Wenn ich in Donostia früh los will, lande ich fast immer hier: Das SM Kafe im Mercado San Martín öffnet um 7 Uhr und gehört damit zu den ersten Adressen in San Sebastián, an denen es Kaffee gibt. Es liegt im zentralen Gang der Markthalle – zwischen Fischtheken, Metzgereien und Gemüseständen, mitten im Stadtteil Centro. Kein Ort für kulinarische Offenbarungen, aber einer der besten, um die Stadt beim Wachwerden zuzusehen.
SM Kafe auf einen Blick
- Name: SM Kafe
- Konzept: Marktcafé und Bar – Frühstück, Kaffee, Pintxos, Tagesteller, Bocadillos
- Lage: im zentralen Gang des Mercado San Martín, Stadtteil Centro
- Betreiber: Grupo Saizar
- In heutiger Form seit: 2024, nach der Modernisierung des Marktes
- Ruhetage: keine – täglich geöffnet
- Reservierung: keine Reservierung – Plätze werden vor Ort vergeben
- Probiert: Tortilla, Pintxo mit Anchoa und Boquerón, Pintxo mit Thunfischcreme und Guindilla
- Preisniveau: €€
- Gut für: frühes Frühstück, Hamaiketako, Pause nach dem Markteinkauf
- Zuletzt besucht: Juli 2026
Mitten im Marktgeschehen statt im Schaufenster
Das SM Kafe hat keine Terrasse mit Blick auf irgendetwas. Es hat etwas Besseres: Es sitzt im Durchgang zwischen den Ständen. Wer hier am Tresen steht, hat links die Fischhändler beim Ausnehmen, rechts einen Metzger beim Portionieren und davor die Donostiarras mit ihren Einkaufstaschen.
Das prägt das Publikum. In der Parte Vieja teilt man sich die Theke mit Reisegruppen – hier stehen Markthändler, Angestellte aus den umliegenden Büros und Nachbarn aus dem Centro. Das SM Kafe ist erklärtermaßen als Wohnzimmer des Marktes gedacht: ein Ort zum Kaffeetrinken, Zeitunglesen und Reden, nicht nur zum Essen. Betrieben wird es von der Grupo Saizar.

Was auf den Tisch kommt
Die Karte ist bewusst breit und unkompliziert: Frühstück mit hausgemachtem Gebäck und Bizcochos, eine komplette Pintxo-Theke, Bocadillos und Sandwiches, Salate, kombinierte Teller und ein wechselndes Tagesgericht. Vom Morgenkaffee bis zum Abendessen deckt das SM Kafe alles ab – ohne den Anspruch, mehr sein zu wollen als gute Marktküche.

An der Theke lohnt sich der Blick auf die Klassiker: eine Tortilla, wie sie in jeder guten Bar der Stadt liegt, und Pintxos, die auf Konserve und Gemüse setzen statt auf Effekt.

Das ist keine Verlegenheitslösung, sondern baskische Normalität: Anchoa, Boquerón, Thunfisch und Guindilla kommen aus der Dose, und genau darin liegt die Qualität. Auf der einen Scheibe liegen Anchoa und Boquerón mit Paprika und Ei, auf der anderen Thunfischcreme mit Guindilla, Olive und Anchoa. Dazu gibt es mittags ein wechselndes Tagesmenü, das vor allem von Marktleuten und Büroangestellten aus der Nachbarschaft gegessen wird.

Hamaiketako: die baskische Pause um elf
Wer verstehen will, wie Donostia tickt, kommt gegen elf. Dann beginnt das Hamaiketako – wörtlich das „Um-Elf-Uhr“, die traditionelle baskische Zwischenmahlzeit zwischen Frühstück und Mittagessen. Ein Kaffee, ein Pintxo, ein kleines Bocadillo, vielleicht ein Stück Gebäck. Ursprünglich die Stärkung für Bauern und Handwerker, heute eine Gewohnheit, die sich quer durch alle Berufe hält.
Im SM Kafe merkt man das deutlich: Der Laden füllt sich, an der Theke wird nachgelegt, und die Gespräche werden lauter. Es ist der beste Zeitpunkt für einen Besuch – dichter kommt man an den Alltag der Stadt kaum heran.

