Zumaia: Flysch, Geopark und eine Drachenfestung am Atlantik

Fröhliche baskische Maulwurffrau auf den Flysch-Klippen von Zumaia mit Blick auf den Strand von Itzurun, den Atlantik und die spektakulären Gesteinsschichten des UNESCO-Geoparks der Baskischen Küste.

Es gibt Orte, die mit Millionen Jahren Erdgeschichte in den Felsen prahlen. Und dann ist da Zumaia. Das Städtchen an der Urola-Mündung macht daraus kein großes Theater. Es liegt einfach da, zwischen zwei Stränden, mit einem Hafen, einer Altstadt und Klippen, die aussehen, als hätte jemand die Erde der Länge nach aufgeschnitten. 60 Millionen Jahre. Auf einem Quadratkilometer. Kein Eintritt.

Auf einen Blick

  • Lage: Urola-Mündung, Provinz Gipuzkoa, Baskenland
  • Entfernung: ca. 35 km westlich von San Sebastián
  • Highlights: Flysch-Klippen (UNESCO Geopark), Strand Itzurun, Zuloaga-Museum, Game of Thrones-Drehort
  • Strände: Itzurun (Flysch) und Santiago (stadtnah)
  • Geopark: UNESCO Global Geopark der Baskischen Küste (seit 2015)
  • Anreise: Auto N-634 ca. 40 Min.; Bus/Euskotren ab Donostia; Camino del Norte führt durch die Altstadt

Wer von San Sebastián aus die Küste Richtung Westen fährt, erreicht nach etwa 35 Kilometern eine kleine Stadt, in der ein Fluss namens Urola auf einer geschwungenen S-Kurve ins Meer mündet. Diese Kurve ist kein Zufall: Sie hat Zumaia über Jahrhunderte einen der brauchbarsten Naturhäfen der Küste beschert. Heute stehen hier Sportboote, eine kleine Werft repariert Schiffe wie seit Generationen – und am Ende des Hafens beginnen Klippen, die Geologen aus der ganzen Welt anziehen wie ein Magnet.

Eine Stadt mit Kurs auf England, Frankreich und Flandern

Zumaia ist kein Ort, der aus dem Nichts gewachsen ist. Im Mittelalter war es ein bedeutender Handelshafen – Tuch, Wolle, Eisen gingen nach England, Frankreich und in die Niederlande, Importwaren kamen den Urola hinauf ins Landesinnere. Das erklärt die ungewöhnlich solide Altstadt für einen Ort dieser Größe: Stadtmauern, eine gotische Kirche, schmale Gassen, die noch heute den alten Umriss der mittelalterlichen Siedlung nachzeichnen.

Die gotische Pfarrkirche San Pedro birgt ein Altarretabel, das der baskische Bildhauer Juan de Antxieta zwischen 1574 und 1577 schuf – sein einziges vollständig erhaltenes und dokumentiertes Werk in ganz Gipuzkoa und eine der bemerkenswertesten Kirchenausstattungen der Provinz. Antxieta gilt als einer der wichtigsten Bildhauer des spanischen Romanismus; selbst Juan de Juni, der große Bildhauer von Valladolid, lobte ihn in seinem Testament als Einzigen, dem er die Vollendung seiner Werke anvertrauen würde. Zumaia lieferte also nicht nur Waren in die Welt hinaus, sondern beherbergt auch ein Meisterwerk der Renaissance-Skulptur.

Panoramablick auf Zumaia mit Hafen, Altstadt und grünen Hügeln im baskischen Hinterland.
Blick über Zumaia, den Yachthafen und die sanften Hügel der baskischen Küstenlandschaft.

Der Flysch: Wenn Steine mehr erzählen als Bücher

Das Wort Flysch klingt nach einem Versprechen, das die Aussprache nicht halten kann. Es bezeichnet eine besondere Art von Sedimentgestein, das entsteht, wenn über Millionen von Jahren abwechselnd feiner Mergel und grobkörniger Sandstein auf dem Meeresboden abgelagert werden. Das Ergebnis: ein Schichtenkuchen aus Stein, der die Geschichte des Planeten wie eine aufgeklappte Enzyklopädie zeigt.

