Kurz & knapp: San Juan de Gaztelugatxe ist eine Felseninsel an der Küste von Bizkaia, verbunden mit dem Festland durch eine steinerne Bogenbrücke. Oben, 80 Meter über dem Meer, steht eine Einsiedelei – erreichbar über 241 Stufen. Der Ort ist seit 1053 urkundlich belegt, seit 1998 geschütztes Biotop und seit 2017 als Drachenstein aus Game of Thrones weltbekannt. In der Hauptsaison brauchst du ein kostenloses Zeitfenster-Ticket.
Zuletzt aktualisiert: 30. August 2026 · von Christian Fenske
Auf einen Blick
- Name: San Juan de Gaztelugatxe (baskisch: Gaztelugatxeko Doniene)
- Typ: Felseninsel mit Einsiedelei, geschütztes Biotop
- Lage: BI-3101 zwischen Bakio und Bermeo, Gemeindegebiet Bermeo, Bizkaia
- Anfahrt: ca. 120 km und knapp 2 Stunden ab Donostia-San Sebastián, ca. 35 km ab Bilbao
- Aufstieg: 241 Stufen, Einsiedelei 80 m über dem Meer
- Zeitbedarf: 2 bis 2,5 Stunden ab Parkplatz, hin und zurück
- Ticket: kostenlos, in der Hauptsaison und an Wochenenden Pflicht, online über tiketa.eus
- Schutzstatus: Biotopo Protegido seit 1998, 158 Hektar
- Ideal für: Küstenlandschaft, Fotografie, Serien-Drehorte, einen halben Tag ab Bilbao oder einen ganzen Tag ab Donostia
- Barrierefreiheit: über den Zuweg Ermu bis zur Brücke auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl, der Aufstieg zur Kapelle ist reine Treppe
- Mitbringen: festes Schuhwerk und Wasser, der Stein ist bei Nässe und Gischt rutschig, oben gibt es keinen Schatten
Was Gaztelugatxe ist – und warum alle hinwollen
Der Name sagt schon fast alles: gaztelu heißt Burg, aitz heißt Fels. Der Burgfels. Eine zweite Lesart deutet die Endung als „schwierig, unzugänglich“ – die uneinnehmbare Burg. Beides passt zu dem, was man vor sich sieht: ein rund hundert Millionen Jahre alter Felskopf, der aus dem Kantabrischen Meer aufragt, über eine schmale, doppelbogige Steinbrücke mit dem Festland verbunden. Wer hinüber will, muss laufen. Anders geht es nicht.
Oben steht eine schlichte Einsiedelei, Johannes dem Täufer geweiht. Kein prunkvoller Bau, sondern ein weiß gekalkter Kasten, der seit Jahrhunderten Stürmen, Plünderern und einem Brand standgehalten hat. Genau diese Kombination – wilder Fels, dünne Brücke, kleine Kapelle – macht die Bilder aus, die man von Gaztelugatxe kennt.
Der Felsen und die Nachbarinsel Aketxe stehen seit 1998 als Biotopo Protegido unter Schutz, insgesamt 158 Hektar. Auf Aketxe brütet die einzige Sturmschwalben-Kolonie des Baskenlandes. Deshalb gelten hier Regeln, die anderswo an der Küste nicht gelten: Drohnen sind eingeschränkt, Hunde gehören an die Leine, und der Zugang wird reguliert.
Der Aufstieg: 241 Stufen über zwei Wege
Zur Brücke führen zwei Wege, und die Wahl entscheidet, wie anstrengend der Tag wird.
Urizarreta ist der Hauptzugang beim Informationspunkt: rund 1.200 Meter, streckenweise bis zu 35 Prozent Gefälle, mit Treppenabschnitten. Kurz und knackig – auf dem Hinweg bergab, auf dem Rückweg bergauf. Ermu ist mit rund 2.600 Metern mehr als doppelt so lang, dafür deutlich flacher bei etwa 15 Prozent und als asphaltierte, autofreie Straße ohne Stufen angelegt. Beide liegen bei 30 bis 40 Minuten pro Richtung – Urizarreta ist der kürzere, aber steilere Weg, Ermu der längere und gleichmäßigere.
