José Gil: Terroir-Weine aus San Vicente de la Sonsierra

Vicky und Jose Gil der Bodega Jose Gil in San Vicente de la Sonsierra in der Rioja

José Gil gehört zu den Winzern, die die Rioja gerade neu erfinden: parzellengenaue Weine aus San Vicente de la Sonsierra, gedacht vom Boden her, ausgebaut ohne Holzlack. Zusammen mit Vicky Fernández keltert er unter dem Namen Vignerons de la Sonsierra Weine von großer Spannung – hier steht, was hinter dem Projekt steckt und was die einzelnen Weine ausmacht.

Aktualisiert im September 2026.

José Gil auf einen Blick

  • Wer: José Gil, Winzer in dritter Generation, gemeinsam mit seiner Partnerin Vicky Fernández
  • Projektname: Vignerons de la Sonsierra
  • Herkunft: San Vicente de la Sonsierra, Comarca Rioja Alta – aufgewachsen in der Familienbodega Olmaza
  • Weinberge: rund 10 Hektar alte Buschreben in San Vicente de la Sonsierra und Labastida, ab etwa 500 Metern Höhe
  • Rebsorten: überwiegend Tempranillo, dazu Garnacha, Viura, Garnacha Blanca und weitere alte Sorten im gemischten Satz
  • Keller: Gärung in Beton- und Edelstahltanks in Briones, Ausbau in gebrauchten französischen Fässern im Calado La Cueva del Espino
  • Anbau: ökologisch, ohne Herbizide – ohne offizielle Zertifizierung
  • Stil: puristisch, präzise, mineralisch – Herkunft vor Holz
  • Preisniveau: etwa 27 € für die Dorfweine bis 65 € für die Spitze (Stand 2026)
  • Besuch: kleines Projekt ohne Besucherbetrieb – Verkostung am ehesten über den Fachhandel oder Weinbars

Dritte Generation, eigener Weg

Das Leben in der Bodega und in den Weinbergen wurde José Gil quasi in die Wiege gelegt. Er wuchs im kleinen, historisch geprägten Dorf San Vicente de la Sonsierra auf, wo seinem Großvater Ángel, seinem Vater José Ángel und seinem Onkel Raúl die Bodegas Olmaza gehören – ein Familienbetrieb von rund 35 Hektar, bekannt für einige der ältesten Reben der Rioja. Besonders der Großvater prägte früh seinen Blick für die Rebe.

Nach dem Önologie-Studium in Logroño, das er 2010 abschloss, stieg José im Familienbetrieb ein. Statt sich dort einzurichten, ging er einen eigenen Weg: Er begann, nach und nach Parzellen in San Vicente zu kaufen, machte kleine Versuche im Garagenmaßstab und reiste in andere Weinregionen, unter anderem nach Burgund und nach Deutschland. Der burgundische Blick auf Lage und Boden ist bis heute die Grundlage seiner Arbeit.

Weinberge von José Gil in San Vicente de la Sonsierra in der Rioja
Die Rebflächen liegen in den Höhenlagen rund um San Vicente de la Sonsierra.

San Vicente de la Sonsierra: sieben Täler über dem Ebro

Das Dorf thront über dem Ebro und hat für sich genommen fast so viel Rebfläche wie die gesamte DOQ Priorat. Rund um den Ort liegen sieben Täler mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Böden – genau diese Vielfalt wollte José Gil in einzelnen Weinen sichtbar machen, statt sie in einem Dorfwein zu verrühren. Lagen wie La Cóncova gehören zu den Parajes, die er von Anfang an im Blick hatte.

Zur Einordnung: San Vicente de la Sonsierra liegt nicht in der Rioja Alavesa, sondern in der Comunidad La Rioja, Comarca Rioja Alta. Der Ort bildet zusammen mit Ábalos nördlich des Ebro einen Keil, der die Rioja Alavesa in zwei Teile trennt. Labastida, wo José Gil ebenfalls Reben bewirtschaftet, liegt dagegen im Álava und damit in der Rioja Alavesa.

La Cueva del Espino: Ausbau in einem mittelalterlichen Calado

2012 kaufte und restaurierte José einen kleinen Calado – eine in den Fels getriebene Kellerhöhle – am Nordhang des Burgbergs von San Vicente: La Cueva del Espino, zwei Türen vom Calado des bekannten Winzers Benjamín Romeo entfernt. Es ist der einzige Keller an diesen Hängen, der heute noch für den Ausbau von Wein genutzt wird. 2016 kamen die ersten 2.000 Flaschen La Cóncova auf den Markt.

