José Gil gehört zu den Winzern, die die Rioja gerade neu erfinden: parzellengenaue Weine aus San Vicente de la Sonsierra, gedacht vom Boden her, ausgebaut ohne Holzlack. Zusammen mit Vicky Fernández keltert er Rotweine von großer Spannung – hier steht, was hinter dem Projekt steckt und wie die Weine schmecken.
José Gil auf einen Blick
- Wer: José Gil, Winzer, gemeinsam mit seiner Partnerin Vicky Fernández
- Herkunft: San Vicente de la Sonsierra, La Rioja – aufgewachsen in der Familienbodega Olmaza
- Weinberge: Höhenlagen um San Vicente de la Sonsierra und Labastida, dazu ein wurzelechter, uralter Familienweinberg
- Rebsorten: Tempranillo, Garnacha, Mazuelo, Graciano, Viura, Moscatel und autochthone Sorten
- Keller: Vergärung überwiegend im Zementtank, Ausbau in gebrauchten Holzfässern
- Stil: puristisch, präzise, mineralisch – Herkunft vor Holz
- Preisniveau: gehobenes Mittelfeld, für die Qualität sehr fair
- Besuch: kleines Projekt ohne Besucherbetrieb – Verkostung am ehesten über den Fachhandel oder Weinbars
Don Quijotes der Rioja
Das Leben in der Bodega und in den Weinbergen wurde José Gil mit der Geburt quasi in die Wiege gelegt. Aufgewachsen im kleinen, historisch geprägten Dorf San Vicente de la Sonsierra, verbrachte er seine Kindheit zwischen Rebstöcken und Barriquefässern der familieneigenen Bodega Olmaza. Besonders sein Großvater prägte früh seine Begeisterung für den Wein und schärfte seinen Blick für das Handwerk, die Natur und den respektvollen Umgang mit der Rebe.

Der Wendepunkt: Terroir statt Konvention
Der entscheidende Wendepunkt in José Gils Denken kam später. Die intensive Beschäftigung mit dem Terroir-Gedanken und insbesondere mit den großen Weinen des Burgunds öffnete ihm die Augen dafür, welches qualitative und stilistische Potenzial in der Rioja jenseits klassischer Konventionen verborgen liegt. Von diesem Moment an stand für ihn fest: Herkunft, Boden und Mikroklima müssen im Wein spürbar sein – unverfälscht, klar und präzise.
Gemeinsam mit seiner Partnerin Vicky Fernández entwickelte José Gil ein eigenständiges Projekt, das sich kompromisslos dem Ausdruck einzelner Parzellen verschreibt. Die Rebflächen liegen in den Höhenlagen rund um San Vicente de la Sonsierra und verteilen sich auf unterschiedliche, teils sehr karge Böden. Ergänzt werden sie durch einen uralten, wurzelechten Familienweinberg mit außergewöhnlich alten Rebstöcken – ein lebendiges Archiv der Rioja-Geschichte.

Weinberg und Keller: Zurückhaltung als Prinzip
In den Weinbergen wachsen Tempranillo, Garnacha, Mazuelo, Graciano, Viura und Moscatel sowie einige autochthone Rebsorten, deren Ursprung weit in die Vergangenheit reicht. Bewirtschaftet wird mit großer Sorgfalt und Respekt vor der Natur. Im Keller setzt José Gil auf Zurückhaltung: Vergoren wird überwiegend in Zementtanks, der Ausbau erfolgt in gebrauchten Holzfässern, um das Holz niemals über die Herkunft zu stellen.
San Vicente und Labastida im Vergleich
Besonders faszinierend ist der direkte Vergleich der Herkunftsorte. Die Weine aus San Vicente de la Sonsierra zeigen sich kraftvoller, strukturierter und mineralischer. Die Weine aus Labastida wirken hingegen feiner, eleganter und seidiger. José Gil zieht selbst gerne Parallelen zum Burgund, um zu verdeutlichen, wie stark die Herkunft den Charakter eines Weines prägt.

Die Weine: Spannung statt Lautstärke
Auch jenseits der Rotweine denkt das Weingut weiter. Ein Weißweinprojekt unterstreicht den Anspruch, die Vielfalt der Rioja ganzheitlich zu interpretieren – ruhig, geduldig und ohne Kompromisse.
Die Weine von José Gil sind puristisch, präzise und von großer innerer Spannung. Sie verzichten auf Lautstärke und Effekthascherei und überzeugen stattdessen durch Tiefe, Frische und Länge. José und Vicky gehören zu einer neuen Generation von Rioja-Winzern, die den industriellen Gleichklang hinter sich lassen und der Herkunft wieder Bedeutung verleihen: junge Idealisten, moderne Traditionalisten, stille Revolutionäre. Oder anders gesagt: Don Quijotes der Rioja, die unbeirrt für eine ehrlichere, handwerklichere und genussvollere Zukunft der spanischen Weinkultur kämpfen. ¡Adelante! 🍷
🗣️ Mein Eindruck
Als Weinhändler habe ich viel Rioja im Glas – und die meisten Weine erzählen dieselbe Geschichte von Holz, Reife und Etikett. Die Weine von José Gil erzählen eine andere: Sie sind schlank, würzig, kühl im Ansatz, und sie zeigen ihren Boden statt ihr Fass. Beim Vergleich der Herkünfte wird das greifbar – San Vicente kantig und mineralisch, Labastida seidig und fein.
Was mich überzeugt: Diese Weine brauchen keinen Applaus. Sie sind still, spannungsgeladen und trinkfreudig zugleich – genau die Art Rioja, die ich Gästen einschenke, die glauben, sie kennen Rioja schon.
📋 Praxistipps
Wo probieren: Die Weine sind in guten Weinbars und Weinhandlungen in San Sebastián und im Baskenland gelistet – in kleinen Mengen, oft nur jahrgangsweise. Nachfragen lohnt sich.
Womit kombinieren: Die Rotweine passen hervorragend zu Chuleta vom Rind, gegrilltem Gemüse und reifem Idiazabal – kein Holzmonster, sondern ein Essensbegleiter.
Bodega-Besuch: Ein kleines Projekt ohne Besucherbetrieb und ohne feste Öffnungszeiten – für einen Bodega-Besuch in der Sonsierra sind größere Häuser vor Ort die realistischere Wahl.
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Häufige Fragen zu José Gil
Kann man die Bodega von José Gil besichtigen?
Nein, es handelt sich um ein kleines Winzerprojekt ohne Besucherbetrieb und ohne feste Öffnungszeiten. Die Weine probiert man am besten in Weinbars oder im Fachhandel in San Sebastián und im Baskenland.
Wer ist José Gil?
Ein Winzer aus San Vicente de la Sonsierra in der Rioja. Aufgewachsen in der Familienbodega Olmaza, keltert er heute gemeinsam mit seiner Partnerin Vicky Fernández parzellengenaue Terroir-Weine.
Welche Rebsorten und Weine gibt es?
Vor allem Tempranillo, Garnacha, Mazuelo und Graciano, dazu Viura, Moscatel und autochthone Sorten. Neben den Rotweinen gibt es ein Weißweinprojekt.
Wie schmecken die Weine von José Gil?
Puristisch und präzise: wenig Holz, viel Frische, Würze und mineralische Tiefe. Weine aus San Vicente sind kraftvoller und strukturierter, die aus Labastida feiner und seidiger.
Wo liegen die Weinberge?
In den Höhenlagen rund um San Vicente de la Sonsierra und Labastida, auf teils sehr kargen Böden – ergänzt durch einen uralten, wurzelechten Familienweinberg.
Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


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