Altza ist der Stadtteil, der einmal ein eigenes Dorf war – mit eigenem Rathaus, eigener Kirche und eigener Verwaltung. Erst 1940 wurde es Teil von Donostia. In meinem San Sebastián Reiseführer taucht das Viertel nicht als Etappe auf, und ehrlich gesagt gibt es hier auch nichts abzuhaken. Wer trotzdem hochfährt, findet einen winzigen Ortskern über der Bucht von Pasaia, umgeben von Wohnblocks der 1960er Jahre.
Mit über 20.000 Einwohnern ist Altza nach Amara das bevölkerungsreichste Viertel der Stadt – hier leben mehr Menschen als in Hernani oder Tolosa. Vom Touristen-Donostia ist es fünf Kilometer und eine ganze Welt entfernt.
Altza auf einen Blick
- Lage: östlichster Stadtteil Donostias, auf der Anhöhe über der Bucht von Pasaia
- Status: eigenständige Gemeinde 1821–1823 und erneut 1879–1940, Villa-Titel seit 1910
- Eingemeindung: 1939 beschlossen, zum 4. April 1940 wirksam
- Einwohner: über 20.000 – nach Amara das größte Viertel der Stadt
- Alter Ortskern: Plaza San Marcial mit Kirche und ehemaligem Rathaus
- Teilorte: Herrera, Larratxo, Roteta, Jolastokieta, Garbera, Molinao, Buenavista und weitere
- Anbindung: Stadtbusse, Euskotren-Station Herrera, Nähe zum Hafen von Pasaia
- Lohnt sich für: Stadtgeschichte, Ausblicke auf die Bucht – nicht für einen klassischen Besichtigungstag
Ein Dorf über dem Hafen
Altza war jahrhundertelang ländlich: ein Ortskern auf der Kuppe, ringsum bis zu 150 Bauernhöfe, dazu ein Hafenviertel an der Bucht, das auf alten Plänen La Herrera heißt. Über diesen Hafenkern hing Altza am Seehandel von Pasaia, während oben Getreide, Obst und Apfelwein die Grundlage bildeten. Die Pfarrei San Marcial ist seit dem Mittelalter belegt und war lange der eigentliche Bezugspunkt der verstreuten Siedlung.
Auch heute reicht das Gebiet weit über das bebaute Viertel hinaus. Zwei Exklaven Donostias im Naturpark Aiako Harria, Urdaburu und Landarbaso, gehören nur deshalb zur Stadt, weil sie einst Altza gehörten. Die Grenze zu Pasaia verläuft mitten durch die Hänge – ein Detail, das bis in die Gegenwart für juristische Auseinandersetzungen sorgt.
Zweimal unabhängig, einmal eingemeindet
Zwischen 1821 und 1823 war Altza erstmals eine eigene Gemeinde. Ab 1860 verschärften sich die Konflikte mit Donostia, das die Zugehörigkeit des Gebiets zu seinem Stadtgebiet durchsetzen wollte; 1879 erreichte Altza erneut die Selbstständigkeit und behielt sie über sechzig Jahre. 1910 kam der Titel einer Villa dazu. Es gab ein eigenes Rathaus, eigene Finanzen und ein ausgeprägtes Selbstverständnis, das viele Altzatarras bis heute pflegen.
Das Ende kam nach dem Bürgerkrieg. 1939 unterzeichnete der Gemeinderat unter dem Franco-Regime den Anschluss an Donostia, wirksam wurde er am 4. April 1940; ausschlaggebend waren wirtschaftliche Zwänge. Umstritten war die Entscheidung von Anfang an. An der Wand des alten Rathauses erinnert seit 2015 eine Tafel an den Vorgang und an die Kritik daran – eine der wenigen Stellen in Donostia, an der Stadtgeschichte so unverblümt kommentiert wird.
Plaza San Marcial
Der alte Kern besteht aus wenig mehr als einem Platz. Oben stehen die Pfarrkirche San Marcial und das ehemalige Rathaus, ein solider Bau mit Wappen und Balkon. Die heutige Kirche ist deutlich jünger als die Pfarrei: Der Grundstein wurde 1914 gelegt, eingeweiht wurde sie drei Jahre später am San-Marcial-Tag, dem 30. Juni. Der Neubau war eine direkte Folge des Bevölkerungswachstums, das Altza schon vor dem Bürgerkrieg erfasst hatte.
Wer den Platz zum ersten Mal sieht, versteht die Dimension: Diese Handvoll Gebäude war das Zentrum einer Gemeinde von zwölf Quadratkilometern. Rundherum stehen heute Wohnblocks, die das Ensemble fast verstecken. Gefeiert wird trotzdem – die Fiestas von San Marcial Ende Juni sind das Fest des Viertels.
Ein Viertel aus vielen Kernen
Altza ist kein zusammenhängender Ort, sondern eine Reihe von Siedlungskernen mit eigenen Namen: Herrera unten am Wasser, dazu Larratxo, Roteta, Jolastokieta, Garbera, Molinao, Buenavista, Oleta, Santa Bárbara und weitere. Jeder Kern hat seine Vereine, seine Bar, seinen Platz. Und aus Gebieten, die früher zu Altza gehörten, sind längst eigene Stadtteile geworden – Intxaurrondo, Bidebieta und Martutene.