Vicky Fernández und der Sprung von 2021

Ein Wendepunkt kam 2018, als José seine Partnerin Vicky Fernández kennenlernte. Sie stammt aus Uruguay, lebt seit ihrer Jugend im Baskenland und kam aus der Gastronomie zum Wein. Seitdem teilen sich beide sämtliche Arbeiten – von der Handlese über den Rebschnitt bis zum Traktor. Ihr gemeinsames Projekt trägt den Namen Vignerons de la Sonsierra.

2020 wurde die Arbeit im Weinberg deutlich verfeinert, 2021 folgte der quantitative Sprung: Die Produktion stieg von 6.000 auf 24.000 Flaschen, 2022 auf rund 28.000. Im selben Jahr stellten sie den Traubenverkauf an Olmaza ein, verzichteten auf Herbizide und stellten auf ökologische Bewirtschaftung um – bis heute ohne offizielle Zertifizierung. Als Vorbilder nennen sie neben den Vignerons des Burgunds den Nachbarn Abel Mendoza.

José Gil und Vicky Fernández in ihrer Bodega in der Rioja
José Gil und Vicky Fernández: eine neue Generation von Rioja-Winzern.

Weinberg und Keller: Zurückhaltung als Prinzip

Die rund 10 Hektar verteilen sich auf San Vicente de la Sonsierra und Labastida, dazu kommen 2,5 Hektar in Briones, deren Trauben an Allende gehen. Es sind fast durchweg alte, im Kopferziehungssystem (vaso) gezogene Reben, im Schnitt etwa 50 Jahre alt, ab rund 500 Metern Höhe, auf Böden aus Schluff, Kalk und Sand. José Gil hält die Buschrebe für die Erziehungsform, die sich dieser Zone am besten anpasst – San Vicente ist eines der Dörfer mit dem meisten traditionell erzogenen Weinberg.

Bis 2021 entstanden die Weine in einem Raum, den Olmaza den beiden überließ. Seither mieten sie eine Bodega in Briones mit Hydraulikpresse, Peristaltikpumpe, klimatisiertem Flaschenlager und Betontanks. Vergoren wird in Beton und Edelstahl, teils mit Rappenanteil. Nach der Gärung bleibt ein Teil des Weins in Briones, der Rest geht in den Calado nach San Vicente. Ausgebaut wird in gebrauchten französischen Fässern mit 300 und 500 Litern – das Holz soll die Herkunft nie überdecken.

Die Weine: zwei Dörfer, zwei Parajes, eine Einzellage

Die Gamme folgt der burgundischen Logik von Dorfwein, Paraje und Parzelle. Sie beginnt mit zwei Dorfweinen: José Gil Viñedos en San Vicente (rund 16.000 Flaschen) stammt aus mehreren Parajes in unterschiedlichen Höhen und Ausrichtungen; im Jahrgang 2024 waren es 78 % Tempranillo, 20 % Garnacha und 2 % Viura. Der Wein reift zehn Monate in Beton und gebrauchten 500-Liter-Bocoyes.

José Gil Viñedos en Labastida (rund 5.000 Flaschen) kommt aus alten Reben im alavesischen Nachbardorf, auf sandigeren Böden und mit höherem Garnacha-Anteil – im Jahrgang 2024 bis zu 35 Prozent. Der Ausbau erfolgt hier ausschließlich in 500-Liter-Bocoyes, das Profil ist weniger streng als das des San Vicente.

Dazu kommen zwei Parajeweine mit je rund 3.300 Flaschen: El Bardallo stammt aus drei Parzellen auf kalkhaltigem Ton – ein Lagenname, den sich mehrere Erzeuger des Dorfes teilen. La Canoca wächst auf drei Terrassenparzellen zwischen 645 und 700 Metern mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Böden aus Ton, Schluff und Sand. Beide vergären mit Rappenanteil im Betontank und reifen elf Monate in 500-Liter-Bocoyes.

Die Spitze ist Camino de Ribas (rund 2.500 Flaschen) aus einer einzigen Rebfläche im Paraje La Cóncova – überwiegend Garnacha, ergänzt um Tempranillo und Garnacha Blanca. Der Weißwein El Calado del Espino (rund 1.350 Flaschen) entsteht aus einer alten Viura-Rebe auf Kalkböden in Labastida und einem Anteil aus El Bardallo; 70 Prozent vergären in französischen 500-Liter-Fässern, der Rest in 54-Liter-Glasballons.

Flasche Wein von José Gil aus der Rioja
Puristische Etiketten, präzise Weine: die Handschrift von José Gil.

Vernetzt im Dorf: Martes of Wine

José und Vicky sind mit einer Reihe gleichgesinnter Erzeuger der Gegend verbunden: mit ihrem Nachbarn Miguel Eguiluz (Cupani), mit Ricardo Fernández (Abeica), Miguel Merino, Álvaro Loza und Carlos Sánchez sowie dem Sommelier Iván Sánchez von der Venta Moncalvillo. Unter dem Namen Martes of Wine verkosten sie blind Weine aus aller Welt, reisen gemeinsam in andere Regionen und tauschen sich fachlich aus.