Und dann kommen die 241 Stufen. Sie sind unregelmäßig, verteilen sich auf fünf Abschnitte und winden sich in engen Kehren den Fels hinauf. Wer nachzählt, kommt beim Abstieg übrigens auf 242 – auf halber Höhe versetzt sich eine Stufe um rund 45 Zentimeter und wirkt bergab wie zwei.
Für den kompletten Besuch ab Parkplatz solltest du 2 bis 2,5 Stunden einplanen, inklusive Pausen und Fotostopps. Festes Schuhwerk ist keine Empfehlung, sondern Voraussetzung – der Stein ist bei Nässe und Gischt rutschig. Barrierefrei ist der Ort nicht: Über Ermu kommst du mit Kinderwagen oder Rollstuhl bis zur Brücke, der Aufstieg zur Kapelle bleibt in jedem Fall Treppe.

Das Ticket: kostenlos, aber oft Pflicht
Der Besuch selbst kostet nichts. Weil der Andrang aber jedes Jahr größer wurde, hat die Diputación Foral de Bizkaia den Zugang an ein Zeitfenster-Ticket gebunden – ein reines Steuerungsinstrument, kein Eintritt. Gebucht wird online über tiketa.eus/gaztelugatxe, maximal zehn Tickets pro Buchung.
Die Ticketpflicht gilt nicht ganzjährig, sondern in den besucherstarken Zeiten: in der Karwoche, von etwa Mitte Juni bis Mitte oder Ende September täglich, dazu an Wochenenden und Feiertagen im Frühjahr und Herbst sowie an einzelnen Brückentagen. Die genauen Daten legt die Diputación jedes Jahr neu fest. Schau vor der Fahrt in den Kalender auf tiketa.eus; die Termine, die in Reiseportalen kursieren, weichen voneinander ab.
Zwei Dinge, die den Unterschied machen: Kontrolliert wird nur innerhalb eines Tagesfensters, das am Vormittag beginnt und um 19:00 Uhr endet, im Winter früher. Wer davor oder danach kommt, geht auch an Kontrolltagen ohne Ticket hinüber – das ist gleichzeitig die ruhigste Zeit. Die genaue Anfangszeit wechselt mit der Saison und steht tagesaktuell auf tiketa.eus; plane das ein, bevor du dich darauf verlässt. Und wenn du reserviert hast, sei pünktlich: Nach etwa einer Viertelstunde verfällt der Slot. Stornieren kannst du bis zwei Stunden vor dem Termin.
An einzelnen Tagen im Jahr ist der Zugang wegen der lokalen Wallfahrten zusätzlich beschränkt, darunter am 24. Juni, am 31. Juli und am 29. August. Und bei Sturm, starkem Seegang oder Wellenwarnung wird der Weg komplett gesperrt – das passiert im Winter regelmäßig und ist keine Formalie, sondern eine Frage der Sicherheit.
Anfahrt und Parken
Ab Donostia-San Sebastián sind es rund 120 Kilometer, für die du knapp zwei Stunden brauchst: AP-8 bis Bilbao, dann über die BI-631 Richtung Mungia und Bakio, zuletzt auf die BI-3101, die Küstenstraße zwischen Bakio und Bermeo. Ab Bilbao ist es deutlich näher – etwa 35 Kilometer und rund 50 Minuten. Als Halbtagesziel funktioniert Gaztelugatxe von Bilbao aus besser als von Donostia; wer aus San Sebastián kommt, sollte den Tag großzügiger planen und ihn mit weiteren Stationen an der Küste von Bizkaia füllen.
Am Zugang gibt es drei Parkplätze mit zusammen nur rund 250 Plätzen. Urizarreta liegt mit etwa 25 kostenlosen Plätzen am nächsten am Hauptzugang. Eneperi beim gleichnamigen Restaurant ist der größte, privat betrieben und kostenpflichtig. Lurgorri ist kostenlos, liegt am Zugang Ermu und bedeutet etwa 15 Minuten Fußweg extra. Alle drei liegen bereits auf dem Gemeindegebiet von Bakio – im Navi führt Gaztelugatxe deshalb oft unter der Bakioer Postleitzahl 48130, während der Felsen selbst zu Bermeo gehört. Zwischen 10 und 16 Uhr sind sie in der Saison schnell voll, und das Ticket reserviert dir keinen Stellplatz. Wer auf Nummer sicher gehen will, parkt in Bakio und läuft.
