagesausflüge von San Sebastián – die Stadt selbst nimmt sich mein San Sebastián Reiseführer vor. Hier steht Jon Ayala an der Parrilla und macht das, wofür er 2026 auf Platz 3 der World’s 101 Best Steak Restaurants gewählt wurde: Er grillt jede Txuleta einzeln, zerlegt sie in ihre drei Muskeln und legt damit offen, was ein Stück Fleisch alles sein kann.

Laia Erretegia auf einen Blick

  • Name: Laia Erretegia (bei Google als „Laia Erretegia Jatetxea“ geführt)
  • Küche & Konzept: Asador und Sidrería – Fleisch, Fisch und Gemüse vom Holzkohlegrill
  • Am Grill: Jon Ayala, Sieger des nationalen Grillwettbewerbs auf der San Sebastián Gastronomika 2015 und Spezialist für Fleischreifung
  • Im Service: Arantxa Ayala, seine Schwester – sie führt Saal und Weinkeller
  • Auszeichnungen: Nr. 3 der World’s 101 Best Steak Restaurants 2026 · 2 Sonnen der Guía Repsol · Michelin Plate
  • Probierte Gerichte: Marinierte Txuleta unter Wassermelonen-Mayonnaise, gegrillter Spargel, Steinpilze, Gambas aus Huelva, Jakobsmuschel mit Herzmuschel-Creme, Pimientos de Piquillo, Txuleta, Käseeis
  • Besonderheit: Die Txuleta reift bis zu 60 Tage dry-aged im hauseigenen Reifeschrank
  • Preisniveau: €€€ – etwa 60–90 € pro Person
  • Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 13:00–15:00 · Sa 13:30–15:00 & 20:30–22:00 · So 13:30–15:00 · Mi Ruhetag
  • Adresse: Arkolla Auzoa 33, 20280 Hondarribia (Gipuzkoa)
  • Telefon: +34 943 64 63 09 – Reservierung dringend empfohlen

Ein Asador in den alten Ställen eines Baserri

Die Geschichte des Laia beginnt mit einem Leerstand. Neben dem Bauernhaus der Familie Ayala im Ortsteil Arkolla standen die Ställe eines aufgegebenen Viehbetriebs. Jon und seine Schwester Arantxa bauten sie um – und eröffneten 2006 ihren Asador. Die Idee dahinter war eine Beobachtung: In Orio und Getaria wurde die Grillküche seit Jahrzehnten hochgehalten, in Hondarribia bot sie niemand an. Diese Lücke wollten die Geschwister füllen.

Der Name erklärt das Konzept: „Laia“ steht für die Wurzel, „Erretegia“ für den Grill. Wurzel und Feuer – mehr braucht es nicht, um zu sagen, worum es in diesem Haus geht.

Der Raum, der dabei entstand, hat mit einem Stall nichts mehr zu tun: eine hohe Holzdecke mit großen Dachfenstern, weit auseinanderstehende Tische, bodentiefe Fenster mit Blick auf die Peñas de Aia und den Jaizkibel. Dazu eine Terrasse, auf der man an warmen Tagen über die Hügel schaut. Es ist ein Ort, an dem sich niemand hetzen lässt.

Ein Detail, das viele Gäste erst auf Nachfrage erfahren: Das Geschirr stammt von Saioa Ayala, der dritten Schwester. Sie ist Keramikerin, ihre Werkstatt liegt direkt nebenan – jeder Teller auf dem Tisch ist von Hand gemacht. Es ist ein Familienbetrieb bis in die Details.

Jon Ayala: vom Akelarre an die Glut

Jon Ayala Bengoetxea kam über den Vater zum Kochen – der war Koch in einer baskischen Sociedad Gastronómica. Weil die Hotelfachschule in Donostia keinen Platz frei hatte, ging Jon nach Katalonien und verbrachte drei Jahre an der renommierten Schule von Sant Pol de Mar. Danach kochte er im Akelarre bei Pedro Subijana, arbeitete in Askain und bei Juan Mari Humada – jenem Koch, der ihn nach eigener Aussage am stärksten geprägt hat.

Den entscheidenden Schliff bekam er aber woanders: im Asador Mutiloa in Pamplona. Dort lernte er die Parrilla. „Die Glut bringt die Tugenden und die Fehler eines Produkts zum Vorschein“, hat er einmal gesagt – ein Satz, der sein ganzes Konzept zusammenfasst. Am Grill kann man nichts verstecken. Entweder das Produkt trägt, oder es trägt nicht.