🗣️ Mein Eindruck

Als Weinhändler habe ich viel Rioja im Glas – und die meisten Weine erzählen dieselbe Geschichte von Holz, Reife und Etikett. Die Weine von José Gil erzählen eine andere: Sie sind schlank, würzig, kühl im Ansatz, und sie zeigen ihren Boden statt ihr Fass. Beim Vergleich der Herkünfte wird das greifbar – San Vicente kantig und mineralisch, Labastida seidig und fein.

Was mich überzeugt: Diese Weine brauchen keinen Applaus. Sie sind still, spannungsgeladen und trinkfreudig zugleich – genau die Art Rioja, die ich Gästen einschenke, die glauben, sie kennen Rioja schon.

📋 Praxistipps

Wo probieren: Die Weine sind in guten Weinbars und Weinhandlungen in San Sebastián und im Baskenland gelistet – in kleinen Mengen, oft nur jahrgangsweise. Nachfragen lohnt sich.

Womit anfangen: Der Dorfwein aus San Vicente ist mit rund 16.000 Flaschen der am ehesten verfügbare Wein der Gamme und der beste Einstieg. Die Parajeweine und Camino de Ribas laufen in dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Auflagen.

Womit kombinieren: Die Rotweine passen hervorragend zu Chuleta vom Rind, gegrilltem Gemüse und reifem Idiazabal – kein Holzmonster, sondern ein Essensbegleiter.

Besuch: Ein kleines Projekt ohne Besucherbetrieb und ohne feste Öffnungszeiten – für einen Bodega-Besuch in der Sonsierra sind größere Häuser vor Ort die realistischere Wahl.

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Häufige Fragen zu José Gil

Wer ist José Gil?

Ein Winzer in dritter Generation aus San Vicente de la Sonsierra in der Rioja Alta. Er schloss 2010 sein Önologie-Studium in Logroño ab und stieg in die Familienbodega Olmaza ein. Heute keltert er gemeinsam mit seiner Partnerin Vicky Fernández parzellengenaue Terroir-Weine.

Wie heißt das Weingut von José Gil?

Das gemeinsame Projekt von José Gil und Vicky Fernández heißt Vignerons de la Sonsierra. Die Weine tragen auf dem Etikett den Namen José Gil. Nicht zu verwechseln mit Bodegas Olmaza, dem Familienbetrieb von Großvater, Vater und Onkel, in dem José seine Ausbildung begann.

Wo liegen die Weinberge von José Gil?

Rund 10 Hektar verteilen sich auf San Vicente de la Sonsierra in der Rioja Alta und Labastida in der Rioja Alavesa, ab etwa 500 Metern Höhe. Dazu kommen 2,5 Hektar in Briones, deren Trauben verkauft werden. Es sind fast durchweg alte Buschreben.

Liegt San Vicente de la Sonsierra in der Rioja Alavesa?

Nein. Der Ort gehört zur Comunidad La Rioja und damit zur Comarca Rioja Alta, obwohl er nördlich des Ebro liegt. Zusammen mit Ábalos bildet er einen Keil, der die Rioja Alavesa in zwei Teile trennt. Labastida dagegen liegt im Álava.

Welche Weine gibt es von José Gil?

Fünf Rotweine und ein Weißwein: die Dorfweine Viñedos en San Vicente und Viñedos en Labastida, die Parajeweine El Bardallo und La Canoca, die Einzellage Camino de Ribas sowie der Weißwein El Calado del Espino. Die Auflagen reichen von rund 1.350 bis 16.000 Flaschen.

Wie schmecken die Weine von José Gil?

Puristisch und präzise: wenig neues Holz, viel Frische, Würze und mineralische Tiefe. Der Wein aus San Vicente gilt als strenger und strukturierter, der aus Labastida wirkt durch sandigere Böden und mehr Garnacha feiner und zugänglicher. Ausgebaut wird in gebrauchten französischen Fässern.

Kann man die Bodega von José Gil besichtigen?

Nein, es handelt sich um ein kleines Winzerprojekt ohne Besucherbetrieb und ohne feste Öffnungszeiten. Die Weine probiert man am besten in Weinbars oder im Fachhandel in San Sebastián und im Baskenland. Für Bodega-Besuche in der Sonsierra bieten sich größere Häuser vor Ort an.

Christian Fenske, Weinhändler & Foodblogger von Gozatu!

Über den Autor

Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

Über zwanzig Jahre Donostia, mehr als drei Monate im Jahr vor Ort. Alle Empfehlungen auf Gozatu! entstehen aus eigenen Besuchen – auf eigene Kosten, ohne bezahlte Inhalte und ohne Gegenleistung. Wie ich auswähle und arbeite

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