Was den Flysch bei Zumaia besonders macht: Die Schichten stehen hier fast senkrecht. Küstenerosion und tektonische Verschiebungen haben die ursprünglich horizontalen Lagen aufgerichtet, sodass man nicht mehr von oben nach unten lesen muss, sondern von links nach rechts. Am Strand Itzurun und beim Aussichtspunkt Algorri läuft man wörtlich durch Millionen von Jahren Erdgeschichte. Die ältesten sichtbaren Schichten sind rund 60 Millionen Jahre alt. Die ganze Küste von Zumaia bis nach Mutriku und Deba bildet den Geopark der Baskischen Küste – seit 2010 Teil des Global Geoparks Network und seit November 2015 als UNESCO Global Geopark ausgezeichnet.

Spektakuläre Flysch-Klippen an der Küste von Zumaia im UNESCO Geopark Baskenland.
Die berühmten Flysch-Formationen von Zumaia zählen zu den beeindruckendsten Naturwundern Europas.

Die Grenze, an der die Dinosaurier starben – und Drachen landeten

Wer genau hinschaut, findet im Flysch bei Zumaia eine dünne rötliche Schicht, die sich wie ein diskreter Strich durch den Fels zieht. Das ist die KPg-Grenze – die Kreide-Paläogen-Grenze, das geologische Dokument des Asteroideneinschlags vor 66 Millionen Jahren, der das Ende der Dinosaurier markiert. In dieser Schicht reichert sich Iridium an, ein Element, das auf der Erde selten ist, in Asteroiden jedoch häufig vorkommt. Wissenschaftler haben hier, an diesen Klippen, das Kapitel gelesen, das erklärt, warum es heute keine Dinosaurier mehr gibt.

Und dann kam HBO. 2016 entschieden die Produzenten von Game of Thrones, dass die Klippen von Zumaia perfekt aussehen als Drachenstein – Dragonstone, die Festung von Daenerys Targaryen. Im Juli 2016 wurde die Standortwahl öffentlich, gedreht wurde Ende Oktober 2016. Die siebte Staffel lief dann ab Juli 2017 – und seitdem kommen Fans aus Japan, Australien, Brasilien und Deutschland an den Itzurun-Strand, zeigen auf die Felsen und erkennen darin Kulissen, die sie zehnmal gesehen haben. Wer die Burg selbst sucht: Der Fels mit der berühmten Treppe war San Juan de Gaztelugatxe in Bizkaia – Itzurun lieferte den Strand darunter, an dem Daenerys landete und später Jon Snow an Land ging. Die Einheimischen nehmen das mit dem Gleichmut einer Bevölkerung, die bereits 60 Millionen Jahre Dramatik im Fels verewigt hat und sich von einer Fernsehserie nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Zuloaga: Der Mann, der El Greco vor dem Vergessen rettete

Während Getaria mit einem Weltumsegler und einem Modegott aufwarten kann, hat Zumaia Ignacio Zuloaga. Kein ganz so zugkräftiger Name im globalen Bewusstsein – aber wer die Geschichte der europäischen Malerei kennt, weiß, was dieser Mann geleistet hat.

Zuloaga, 1870 in Eibar geboren, verbrachte seine Sommer und die letzten Jahrzehnte seines Lebens in Zumaia. Er war einer der bedeutendsten spanischen Maler des frühen 20. Jahrhunderts – realistisch, dunkel, in den Gesichtern seiner Figuren immer etwas vom Gewicht der Geschichte. Aber seine eigentliche Kulturleistung war eine andere: Zuloaga sammelte El Greco zu einer Zeit, als die Kunstwelt den kretischen Maler als überholt betrachtete. Er erwarb Dutzende von Gemälden, zeigte sie in seinem Atelier, sprach öffentlich über deren Genialität – und trug damit wesentlich dazu bei, dass El Greco um 1900 wiederentdeckt wurde. Ohne Zuloaga wären Picasso und andere Modernisten möglicherweise nie auf El Greco gestoßen.

Das Museum in Zumaia, direkt hinter dem Itzurun-Strand, ist Zuloagas ehemaliges Atelier – umgeben von einem Garten mit Blick auf die Klippen. In den Sommermonaten zeigt es seine Werke, aber auch Teile seiner Sammlung: El Greco, Goya, Pedro de Mena. Es ist einer jener Orte, an denen man versteht, warum Kunstgeschichte nicht in Museumschronologien stattfindet, sondern in den Ateliers besessener Einzelpersonen.

Nur am Rande: Zuloagas politische Positionierung im Spanischen Bürgerkrieg war eindeutig pro-Franco. Das macht seine Biografie kompliziert – und seinen Ruf in Teilen des Baskenlandes bis heute ambivalent. Wer das Museum besucht, sollte den Kontext kennen.

