Es sind oft die kleinen Projekte, die den größten Eindruck hinterlassen. Sierra de Toloño in der Rioja Alavesa ist genau so ein Fall: eine kompromisslose Mikrobodega, geführt von Sandra Bravo, mit einem klaren Ziel – Rioja neu zu denken, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Mit rund 20.000 Flaschen Jahresproduktion gehört das Weingut zu den kleinsten der Region. Und genau darin liegt seine Stärke: maximale Präzision, maximale Herkunft, maximale Persönlichkeit.
Zuletzt aktualisiert am 6. September 2026.
Sierra de Toloño auf einen Blick
- Winzerin: Sandra Bravo
- Erster Jahrgang: 2012
- Region: Rioja Alavesa, Villabuena de Álava (Eskuernaga)
- Adresse: Baños de Ebro Kalea 33, 01307 Villabuena de Álava
- Bürozeiten: Mo–Fr 7:00–15:00 Uhr, Sa & So geschlossen – Besuch und Verkostung nur nach Voranmeldung
- Höhenlage: bis 650 m über dem Meer
- Rebfläche: rund 9,5 Hektar eigene Reben in Villabuena, dazu gepachtete Parzellen in Rivas de Tereso
- Rebsorten: Tempranillo, Garnacha (Reben von 1944), Graciano, Viura, Malvasía, Calagraño, Rojal
- Auszeichnung: Sandra Bravo wurde 2019 von Tim Atkin MW zur „Young Winemaker of the Year“ der Rioja gekürt
- Probierte Weine: La Dula, Nahikun Blanco, Raposo, Sierra de Toloño Tinto
- Weinbau: bio-zertifiziert und Demeter-biodynamisch
- Produktion: ca. 20.000 Flaschen pro Jahr
- Preisniveau: mittleres bis gehobenes Segment – ehrliche Preise für die Qualität
- Stil: frisch, elegant, terroirgeprägt – kein dominantes Holz
- Google-Name: Sierra de Toloño SL
Sandra Bravo: der Weg zur eigenen Bodega
Sandra Bravo stammt aus der Rioja, geboren in Logroño, und ist die erste in ihrer Familie, die beruflich Wein macht. Nach dem Studium von Ingenieurwesen und Önologie in der Rioja arbeitete sie in Bordeaux, in der Toskana, in Neuseeland und in Kalifornien – und danach sieben Jahre im Priorat, als Verantwortliche für die Weinberge. Diese Jahre haben sie mehr geprägt als alles andere: handwerkliche Arbeit, minimaler Eingriff, und die Überzeugung, dass großer Wein im Weinberg entsteht und nicht im Keller.
2012 kehrte sie in die Rioja zurück und begann bei null: zunächst mit gepachteten Parzellen in Rivas de Tereso, aus denen bis heute der weiße und der rote Sierra de Toloño entstehen. Stück für Stück kamen eigene Flächen dazu, inzwischen rund 9,5 Hektar in Villabuena de Álava, auf 650 Metern, im Schatten der Ruinen des Klosters Santa María de Toloño, das dem Gebirgszug und damit auch der Bodega den Namen gibt. Ihre eigene Rolle beschreibt sie knapp: Sie versuche, im Keller unsichtbar zu sein.
Anerkennung kam schnell: 2019 kürte der britische Rioja-Kenner Tim Atkin MW sie zur „Young Winemaker of the Year“ der Region. Ihr La Dula wurde von ihm im Jahr darauf als Stand-out Wine ausgezeichnet.

Parzellen, alte Reben und echte Handarbeit
Die Weinberge von Sierra de Toloño sind in viele kleine Parzellen aufgeteilt – jede mit eigenem Charakter, eigenem Boden, eigener Geschichte. Die wichtigsten Lagen:
- La Dula – Garnacha-Reben von 1944, am Fuß der Sierra. Permanenter Nordwind, maximale Frische.
- Rivas de Tereso – Tempranillo auf 650 Metern: Mineralität und Frische in Reinform.
- Nahikun – Mikroparzellen um Villabuena de Álava, ein Mosaik seltener autochthoner Sorten.
- Villabuena de Álava – Südhang-Lagen mit atlantischem Einfluss: Sonne und Frische in Balance.
Hier stehen Tempranillo, Garnacha, Graciano, Viura, Malvasía, Calagraño und Rojal – teils aus Rebanlagen, die über 100 Jahre alt sind. Unter den Reben liegen Kalk-Lehm-Böden, entstanden aus der Erosion der Sierra, dazu die für die Rioja Alavesa typische Plattenschicht, die man hier lastra nennt. Gelesen wird ausschließlich per Hand, streng selektiv. Jeder Wein ist das Ergebnis eines ganz konkreten Ortes – nicht eines technischen Konzepts.