Ohne Auto geht es über Bizkaibus. Die Haltestelle am Zugang heißt Gaztelubegi. Im Sommer gibt es dichtere und teils direkte Verbindungen ab Bilbao, außerhalb der Saison musst du in der Regel in Bakio umsteigen, und die Takte sind dünn. Weil die Liniennummern saisonal wechseln, lohnt vor der Fahrt ein Anruf bei der Bizkaibus-Auskunft unter +34 946 125 555 oder ein Blick in den aktuellen Fahrplan.
Wann du am besten kommst
Früh. So früh es geht. An Wochenenden und in den Sommermonaten wird es ab dem späten Vormittag deutlich voller, und auf einer schmalen Treppe merkt man das sofort. Das offizielle baskische Tourismusbüro empfiehlt für einen ruhigen Besuch ohnehin Frühjahr oder Herbst – ein Rat, den man nach einem Blick auf die Augustzahlen gut versteht. Wie sehr der Andrang inzwischen ganze Orte prägt, ist im Baskenland ein eigenes Thema, das wir uns beim Übertourismus in San Sebastián genauer angesehen haben.
Im Hochsommer solltest du die Stunden zwischen 14 und 16 Uhr meiden – es gibt auf dem Fels keinen Schatten. Fotografisch sind Sonnenauf- und -untergang die beste Zeit; von den Aussichtspunkten Urizarreta und Ermu bekommst du abends die Silhouette aus Kapelle, Treppe und Brücke. Und ein Blick auf die Gezeiten lohnt sich: Bei auflaufendem Wasser schlägt die Brandung deutlich spektakulärer gegen die Brücke.
Geschichte: Von 1053 bis zum Brand von 1978
Archäologische Funde deuten auf eine Struktur auf dem Felsen bereits im 9. Jahrhundert hin. Urkundlich fassbar wird der Ort im Jahr 1053, als Íñigo López ihn als „Sancti Johannis de Castiello“ dem Kloster San Juan de la Peña schenkte. Im 12. Jahrhundert wurde daraus ein Konvent. Dass hier Templer gesessen hätten, wird gern erzählt – belegt ist es nicht.
Danach wird es unruhig. 1334 diente der Fels als militärischer Stützpunkt im Konflikt zwischen Juan Núñez de Lara, dem Herrn von Bizkaia, und König Alfons XI. von Kastilien. 1593 plünderte Francis Drake die Anlage, ein Jahr später überfielen Hugenotten aus La Rochelle den Ort und töteten den Eremiten. 1886 wurde umfassend umgebaut. Am 10. November 1978 brannte die Kirche aus; der Wiederaufbau war am 25. Juni 1980 abgeschlossen.
Lebendig ist der Ort bis heute vor allem als Wallfahrtsziel. Am 24. Juni ziehen die Einwohner von Bermeo herauf, am 31. Juli kommt die Prozession aus Arrieta, am 29. August die aus Bakio. Im Inneren der Kapelle hängen Votivgaben, darunter Schiffsmodelle und maritime Bilder – Dank von Seeleuten, die zurückgekommen sind. Wer tiefer in diese Welt einsteigen will: Über Walfang, Welthandel und die baskische Seefahrt haben wir eine eigene Folge geschrieben.
Zwei Bräuche halten sich hartnäckig. Der eine: dreimal die Glocke läuten, das soll böse Geister vertreiben und einen Wunsch erfüllen. Ob das gerade möglich ist, hängt vom Vogelschutz ab – zeitweise wurde das Seil entfernt, um die Brutvögel nicht zu stören. Der andere: der „Fußabdruck des Täufers“ im Fels, in den man treten soll. Wer es tut, bleibt der Legende nach ein Jahr lang von Schwielen verschont.

