Aiete liegt oberhalb des Zentrums, dort wo die Stadt in Gärten übergeht: ruhige Straßen, Villen, alte Bäume – und mit dem Palacio de Aiete ein Haus, in dem spanische Könige ihre Sommer verbrachten, später Franco residierte und 2011 über das Ende der ETA verhandelt wurde. Wo Aiete im Stadtgefüge liegt, zeigt mein San Sebastián Reiseführer.
Für Besucher ist der Park der Grund herzukommen: rund achtzig Tausend Quadratmeter Garten im französischen Stil, frei zugänglich, an Werktagen fast leer. Wer die Stadt schon kennt, findet hier das ruhigste Grün Donostias – und ein Stück Zeitgeschichte gleich dazu.
Aiete auf einen Blick
- Lage: am Hang oberhalb des Zentrums, zwischen Antiguo, Ibaeta und Amara
- Wahrzeichen: Palacio de Aiete, neoklassizistischer Bau von 1878
- Park: historische Gärten von Pierre Ducasse, täglich frei zugänglich
- Geschichte: königliche Sommerresidenz, ab 1940 Sommersitz Francos
- Heute: im Palast das Haus für Frieden und Menschenrechte
- Charakter: Villenviertel, sehr ruhig, wenig Gastronomie
- Wege: vom Boulevard mit dem Stadtbus rund 10 Minuten
- Gut zu wissen: zu Fuß geht es vom Antiguo etwa 20 Minuten spürbar bergauf
Der Palacio de Aiete
Die Herzöge von Bailén kauften das Gelände 1865 und ließen dreizehn Jahre später an der Stelle eines alten Bauernhauses ihren Sommersitz errichten. Den Entwurf lieferte der französische Architekt Adolphe Ombrecht, von dem auch der Palacio de Linares in Madrid stammt: ein neoklassizistischer Bau mit ionischen Säulen, strenger Symmetrie und dem Wappen der Herzöge über dem Eingang, flankiert von zwei steinernen Hunden.
Schon 1883 kam die erste königliche Besucherin, 1887 überließ die Herzoginwitwe das Haus der Regentin María Cristina als Sommerresidenz – bis 1893 der Palacio de Miramar am Meer fertig war. 1912 ging Aiete an die Gräfin von Casa Valencia, 1940 kaufte es die Stadt und stellte es Francisco Franco zur Verfügung, der hier bis 1975 seine Sommer verbrachte. Erst 1977 öffneten sich die Gärten für die Öffentlichkeit. Seit 2006 stehen Palast und Park als Denkmalensemble unter Schutz, 2010 entstand hinter dem Gebäude ein halb unterirdisches Kulturhaus mit Bibliothek. Im Palast selbst sitzt heute das städtische Haus für Frieden und Menschenrechte.
Der Park: Ducasses schönster Garten
Die Gärten entwarf der französische Gartenbaumeister Pierre Ducasse, der auch für die Anlagen am Palacio de Miramar, den Parque Cristina Enea und die Plaza de Gipuzkoa verantwortlich war. Er arbeitete nach dem französischen Vorbild: klare Achsen, abgestufte Baumvolumen, Brunnen und schattige Wege. Einige der alten Bäume stehen noch an ihrem ursprünglichen Platz, darunter mächtige Mammutbäume.
Heute ist der Park ein normaler Nachbarschaftspark – mit Enten am Teich, Spielplatz, Joggern und Familien am Wochenende. Der Eintritt kostet nichts, die Öffnungszeiten wechseln mit der Jahreszeit. Vom oberen Rand des Geländes sieht man über die Dächer hinweg bis zur Bucht.
Die Friedenskonferenz von 2011
Am 17. Oktober 2011 fand im Palacio de Aiete die Internationale Friedenskonferenz von San Sebastián statt. Teilnehmer waren unter anderem der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan und der frühere irische Premierminister Bertie Ahern, dazu weitere international an Friedensprozessen beteiligte Vermittler. Am Ende stand die sogenannte Erklärung von Aiete, die die ETA aufforderte, ihre bewaffnete Tätigkeit endgültig einzustellen, und die spanische und französische Regierung zu Gesprächen aufrief.