Im Laia brennt der Grill deshalb jeden Tag – und nicht nur für Fleisch. Gemüse, Pilze, Fisch, Meeresfrüchte: Alles findet seinen Platz auf der Glut. Genau das unterscheidet das Laia von vielen reinen Steakhäusern.

Der Auftakt: roh, grün und vom Rost

Den Anfang macht ein Vorgriff auf das Hauptthema: marinierte Txuleta unter einer Wassermelonen-Mayonnaise. Das rohe Fleisch, kühl und mürbe, bekommt eine sanft süßliche Begleitung, die die Fleischigkeit nicht überdeckt, sondern rahmt. Ein kluger Einstieg – man weiß sofort, worum es hier gehen wird.

Marinierte Txuleta unter einer Wassermelonen-Mayonnaise als Auftakt im Laia Erretegia.
Marinierte Txuleta unter einer Wassermelonen-Mayonnaise – der Auftakt.

Dann kommt das Gemüse – und hier zeigt sich, warum Jon Ayala als Grillmeister so ernst genommen wird. Der Spargel wird nicht gekocht. Er geht in den Ofen und danach auf die Glut, kommt bissfest und mit Rauchnote auf den Teller. Ein Gemüse, das in den meisten Restaurants als Beilage untergeht, steht hier für sich.

Gegrillter Spargel vom Holzkohlegrill im Laia Erretegia in Hondarribia.
Gegrillter Spargel – im Laia kommt auch das Gemüse auf die Glut.

Dasselbe Prinzip bei den Steinpilzen: Glut, gutes Olivenöl, Salz. Keine Sauce, kein Schaum, keine Ablenkung. In der baskischen Grillküche ist der Pilz kein Beiwerk, sondern Hauptdarsteller.

Gegrillte Steinpilze vom Holzkohlegrill im Laia Erretegia in Hondarribia.
Gegrillte Steinpilze – Glut, Öl, Salz, sonst nichts.

Vom Meer: Gambas und eine Jakobsmuschel zum Niederknien

Hondarribia liegt am Wasser, und das Laia nutzt das. Die Gambas aus Huelva kommen kurz über die Glut – mehr passiert nicht, mehr muss nicht passieren.

Gegrillte Gambas aus Huelva im Laia Erretegia in Hondarribia.
Gambas aus Huelva – kurz über der Glut, mehr braucht es nicht.

Und dann das Gericht, das die Vorstellung vom Laia als reinem Fleischtempel gründlich zerlegt: die gegrillte Jakobsmuschel unter einer Herzmuschel-Creme mit Olivenschaum. Die Muschel bekommt Röstaromen von der Glut, darunter liegt eine jodige, tiefe Creme, obendrauf ein leichter Schaum. Das ist keine Asador-Küche mehr im engen Sinn – das ist große Küche, die zufällig über Feuer läuft. Nicht ohne Grund wird gerade dieses Gericht in den Bewertungen immer wieder herausgehoben.

Gegrillte Jakobsmuschel unter einer Herzmuschel-Creme mit Olivenschaum im Laia Erretegia.
Jakobsmuschel unter einer Herzmuschel-Creme und Olivenschaum.

Die Txuleta: 60 Tage Reifung und drei Muskeln

Vor dem Hauptgang kommen die Klassiker auf den Tisch, ohne die im Baskenland keine Txuleta serviert wird: ein grüner Salat mit Zwiebeln und Pimientos de Piquillo. Schlicht, richtig, unverzichtbar.

Grüner Salat mit Zwiebeln als klassische Beilage im Laia Erretegia in Hondarribia.
Grüner Salat mit Zwiebeln – die klassische Begleitung zur Txuleta.
Pimientos de Piquillo als Beilage im Laia Erretegia in Hondarribia.
Pimientos de Piquillo – die zweite klassische Beilage zur Txuleta.

Und dann die Txuleta. Sie reift bis zu 60 Tage im Reifeschrank – Jon Ayala ist ausgewiesener Spezialist für Dry-Aged-Fleisch, und der Schrank mit den Cuts ist im Laia kein Deko-Element, sondern das Herz des Betriebs.