Das Gesicht des Viertels stammt aus den 1960er und 1970er Jahren. Mit der Industrialisierung des Hafens und der Zuwanderung aus ganz Spanien wurden die Hänge in wenigen Jahren mit Wohnzeilen zugebaut, oft ohne durchdachte Planung. Vom ländlichen Charakter blieben Reste: einzelne Caseríos zwischen den Blocks, Wiesen an den Rändern und der neun Hektar große Parque Larratxo.
Der Blick auf die Bucht von Pasaia
Der beste Grund, hier hochzufahren, ist die Aussicht. Von den oberen Straßen und von der Ostflanke des Monte Ulia sieht man direkt in den Naturhafen von Pasaia: die enge Einfahrt zwischen den Felsen, dahinter das Hafenbecken mit Kränen und Frachtern. Es ist das industrielle Gegenstück zur Bucht von La Concha und erklärt in einem Blick, wovon diese Küste jahrhundertelang gelebt hat.
Von Herrera aus ist man in wenigen Minuten in Pasai San Pedro; die kleine Fähre bringt einen von dort über das Wasser nach Pasai Donibane. Wer den Küstenweg über den Monte Ulia geht, kommt ohnehin dort heraus.
Essen und Trinken in Altza
Altza ist Nachbarschaftsgastronomie: Bars mit Mittagsmenü, Sozietäten, Vereinslokale. Eine Pintxos-Route für Besucher gibt es nicht, und niemand erwartet hier Gäste mit Stadtplan. Wer gezielt essen gehen will, fährt nach Gros oder nimmt gleich den Weg nach Pasaia, wo an der Bucht mehrere gute Fischlokale liegen. Auch fürs Frühstück führt der Weg aus dem Viertel heraus – die Cafés, die ich selbst getestet habe, stehen in meiner Bestenliste Bestes Frühstück in San Sebastián.
Lage und Wege
Altza liegt rund fünf Kilometer östlich der Zurriola und deutlich höher als die Innenstadt. Praktisch sind die Stadtbusse, die den Ortskern regelmäßig anfahren; unten an der Bucht hält der Topo an der Euskotren-Station Herrera. Zu Fuß aus dem Zentrum ist der Weg lang und durchgehend bergauf – wer laufen will, nimmt besser den Küstenweg über den Monte Ulia und macht daraus eine Wanderung.
Übernachten in Altza
Altza ist ein Wohnviertel ohne Übernachtungsschwerpunkt. Neue touristische Unterkünfte sind hier nur noch als Hotel auf einem Grundstück zulässig, das nicht dem Wohnen gewidmet ist. Wer im Osten der Stadt schlafen möchte, findet den Vergleich aller Viertel in meinem Beitrag Wo übernachten in San Sebastián.
🗺️ Lage & Anfahrt
Altza liegt rund fünf Kilometer östlich der Zurriola auf der Anhöhe über der Bucht von Pasaia. Stadtbusse fahren den alten Ortskern an der Plaza San Marcial an, unten am Wasser hält der Topo an der Euskotren-Station Herrera.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Ich bin durch Altza gefahren und ein Stück gelaufen, eingekehrt bin ich nicht – deshalb steht hier auch kein Lokal aus dem Viertel. Was mich beschäftigt hat, ist der Maßstab: Dieser kleine Platz mit Kirche und altem Rathaus war einmal das Zentrum einer eigenen Gemeinde, und heute steht er zwischen Wohnblocks wie ein vergessenes Möbelstück. Die Gedenktafel an der Rathauswand macht klar, dass die Eingemeindung von 1940 hier nicht als Verwaltungsakt abgehakt ist. Für einen Urlaubstag ist Altza nichts. Für das Verständnis, wie diese Stadt zusammengewachsen ist, ist es eine der aufschlussreichsten Adressen.
Weitere passende Empfehlungen rund um Altza
Braban · Gaztelu Txiki · Bar Bergara · APAR · Iraeta Taberna
Häufige Fragen zu Altza
War Altza einmal eine eigene Gemeinde?
Ja, sogar zweimal: von 1821 bis 1823 und erneut von 1879 bis 1940. Seit 1910 führte Altza den Titel einer Villa. Der Anschluss an Donostia wurde 1939 beschlossen und am 4. April 1940 wirksam.
Was kann man in Altza ansehen?
Den alten Ortskern an der Plaza San Marcial mit Pfarrkirche und ehemaligem Rathaus, den Parque Larratxo und vor allem den Blick von den oberen Straßen auf den Naturhafen von Pasaia.
Wie kommt man nach Altza?
Am einfachsten mit dem Stadtbus, der den Ortskern regelmäßig anfährt. Unten an der Bucht hält der Topo an der Station Herrera. Zu Fuß aus dem Zentrum sind es rund fünf Kilometer, durchgehend bergauf.
Warum ist Altza so dicht bebaut?
In den 1960er und 1970er Jahren zogen mit der Industrie am Hafen von Pasaia viele Menschen aus ganz Spanien zu. In wenigen Jahren entstanden auf den Hängen große Wohnzeilen, häufig ohne geordnete Planung.
Kommt man von Altza nach Pasaia?
Ja. Der Teilort Herrera grenzt unmittelbar an Pasai San Pedro, von dort setzt eine kleine Fähre nach Pasai Donibane über. Alternativ führt der Küstenweg über den Monte Ulia dorthin.
Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