Drei Tage später, am 20. Oktober 2011, erklärte die ETA das definitive Ende ihrer bewaffneten Aktivität. Dass dieser Schritt ausgerechnet von dem Haus ausging, in dem der Diktator seine Sommer verbracht hatte, ist eine Ironie, die in Donostia niemandem entgeht – und ein Grund dafür, dass der Palast heute das Friedenshaus beherbergt.
Wohnen, Essen und Alltag
Aiete ist eine der begehrtesten Wohnlagen der Stadt: großzügige Häuser, Gärten, wenig Durchgangsverkehr, dafür Steigung an jeder Ecke. Gastronomisch bleibt das Viertel entsprechend zurückhaltend – hier gibt es keine Pintxo-Runde, sondern eine Handvoll Nachbarschaftslokale. Das bekannteste ist das Mamis Etxe, ein Barrio-Restaurant mit baskischer Hausmannskost, in dem mittags halb Aiete sitzt. Wer mehr Auswahl will, geht hinunter ins Antiguo oder ins Zentrum.

Lage und Wege
Aiete grenzt im Norden an das Antiguo, im Westen an Ibaeta und im Osten an Amara. Vom Boulevard fährt der Stadtbus in gut zehn Minuten hinauf, zu Fuß vom Antiguo braucht man etwa zwanzig Minuten – bergauf, aber landschaftlich schön. Mit dem Auto ist die Anfahrt unkompliziert, am Park gibt es Stellplätze in den Seitenstraßen. Gut kombinieren lässt sich der Besuch mit dem Campus von Ibaeta oder einem Abstieg zum Strand von Ondarreta.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Der Park von Aiete ist der Ort, an den ich gehe, wenn mir die Stadt zu voll wird. Zehn Minuten mit dem Bus, und plötzlich hört man nur noch Kies unter den Schuhen. Im August, wenn an der Concha kein Handtuch mehr passt, sitzen hier vielleicht zwanzig Menschen im ganzen Garten.
Was mich jedes Mal beschäftigt, ist die Geschichte des Hauses. Vierzig Jahre lang war das hier der Sommersitz eines Diktators, heute steht an derselben Fassade das Schild des Friedenshauses, und im Garten spielen Kinder. Man muss das nicht feierlich finden – aber ein paar Minuten davorzustehen lohnt sich.
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Häufige Fragen zu Aiete
Ist der Parque de Aiete frei zugänglich?
Ja, täglich und kostenlos; die Öffnungszeiten wechseln mit der Jahreszeit. Der Palast selbst ist Sitz des Hauses für Frieden und Menschenrechte und nur im Rahmen von Veranstaltungen und Ausstellungen zugänglich.
Was passierte 2011 im Palacio de Aiete?
Am 17. Oktober 2011 tagte hier die Internationale Friedenskonferenz von San Sebastián, unter anderem mit Kofi Annan und Bertie Ahern. Drei Tage später erklärte die ETA das endgültige Ende ihrer bewaffneten Aktivität.
Wer wohnte im Palacio de Aiete?
Erbaut wurde er 1878 für die Herzöge von Bailén. Bis zur Fertigstellung des Palacio de Miramar 1893 diente er der spanischen Königsfamilie als Sommerresidenz; von 1940 bis 1975 nutzte ihn Francisco Franco als Sommersitz.
Wie kommt man nach Aiete?
Mit dem Stadtbus vom Boulevard in rund zehn Minuten. Zu Fuß vom Antiguo dauert es etwa zwanzig Minuten bergauf. Mit dem Auto ist die Anfahrt unkompliziert, in den Seitenstraßen am Park gibt es Stellplätze.
Lohnt sich Aiete für Besucher?
Für einen halben Vormittag ja, vor allem wegen des Parks und der Geschichte des Palastes. Gastronomisch und für Nachtleben ist das Viertel kein Ziel – dafür ist es der ruhigste Grünraum der Stadt.
Über den Autor
Christian Fenske ist Weinhändler und Foodblogger. Für Gozatu! ist er regelmäßig in Donostia-San Sebastián unterwegs und schreibt nur über Orte, die er selbst besucht hat. Mehr über Christian →