Der eigentliche Unterschied liegt aber im Tranchieren. Die meisten Asadores servieren die Txuleta in gleichmäßigen Scheiben. Ayala nicht. Er zerlegt das Roastbeef in seine drei HauptmuskelnFalda, Pluma und Corazón – und legt sie getrennt auf den Teller. Jeder dieser Muskeln hat eine eigene Textur, einen eigenen Fettanteil, einen eigenen Geschmack. Was auf den Tisch kommt, sieht deshalb weniger nach einem Steak aus als nach einer kleinen Ausstellung: ein Stück Fleisch, das seine eigene Vielfalt vorführt. Ayala gilt als Pionier dieser Art zu servieren – und sie ist der Hauptgrund, warum das Laia international so ernst genommen wird.

Aufgeschnittene Txuleta vom Holzkohlegrill im Laia Erretegia in Hondarribia.
Die Chuleta – einzeln gegrillt und nach Muskeln getrennt tranchiert.

Dazu: hausgemachte Pommes frites. Auch das ist ein Statement – in einem Haus, das auf Platz 3 der Weltliste steht, kommt nichts aus der Tüte.

Hausgemachte Pommes frites als Beilage zur Txuleta im Laia Erretegia.
Hausgemachte Pommes frites – auch die Beilage wird hier ernst genommen.

Zum Abschluss: Käseeis

Das Finale ist ein Käseeis mit roter Fruchtsauce und Kirschen. Die salzig-cremige Basis trifft auf Säure und Süße der Früchte – ein Dessert, das nach einer 60 Tage gereiften Txuleta genau das Richtige tut: Es räumt auf, ohne zu langweilen.

Käseeis mit roter Fruchtsauce und Kirschen als Dessert im Laia Erretegia.
Käseeis mit roter Fruchtsauce und Kirschen – das Finale.

Der Weinkeller – und die Sidrería-Seite

Die Weinkarte des Laia ist die Arbeit von Arantxa Ayala. Sie führt den Saal und den Keller und kennt die Winzer und Bodegas persönlich – die Auswahl ist entsprechend gewachsen, nicht eingekauft. Gäste beschreiben die Karte als schier endlos. Wer sich nicht festlegen will, lässt sich beraten; hier weiß jemand, wovon er spricht.

Und dann gibt es noch eine zweite Seite des Hauses, die viele Besucher gar nicht kennen: Das Laia ist auch eine Sidrería. Im Winter öffnet die Txotx-Saison – jene baskische Tradition, bei der man am Fass steht, den Cidre im Strahl ins Glas fängt und gemeinsam an langen Tischen isst. Ein und derselbe Ort, zwei völlig verschiedene Erlebnisse.

🥩 Was das Laia auf Platz 3 der Welt gebracht hat

Die World’s 101 Best Steak Restaurants 2026 bewerten seit 2018 anonym und nach 29 Kriterien – Fleischqualität, Herkunft, Reifung, Technik, Weinkarte, Service. Rund 1.200 Restaurants standen zur Prüfung. Laia Erretegia landete auf Platz 3 weltweit.

Vor Laia stehen nur La Cúpula de El Capricho in León (Platz 1) und Margaret in Sydney (Platz 2). Auf Platz 6 folgt Casa Julián in Tolosa – ein zweiter baskischer Asador in den Top 10.

Dazu kommen 2 Sonnen der Guía Repsol und eine Erwähnung im Michelin Guide (Plate). Für ein Familienlokal in umgebauten Ställen über Hondarribia ist das eine erstaunliche Bilanz.

🗣️ Mein Eindruck vor Ort

Eigentlich glaubt man insgeheim, im Baskenland schon jedes kulinarische Geheimnis entdeckt zu haben. Dass dem nicht so ist, hat sicher mit der Kultur der zunächst zurückhaltenden und dann im Laufe des Gesprächs doch sehr herzlich werdenden Basken zu tun. Ein Baske redet, ohne es zu merken, nur über das Essen und das Trinken.

Die Txuleta ist ihm dabei eines seiner wichtigsten Themen. Woher kommt die Kuh, wie alt war sie, wer hat sie gegrillt, wo und wann? … und … und … und.

Eine wirklich herausragende „Grillbude“, die sich auf Txuletas in verschiedenen Reifegraden spezialisiert hat, ist das Laia Erretegia. In einem modernen, luftigen Ambiente wird hier gegrillt, was die Natur an Schätzen so alles hergibt. Das sind kennerhaft ausgesuchte Spitzenprodukte, die hier meisterhaft gegrillt werden. Chapeau!