Strand Itzurun in Zumaia mit den charakteristischen Flysch-Felsen und dem Atlantik im Baskenland.
Der Strand Itzurun ist das bekannteste Wahrzeichen von Zumaia und Teil des UNESCO Geoparks.

Küche: Fisch, Hafen, und keine großen Worte

Zumaia ist nicht Getaria. Es gibt hier kein Restaurant, das mit einem Michelin-Stern über sich selbst hinauswachsen möchte. Was es gibt, ist Fisch. Frisch, direkt, ohne Umschweife. Die Hafenrestaurants servieren den Tagesfang – und wer wissen will, wann er zuletzt wirklich frische Seezunge gegessen hat, findet die Antwort hier.

Lokale Spezialität, die man nicht ignorieren sollte: Txipirones – kleine Tintenfische, in der Regel in ihrer eigenen Tinte geschmort. Ein Gericht, das aussieht wie ein Unfall und schmeckt wie eine Entscheidung. Dazu ein Glas Txakoli. Der kommt zwar formell aus der Denominación de Origen Getariako Txakolina, aber die Weinberge beginnen praktisch hinter den Hügeln von Zumaia.

Frische Muscheln in grüner Sauce nach baskischer Art in einem Restaurant in Zumaia an der Küste des Baskenlandes.
Ein klassisches Muschelgericht der baskischen Küche mit frischen Meeresfrüchten und aromatischer grüner Sauce.

Warum Zumaia?

Weil es einer jener Orte ist, der mehr liefert als angekündigt. Weil man am Itzurun-Strand auf einem Felsen sitzen kann, der älter ist als alles, was man sich vorstellen kann, und gleichzeitig an die Stelle denken kann, wo Daenerys mit ihren Drachen gelandet ist. Weil Zuloagas Atelier ein ruhigerer, eigenwilligerer Ort ist als die meisten Kunstmuseen der Welt. Weil der Hafen funktioniert – nicht als Kulisse, sondern als Hafen. Und weil der Camino del Norte durch die Altstadt führt, was bedeutet, dass Zumaia seit Jahrhunderten Durchgangsstation für Menschen auf dem Weg irgendwohin ist – und doch jedes Mal einen Grund liefert zu bleiben.

🗺️ Lage & Anfahrt

Zumaia liegt ca. 35 km westlich von San Sebastián an der Urola-Mündung. Mit dem Auto über die N-634 rund 40 Minuten, dazu regelmäßige Bus- und Euskotren-Verbindungen ab Donostia. Der Itzurun-Strand liegt westlich der Altstadt.
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Häufige Fragen zu Zumaia

Was ist der Flysch von Zumaia?

Der Flysch ist eine Felsformation aus fast senkrecht stehenden Sedimentschichten, die rund 60 Millionen Jahre Erdgeschichte zeigen – darunter die KPg-Grenze, die geologische Spur des Asteroideneinschlags, der die Dinosaurier auslöschte. Er gehört zum UNESCO Global Geopark der Baskischen Küste, der sich von Zumaia bis Deba erstreckt.

Wurde Game of Thrones in Zumaia gedreht?

Ja. Die Flysch-Klippen am Itzurun-Strand dienten in Staffel 7 von Game of Thrones als Außenkulisse für Dragonstone, die Festung von Daenerys Targaryen. Die Drehorte sind frei zugänglich.

Was zeigt das Zuloaga Museum in Zumaia?

Das Museo Zuloaga im ehemaligen Atelier des Malers Ignacio Zuloaga zeigt seine Werke sowie Teile seiner berühmten Privatsammlung – darunter Gemälde von El Greco, Goya und eine Skulptur von Pedro de Mena. Das Museum ist saisonal geöffnet, meist April bis September an Wochenenden.

Wie kommt man von San Sebastián nach Zumaia?

Zumaia liegt rund 35 Kilometer westlich von San Sebastián. Mit dem Auto über die N-634 in ca. 40 Minuten erreichbar. Busse und Euskotren fahren regelmäßig ab Donostia. Das Dorf selbst ist zu Fuß gut erschließbar.

Welche Strände hat Zumaia?

Zumaia hat zwei Hauptstrände: Playa de Santiago direkt am Urola-Fluss, breit und stadtnah, sowie Playa de Itzurun – der Flysch-Strand westlich der Altstadt, umgeben von senkrechten Felsformationen. Itzurun ist auch Surfspot und der touristisch bekanntere der beiden.


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Christian Fenske, Weinhändler & Foodblogger von Gozatu!

Über den Autor

Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

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