140 Jahre Mercado San Martín
Das Café steht in einem Haus mit langer Geschichte. Der Architekt José de Goikoa, verantwortlich für weite Teile der Stadterweiterung nach dem Abriss der Stadtmauern, entwarf den Markt 1882; der erste Pavillon öffnete 1884, das Vorbild waren die Halles von Bayonne. Auf dem restlichen Grundstück stand damals eine provisorische Kapelle, die die Gläubigen aufnahm, solange die Kathedrale Buen Pastor noch im Bau war.
1904 kam ein zweiter Pavillon dazu, 1907 verband der Architekt Juan R. Alday beide durch eine Konstruktion, die die Straße dazwischen überdachte – ein dritter Pavillon entstand, und San Martín war der wichtigste Versorgungsmarkt der Stadt. Weitere Umbauten folgten in den 1930er- und 40er-Jahren, die heutige Fassadenkonfiguration stammt aus den 50ern.
2003 entschieden Stadt und Marktbeschicker gemeinsam, den alten Eisen-Glas-Bau durch einen Neubau zu ersetzen. Nach zwei Jahren Bauzeit eröffnete der heutige Markt nach Plänen von Luis Uzcanga im September 2005 – mit Marktständen, Gastronomie, Einzelhandel und einer großen Tiefgarage darunter. Anfang 2024 wurde noch einmal umfassend modernisiert; die Stände zogen für die Bauzeit in ein Provisorium in der Calle Easo. Aus dieser letzten Runde stammt das SM Kafe in seiner heutigen Form.
Der Abriss des alten Baus hat in Donostia bis heute Kritiker – der Eisen-Glas-Markt fehlt vielen. Was blieb, ist die Funktion: San Martín ist der Markt, auf dem auch Spitzenköche der Stadt ihre Produkte kaufen.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Das SM Kafe ist eines der wenigen Cafés in Donostia, das schon offen hat, wenn ich morgens los will. Um sieben steht der erste Kaffee auf der Theke, während nebenan die Fischhändler ihre Auslage aufbauen.
Kulinarisch ist das keine Offenbarung, und das will es auch nicht sein: Tortilla, ein Pintxo mit Anchoa und Boquerón, einer mit Thunfischcreme und Guindilla. Ehrliche Marktküche zu normalen Preisen.
Der Grund herzukommen ist ein anderer. Man sitzt mitten im Gang und sieht Donostia beim Einkaufen zu. Gegen elf füllt es sich zum Hamaiketako, und spätestens dann merkt man, dass man hier unter Einheimischen sitzt und nicht in einer Kulisse.
Praktische Infos & Kontakt
📍 SM Kafe
Mercado San Martín
Urbieta Kalea 9
20006 Donostia-San Sebastián (Gipuzkoa)
+34 943 27 95 65
🕐 Öffnungszeiten
| Montag | 7:00 – 22:00 Uhr |
| Dienstag | 7:00 – 22:00 Uhr |
| Mittwoch | 7:00 – 22:00 Uhr |
| Donnerstag | 7:00 – 22:00 Uhr |
| Freitag | 7:00 – 22:00 Uhr |
| Samstag | 7:00 – 23:00 Uhr |
| Sonntag | 9:00 – 22:00 Uhr |
Das SM Kafe hat täglich geöffnet, auch sonntags. Die Marktstände selbst schließen deutlich früher – wer den Markt in Betrieb erleben will, kommt vormittags. Reserviert wird nicht, Plätze werden vor Ort vergeben. Telefonisch erreichbar unter +34 943 27 95 65.
🗺️ Lage & Anfahrt
Zu Fuß: Das Café liegt im Erdgeschoss der Markthalle, direkt neben der Kathedrale Buen Pastor. Bis zur Plaza de la Constitución in der Parte Vieja sind es rund 700 Meter, zu Fuß etwa zehn Minuten.
Öffentlich: Der Bahnhof Donostia (Renfe) liegt rund 530 Meter entfernt, der Euskotren-Bahnhof Amara-Donostia an der Easo Plaza rund 540 Meter. Die nächste belegte Bushaltestelle ist „Zubieta Plaza“ in etwa 400 Metern Entfernung.
Auto & Parken: Unter dem Markt liegt das Parking San Martín (Urbieta Kalea 9), rund um die Uhr geöffnet – die bequemste Option im Zentrum. Rund 200 Meter entfernt liegt außerdem das Parking Buen Pastor an der San Bartolome Kalea 1.
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Tedone Gastrobar – Pintxos und Terrasse ein paar Straßen weiter im Centro.
Häufige Fragen zu SM Kafe
Ab wann hat das SM Kafe geöffnet?
Montag bis Samstag ab 7:00 Uhr, sonntags ab 9:00 Uhr. Damit gehört es zu den frühesten Cafés im Zentrum von Donostia – praktisch für alle, die vor einem Ausflug oder einer frühen Zugverbindung noch frühstücken wollen. Geschlossen wird werktags und sonntags um 22:00 Uhr, samstags um 23:00 Uhr.
Wo genau liegt das SM Kafe?
Im Mercado San Martín, Urbieta Kalea 9, im Stadtteil Centro – im zentralen Gang der Markthalle im Erdgeschoss, direkt neben der Kathedrale Buen Pastor. Bis zur Parte Vieja sind es rund zehn Minuten zu Fuß.
Muss man im SM Kafe reservieren?
Nein. Das SM Kafe arbeitet ohne Reservierung, Plätze werden vor Ort vergeben. Voll wird es vor allem gegen elf zum Hamaiketako und mittags, wenn das Tagesmenü läuft – dann lohnt es sich, ein paar Minuten Wartezeit einzuplanen oder auf einen Platz an der Theke auszuweichen.
Was ist das Hamaiketako?
Die traditionelle baskische Zwischenmahlzeit gegen elf Uhr, zwischen Frühstück und Mittagessen. Üblich sind ein Kaffee mit einem Pintxo, einem kleinen Bocadillo oder Gebäck. Im SM Kafe wird diese Gewohnheit täglich gelebt – gegen elf ist der Laden am vollsten.
Seit wann gibt es den Mercado San Martín?
Der erste Pavillon eröffnete 1884 nach einem Entwurf von José de Goikoa, Vorbild waren die Halles von Bayonne. 1907 entstand durch Juan R. Alday der dritte Pavillon. Der alte Eisen-Glas-Bau wurde 2003 abgerissen, der heutige Markt öffnete 2005; zuletzt wurde er Anfang 2024 modernisiert.

Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


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