Praktische Infos & Kontakt

📍 Laia Erretegia
Arkolla Auzoa 33
20280 Hondarribia, Gipuzkoa
Tel.: +34 943 64 63 09
laiaerretegia.com

🕐 Öffnungszeiten

Montag, Dienstag13:00 – 15:00 Uhr
MittwochRuhetag
Donnerstag, Freitag13:00 – 15:00 Uhr
Samstag13:30 – 15:00 & 20:30 – 22:00 Uhr
Sonntag13:30 – 15:00 Uhr

⚠️ Wichtig: Das Laia ist im Wesentlichen ein Mittagsrestaurant. Abendbetrieb gibt es regulär nur am Samstag. Reservierung ist praktisch Pflicht – das Haus ist international bekannt und die Tische auf der Terrasse sind früh vergeben. Im Winter kommt zusätzlich die Txotx-Saison als Sidrería dazu.

🗺️ Lage & Anfahrt

Zu Fuß: Das Lokal liegt außerhalb des Zentrums im Bauernhof-Viertel Arkolla, an den Hängen des Jaizkibel neben der Einsiedelei Santiagotxo – mitten auf dem Jakobsweg. Der kurze Fußweg zum Haus gehört für viele Gäste zum Erlebnis dazu.

Öffentlich: Kaum praktikabel. Auto oder Taxi sind die realistischen Optionen.

Auto & Parken: Von San Sebastián rund 30 Autominuten über die AP-8 oder die N-1 Richtung Irun und Hondarribia. Vom Flughafen San Sebastián sind es keine zehn Minuten – ein idealer Stopp vor oder nach dem Flug. Parkplätze gibt es direkt am Haus.

Route in Google Maps öffnen →

Weitere passende Empfehlungen im Baskenland

Casa Julián Tolosa – Der Asador, der die Txuleta weltberühmt gemacht hat, keine Autostunde entfernt.

Bodegón Asador Joxe Mari – Baskische Grillkultur in Orio, seit 1957 am selben Feuer.

Txispa Atxondo – Tetsuro Maeda kocht in Bizkaia mit einem Michelin-Stern ausschließlich über Glut.

Aiten Etxe Zarautz – Grillküche mit Panoramablick über den Strand von Zarautz.

Kaia-Kaipe Getaria – Fisch vom Rost direkt am Hafen, dazu einer der größten Weinkeller der Küste.


Häufige Fragen zum Laia Erretegia

Wann hat das Laia Erretegia geöffnet?

Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 13:00 bis 15:00 Uhr, Samstag 13:30–15:00 und 20:30–22:00 Uhr, Sonntag 13:30–15:00 Uhr. Mittwoch ist Ruhetag. Das Laia ist im Kern ein Mittagsrestaurant – abends wird regulär nur samstags serviert. Eine Reservierung unter +34 943 64 63 09 ist dringend zu empfehlen.

Warum ist das Laia Erretegia so berühmt?

Weil Jon Ayala die Txuleta anders behandelt als andere: Er grillt jede einzeln, lässt sie bis zu 60 Tage dry-aged reifen und tranchiert sie nach ihren drei Hauptmuskeln – Falda, Pluma und Corazón –, sodass jeder Teil mit eigener Textur und eigenem Fettanteil auf den Teller kommt. 2026 wurde das Laia auf Platz 3 der World’s 101 Best Steak Restaurants gewählt.

Gibt es im Laia Erretegia nur Fleisch?

Nein. Der Grill brennt für alles: Gemüse wie Spargel und Steinpilze, Meeresfrüchte wie Gambas und Jakobsmuscheln, Fisch wie Steinbutt und Seebrasse. Gerade die gegrillte Jakobsmuschel mit Herzmuschel-Creme und Olivenschaum gehört zu den meistgelobten Gerichten des Hauses. Für Menschen mit Zöliakie ist das Laia gut aufgestellt – vieles ist glutenfrei oder lässt sich anpassen.

Wo liegt das Laia Erretegia?

In der Arkolla Auzoa 33 in Hondarribia, außerhalb des Zentrums an den Hängen des Jaizkibel neben der Einsiedelei Santiagotxo – direkt am Jakobsweg. Vom Flughafen San Sebastián sind es keine zehn Minuten, von San Sebastián rund eine halbe Stunde mit dem Auto.

Ist das Laia Erretegia auch eine Sidrería?

Ja. Neben dem Asador-Betrieb öffnet das Laia im Winter seine Txotx-Saison als Sidrería – mit der baskischen Tradition, den Cidre direkt am Fass ins Glas zu fangen und gemeinsam an langen Tischen zu essen.

Christian Fenske, Weinhändler und Foodblogger von Gozatu

Über den Autor

Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

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