Kursaal San Sebastián: Moneos gestrandete Felsen am Zurriola

Blick vom Fluss Urumea auf den Kursaal in Donostia-San Sebastián

Kurz & knapp: Der Kursaal ist der markanteste Bau der Stadt: zwei gläserne Kuben an der Mündung des Urumea, leicht zum Meer geneigt. Rafael Moneo nannte seinen Wettbewerbsentwurf dos rocas varadas – zwei gestrandete Felsen. Eröffnet 1999, 2001 mit dem Mies-van-der-Rohe-Preis ausgezeichnet. Heute Hauptspielstätte des Filmfestivals, Sitz einer kostenlosen Ausstellungshalle und Hausadresse des Sua.Muka von Andoni Luis Aduriz.

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2026 · von Christian Fenske

Auf einen Blick

  • Name: Kursaal – Palacio de Congresos y Auditorio von Rafael Moneo (Pritzker-Preis 1996), eröffnet 1999, Mies-van-der-Rohe-Preis 2001
  • Lage: Avenida de Zurriola 1, Stadtteil Gros, an der Urumea-Mündung direkt am Zurriola-Strand
  • Eintritt: Sala Kubo Kutxa frei; in die Säle kommt man nur über eine Veranstaltung oder das Restaurant
  • Öffnungszeiten: Sala Kubo Kutxa Di–So 12:00–14:00 und 16:00–20:00 Uhr, montags geschlossen; der Kursaal selbst öffnet nur zu Veranstaltungen
  • Zeitbedarf: eine halbe Stunde für den Bau von außen, mit der Kubo-Ausstellung gut eineinhalb
  • Beste Zeit: abends und in der blauen Stunde – dann leuchtet der Bau von innen; tagsüber wirkt das Glas stumpf wie Stein
  • Barrierefrei: ja – stufenloser Zugang, Aufzug, behindertengerechte Toiletten, Induktionsschleife, Braille-Beschriftung und Hilfspersonal
  • Mit Kindern: von außen jederzeit, direkt am Zurriola-Strand; drinnen lohnt nur die Kubo-Ausstellung
  • Hinkommen: zu Fuß von der Altstadt über die Zurriola-Brücke in wenigen Minuten; mehrere Dbus-Linien halten in unmittelbarer Nähe; Tiefgarage unter dem Gebäude
  • Mein Tipp: in der blauen Stunde vom gegenüberliegenden Urumea-Ufer schauen und tagsüber die kostenlose Kubo-Ausstellung mitnehmen

Zwei gestrandete Felsen

Als Rafael Moneo 1990 den Wettbewerb gewann, hatte er seinem Entwurf einen Titel gegeben, der bis heute alles erklärt: dos rocas varadas – zwei gestrandete Felsen. Der Gedanke dahinter war, die Geografie fortzuschreiben statt sie zu bebauen. Die beiden Kuben gehören deshalb nicht zum Straßenraster von Gros, sondern zur Landschaft: leicht zum Meer geneigt, als hätte sie die Strömung dort abgelegt.

Der große Kubus beherbergt das Auditorium und misst rund 60 mal 48 mal 27 Meter, der kleinere mit dem Kammersaal etwa 43 mal 36 mal 24. Beide tragen eine doppelte Haut aus lichtdurchlässigem, geripptem Glas über einer Stahlkonstruktion. Tagsüber wirkt sie stumpf und geschlossen, fast wie Stein. Abends leuchtet der Bau von innen – und genau dieser Wechsel ist der Grund, warum ihn viele erst nachts richtig wahrnehmen.

Der Bau war nicht unumstritten. Zwei fensterlose Blöcke an der schönsten Stelle der Stadt – das musste sich die Stadt erst erarbeiten. Der Mies-van-der-Rohe-Preis der Europäischen Union, den der Kursaal 2001 erhielt, hat die Diskussion nicht beendet, aber verschoben.

Was vorher dort stand

Der Name ist älter als der Bau. Das Gran Kursaal Marítimo von 1921 war Casino, Restaurant, Kino und Theater in einem, mit 859 Plätzen im Saal – ein Haus der Belle Époque, gebaut für ein Publikum, das zum Spielen an die Concha kam. Als das Glücksspiel in Spanien verboten wurde, verlor es seinen Zweck, verfiel über Jahrzehnte und wurde 1973 abgerissen. Danach lag das Grundstück lange brach.

Dass der Neubau denselben Namen trägt, ist deshalb kein Zufall, sondern eine Ansage: Der Ort sollte zurückbekommen, was er zwischen 1973 und 1999 nicht hatte.

Winterliche Beleuchtung am Fluss Urumea mit Blick auf den Kursaal in Donostia-San Sebastián
Abends spiegelt sich der beleuchtete Bau im Urumea

Was drin passiert

Das Auditorium fasst 1.806 Plätze und lässt sich teilen, der Kammersaal 624. Dazu kommen über 5.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, rund zwanzig Kongressräume und zwei große Terrassen zum Meer. Über 300 Veranstaltungen und mehr als 600.000 Besucher im Jahr laufen durch das Haus.

Drei Festivals prägen den Kalender. Im Juli das Jazzaldia, eines der ältesten Jazzfestivals Europas. Im August die Quincena Musical für Klassik. Und im September das Zinemaldia, das Internationale Filmfestival – für das der Kursaal die Hauptspielstätte ist, mit den Sälen Kursaal 1 und Kursaal 2. Wer in dieser Woche in der Stadt ist, merkt es am roten Teppich vor dem Eingang und an den Schlangen, die sich über den Zurriola-Steg ziehen.

Im Haus sitzt außerdem das Sua.Muka, das Restaurant von Andoni Luis Aduriz, seit 2022 Nachfolger des langjährigen Ni Neu. Gekocht wird über Feuer und Glut, deutlich zugänglicher als im Mugaritz.