Bio und Biodynamik – Demeter-zertifiziert
Sierra de Toloño geht beim Thema Nachhaltigkeit weiter als die meisten: Weinberg und Keller sind sowohl bio-zertifiziert als auch Demeter-biodynamisch zertifiziert. Das bedeutet: kein synthetischer Dünger, keine Herbizide, Arbeit nach biodynamischem Kalender – und ein Weingut, das den Boden langfristig schützt, statt ihn auszunutzen.
Naturnah, reduziert, präzise – der Keller
Im Keller verfolgt Sandra Bravo eine klare Philosophie: so wenig Eingriff wie möglich. Spontane Gärung, kaum Schwefel, sanfter Ausbau in Edelstahl, in kleinen und großen Holzfässern sowie in Tonamphoren – das Holz neutral und ungetoastet, damit das Terroir spricht und nicht das Fass.

Das Ergebnis sind Weine, die nicht laut sind – sondern fein, präzise und tief. Keine überladene Frucht, kein dominantes Holz, sondern Struktur, Spannung und Klarheit.
Rioja auf 650 Metern – Frische als Schlüssel
Ein entscheidender Faktor ist die Lage der Weinberge: Viele Parzellen befinden sich auf 650 Metern Höhe und zählen damit zu den höchstgelegenen der gesamten Rioja. Diese Höhenlagen sorgen für kühlere Nächte, längere Reifezeiten und eine natürliche Frische in den Trauben. Der kalte Nordwind – in La Dula ständig präsent – verstärkt diesen Effekt und trägt die Düfte der wilden mediterranen Kräuter durch die Reben.
Genau das prägt den Stil: rassig, elegant und vibrierend, mit einer Klarheit, die man in der klassischen Rioja so nicht immer findet.
Die Weine von Sierra de Toloño
Das Portfolio gliedert sich in Village Wines (Dorfweine) und Vinos de Parcela (Einzellagenweine). Alle Weine sind limitiert – insgesamt entstehen nur rund 20.000 Flaschen jährlich.
Sierra de Toloño Tinto & Blanco – Village Wine
Der Tinto zeigt intensives Purpur, Veilchen- und Kräuter-Aromen, ein Hauch Schokolade vom dezenten Holzausbau. Am Gaumen: frische Frucht, runde Tannine, harmonische Säure, langer Abgang. Der Blanco aus Viura-Trauben der Parzellen am Fuß der Sierra: weiße Blüten, elegante Komplexität, seidige Textur mit kraftvoller Säure und lang anhaltendem Abgang. Beide stammen aus den gepachteten Lagen in Rivas de Tereso – es waren die ersten Weine des Projekts.
Raposo – Village Wine Villabuena
Der Spitzname der Bewohner von Villabuena de Álava war „Raposo“ – und genau diesen Charakter trägt dieser Wein: krachende Brombeere, rote Kirsche, ein Gaumen mit Würze, Dichte und Ernst. Ein Wein mit Alterungspotenzial.
La Dula – Garnachas de Altura
Garnacha von 1944, am Fuß der Sierra, mit permanentem kalten Nordwind; den Weinberg kaufte Sandra Bravo 2015. Ausgebaut wird der Wein in Amphoren. Das Ergebnis: ein atlantisch geprägter Wein, scharf konturiert und zutiefst floral, mit einer überraschenden Säure im perfekten Gleichgewicht zu weichen Tanninen. Pure Frische. Von Tim Atkin als Stand-out Wine 2020 ausgezeichnet.
Camino de Santa Cruz – Vino de Parcela
Ernsthafter, saftiger Rotwein mit Veilchen- und Wildthymian-Aromen, roter Johannisbeere und Granatapfelfrucht. Gaumensäubernde Säure, starker Mineralton und der florale Touch der mediterranen Kräuter rund um den Weinberg.
Nahikun Blanco & Tempranillo – Vinos de Parcela
Der Nahikun Blanco aus seltenen autochthonen Sorten: elegante, komplexe Nase, weiße Blüten, Honig, Zimt und kalkige Frische – perfekt balanciert. Der Nahikun Tempranillo zeigt den echten Ursprungscharakter der Sorte: veilchengetönt, intensiv durch niedrige Erträge, dezentes Holz, mit Tannin- und Säurerückgrat für langen Flaschenausbau.
Eine der spannendsten Stimmen der neuen Rioja
Sierra de Toloño steht exemplarisch für eine neue Generation in der Rioja: kleiner, präziser, terroirgetriebener. Sandra Bravo zeigt, wie viel Tiefe und Finesse diese Region haben kann, wenn man sie lässt. Wer Rioja abseits klassischer Holzbomben sucht, findet hier eine der spannendsten Adressen der Region.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Als Weinhändler bin ich bei Sierra de Toloño in meinem Element. Was Sandra Bravo hier in der Rioja Alavesa macht, gehört für mich zum Spannendsten, was die Region derzeit zu bieten hat: Höhenlagen bis 650 Meter, alte Garnacha von 1944, biodynamisch und mit minimalem Eingriff. Das schmecke ich in jedem Glas – rassig, floral, mit dieser vibrierenden Frische, die der klassischen Rioja oft fehlt.