Kann man hinein?

Ja – und zwar leichter, als die meisten denken. In den seitlichen Räumen des Kursaals liegt die Sala Kubo Kutxa, die Ausstellungshalle der Kutxa Fundazioa. Sie zeigt großformatige Ausstellungen, von internationalen Projekten über Retrospektiven bis zu baskischen Positionen, und der Eintritt ist frei. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 12 bis 14 und von 16 bis 20 Uhr; geschlossen bleibt sie am 25. Dezember und 1. Januar sowie an den Nachmittagen des 24. und 31. Dezember.

Ein regelmäßiges Führungsprogramm durch das Gebäude selbst gibt es dagegen nicht. Zum 25-jährigen Bestehen 2024 bot das Haus kostenlose Führungen auf Baskisch, Spanisch und Englisch an; feste Termine mit Preisen sind derzeit nicht ausgeschrieben, Gruppenführungen lassen sich anfragen. Wer die Säle sehen will, kommt also über eine Veranstaltung hinein – oder über das Restaurant.

Von außen lohnt der Bau ohnehin am meisten: vom Zurriola-Steg, von der Brücke über den Urumea und in der blauen Stunde vom gegenüberliegenden Ufer.

🗣️ Mein Eindruck vor Ort

Der Kursaal ist von innen wie von außen ein modernes, eindrucksvolles Gesamtkunstwerk. Spannend wird es zu bestimmten Veranstaltungen und im Winter, wenn sich der Bau illuminiert: mal im Weiß-Blau von Donostia, mal mit einem schwungvollen „Frohes neues Jahr“, mal einfach kunstvoll farbenfroh.

Auch die Innenräume glänzen – mit Ästhetik, kunstvollem Design und funktionaler Technik. Und last but not least ist ein Essen im Sua.Muka im unteren Bereich immer einen lukullischen Besuch wert. Falls es einmal einfach eine Ausstellung sein soll: Die kostenlose Ausstellung der Kutxa Fundazioa in den seitlichen Räumen ist immer eine positive Wucht.

📍 Kursaal – Palacio de Congresos y Auditorio, Avenida de Zurriola 1, 20002 Donostia-San Sebastián, Gipuzkoa · Tel: +34 943 003 000 | kursaal.eus

🕐 Öffnungszeiten

Kursaal: keine allgemeinen Besuchszeiten – das Haus öffnet zu Kongressen, Konzerten und Festivals. Ein regelmäßiges Führungsprogramm gibt es nicht.

Sala Kubo Kutxa (Eintritt frei): Dienstag bis Sonntag 12:00–14:00 und 16:00–20:00 Uhr, montags geschlossen.

⚠️ Geschlossen am 25. Dezember und 1. Januar sowie an den Nachmittagen des 24. und 31. Dezember. Vor der Anreise die Termine auf kursaal.eus prüfen.

🗺️ Lage & Anfahrt

An der Urumea-Mündung im Stadtteil Gros, direkt am Strand von Zurriola und wenige Minuten von der Altstadt. Route in Google Maps öffnen

Häufig gestellte Fragen zum Kursaal

Wer hat den Kursaal gebaut?

Der spanische Architekt Rafael Moneo, der 1996 den Pritzker-Preis erhielt. Er gewann den Wettbewerb 1990, eröffnet wurde der Bau am 23. August 1999. 2001 bekam der Kursaal den Mies-van-der-Rohe-Preis der Europäischen Union.

Warum sehen die beiden Gebäude aus wie Felsen?

Weil sie so gemeint sind. Moneos Wettbewerbsentwurf hieß dos rocas varadas – zwei gestrandete Felsen. Die Kuben sind leicht zum Meer geneigt und folgen bewusst nicht dem Straßenraster, sondern der Landschaft.

Kann man den Kursaal besichtigen?

Ja. In den seitlichen Räumen liegt die Sala Kubo Kutxa, die Ausstellungshalle der Kutxa Fundazioa – Eintritt frei, geöffnet dienstags bis sonntags von 12 bis 14 und von 16 bis 20 Uhr. Ein regelmäßiges Führungsprogramm durch das Gebäude selbst gibt es dagegen nicht; in die Säle kommt man über eine Veranstaltung oder das Restaurant Sua.Muka.

Welche Festivals finden im Kursaal statt?

Das Jazzaldia im Juli, die Quincena Musical im August und das Internationale Filmfestival Zinemaldia im September. Für das Filmfestival ist der Kursaal die Hauptspielstätte mit den Sälen Kursaal 1 und Kursaal 2.

Was stand vor dem Kursaal an dieser Stelle?

Das Gran Kursaal Marítimo von 1921 – Casino, Restaurant, Kino und Theater mit 859 Plätzen. Nach dem Glücksspielverbot verfiel es und wurde 1973 abgerissen. Der Neubau von 1999 übernahm den Namen.

Wie kommt man zum Kursaal?

Zu Fuß von der Altstadt über die Zurriola-Brücke in wenigen Minuten. Der Bau steht im Stadtteil Gros an der Avenida de Zurriola 1, direkt am Strand von Zurriola. Mehrere Dbus-Linien halten in unmittelbarer Nähe, und unter dem Gebäude liegt eine Tiefgarage.

Gibt es im Kursaal ein Restaurant?

Ja, das Sua.Muka von Andoni Luis Aduriz im unteren Bereich des Gebäudes. Es arbeitet mit Feuerküche und ist seit 2022 dort. Für einen Besuch braucht man kein Veranstaltungsticket.


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Christian Fenske, Weinhändler & Foodblogger von Gozatu!

Über den Autor

Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

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