Der La Dula und der Nahikun Blanco haben mich besonders begeistert. Der Empfang war herzlich und die Verkostung persönlich, ganz ohne Show. Wer Rioja jenseits der Holzbomben sucht, kommt an diesen Weinen nicht vorbei – für mich eine der ehrlichsten Adressen der Region.
Praktische Infos & Kontakt
📍 Sierra de Toloño, Baños de Ebro Kalea 33, 01307 Villabuena de Álava | ☎️ +34 626 233 085 | 🌐 sierradetolono.com
🕐 Öffnungszeiten
| Montag – Freitag | 07:00 – 15:00 Uhr |
| Samstag – Sonntag | Geschlossen |
Diese Zeiten sind die Büro- und Betriebszeiten der Bodega, keine Ladenöffnungszeiten. Besichtigung und Verkostung sind ausschließlich nach Voranmeldung möglich – am besten per E-Mail an info@sierradetolono.com oder telefonisch. Zur Lesezeit im Herbst kann der Betrieb abweichen. Stand: Oktober 2026.
🗺️ Lage & Anfahrt
Mit dem Auto: Von San Sebastián sind es rund 130 Kilometer, etwa 1 Stunde 40 Minuten über die AP-1 Richtung Vitoria-Gasteiz und weiter über die A-124 ins Herz der Rioja Alavesa. Von Logroño aus sind es nur rund 25 Minuten, von Bilbao gut eineinhalb Stunden.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Villabuena de Álava ist nur sehr eingeschränkt mit dem Bus erreichbar. Für einen Bodega-Besuch in der Rioja Alavesa ist ein Mietwagen praktisch unverzichtbar – oder eine geführte Tour ab Logroño beziehungsweise Laguardia.
Parken: Im Ort und direkt an der Bodega gibt es kostenlose Stellplätze am Straßenrand. Route in Google Maps öffnen →
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Häufig gestellte Fragen zu Sierra de Toloño
Kann man Sierra de Toloño besuchen, und wann hat die Bodega geöffnet?
Montag bis Freitag von 07:00 bis 15:00 Uhr. Samstag und Sonntag sind Ruhetage. Das sind allerdings Betriebszeiten, keine Ladenöffnungszeiten: Besichtigung und Verkostung sind ausschließlich nach Voranmeldung möglich – per E-Mail an info@sierradetolono.com oder telefonisch unter +34 626 233 085.
Wer steckt hinter Sierra de Toloño?
Sierra de Toloño wird von der Winzerin Sandra Bravo geführt. Sie stammt aus Logroño, arbeitete in Bordeaux, der Toskana, Neuseeland und Kalifornien sowie sieben Jahre im Priorat, bevor sie 2012 in der Rioja ihr eigenes Projekt begann.
Seit wann gibt es Sierra de Toloño?
Der erste Jahrgang war 2012. Sandra Bravo startete mit gepachteten Parzellen in Rivas de Tereso und baute die Bodega Weinberg für Weinberg auf. Heute bewirtschaftet sie rund 9,5 Hektar eigene Reben in Villabuena de Álava, dazu weiterhin gepachtete Lagen.
Wofür wurde Sandra Bravo ausgezeichnet?
Der britische Master of Wine und Rioja-Spezialist Tim Atkin kürte sie 2019 zur „Young Winemaker of the Year“ der Rioja. Ihren Garnacha-Parzellenwein La Dula zeichnete er 2020 als Stand-out Wine aus.
Was macht die Weine von Sierra de Toloño besonders?
Die Weine stammen aus kleinen Parzellen, oft von sehr alten Reben auf 650 Metern Höhe, und werden biodynamisch und mit minimalem Eingriff vinifiziert. Sie zeichnen sich durch Frische, Eleganz und eine klare Terroirprägung aus – ohne dominantes Holz.
Welche Rebsorten werden verwendet?
Hauptsächlich Tempranillo und Garnacha (teils von 1944), dazu etwas Graciano sowie weiße Sorten wie Viura, Malvasía, Calagraño und Rojal – teilweise aus über 100 Jahre alten Reben.
Ist Sierra de Toloño bio-zertifiziert, und wie groß ist die Produktion?
Ja – Weinberg und Keller sind sowohl bio- als auch Demeter-biodynamisch zertifiziert. Mit rund 20.000 Flaschen pro Jahr gehört Sierra de Toloño zu den echten Mikrobodegas der Rioja.
Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


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