Drachenstein: Gaztelugatxe in Game of Thrones
Für die siebte Staffel von Game of Thrones wurde Gaztelugatxe zu Drachenstein – dem Stammsitz des Hauses Targaryen. Gedreht wurde hier an drei Tagen, vom 20. bis 22. Oktober 2016; zu sehen ist der Felsen unter anderem in der Szene, in der Tyrion Jon Snow die Treppe hinaufführt. Die Burg entstand digital, der Fels und die gewundene Treppe sind echt. Seit der Ausstrahlung im Sommer 2017 ist der Andrang ein anderer, und die Ticketpflicht ist auch eine Folge davon.
Es ist nicht der einzige Drehort im Baskenland: Am Strand von Itzurun in Zumaia entstand vom 24. bis 29. Oktober 2016 der Strand von Drachenstein – dort landet Daenerys und trifft später auf Jon Snow. An der Playa de Muriola in Barrika wurde wenige Tage zuvor gedreht, dort legen Tyrion und Ser Davos vor Königsmund an. Wer die Drehorte verbinden will, hat damit eine Route, die ganz nebenbei die schönsten Küstenabschnitte zwischen Gipuzkoa und Bizkaia abfährt.
Wenn du schon einmal da bist: Bakio im Westen und der Fischerhafen von Bermeo im Osten liegen jeweils nur ein paar Minuten entfernt und machen aus dem Abstecher einen ganzen Tag. Weitere Ziele in dieser Ecke findest du in unserer Übersicht der schönsten Tagesausflüge ab San Sebastián und im Guide zu Bilbao.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Mein Besuch liegt lange zurück, und ich war damals noch wesentlich jünger – trotzdem ist mir vor allem eines geblieben: wie steil und anstrengend dieser Anstieg ist. Man sieht die Kapelle die ganze Zeit über sich, und sie kommt gefühlt nur sehr langsam näher. Von einer Ticketpflicht war seinerzeit keine Rede, man ging einfach hinüber.
Oben hat der Ausblick die Mühen dann mehr als belohnt. Diese zerklüftete Küste, das offene Kantabrische Meer, der Wind – das ist einer der Momente, für die man solche Wege auf sich nimmt. Wenn du unsicher bist, ob sich der Aufstieg lohnt: Er lohnt sich.
📍 San Juan de Gaztelugatxe, BI-3101 zwischen Bakio und Bermeo, 48370 Bermeo, Bizkaia, Spanien | tiketa.eus/gaztelugatxe
🕐 Öffnungszeiten & Zugang
| Gelände | ganzjährig zugänglich, in den Kontrollzeiten mit Zeitfenster-Ticket |
| Kontrollierte Zeiten | Beginn saisonal am Vormittag, Ende 19:00 Uhr, im Winter 17:00 Uhr |
| Ticketpflicht | Karwoche, Hochsommer täglich, sonst Wochenenden, Feiertage und Brückentage |
| Ticketpreis | kostenlos |
| Einsiedelei innen | nur an den Wallfahrtstagen zur Messe |
⚠️ Bei Sturm, starkem Seegang und Wellenwarnungen wird der Zugang komplett gesperrt. Die genauen Ticketzeiträume legt die Diputación Foral de Bizkaia jährlich neu fest – vor der Fahrt prüfen auf tiketa.eus.
🗺️ Lage & Anfahrt
An der BI-3101 zwischen Bakio und Bermeo, rund 120 km westlich von Donostia-San Sebastián. Route in Google Maps öffnen →
Häufig gestellte Fragen zu San Juan de Gaztelugatxe
Braucht man ein Ticket für Gaztelugatxe?
In den besucherstarken Zeiten ja: in der Karwoche, im Hochsommer täglich sowie an Wochenenden, Feiertagen und Brückentagen. Das Ticket ist kostenlos und wird online über tiketa.eus gebucht, maximal zehn pro Buchung. Außerhalb dieser Zeiträume und außerhalb des kontrollierten Tagesfensters ist der Zugang frei.
Wie viele Stufen hat San Juan de Gaztelugatxe?
241 Stufen führen von der Brücke hinauf zur Einsiedelei, die 80 Meter über dem Meer liegt. Sie sind unregelmäßig und verteilen sich auf fünf Abschnitte. Beim Abstieg zählt man wegen eines Versatzes auf halber Höhe oft eine Stufe mehr.
Wie lange dauert der Besuch?
Plane ab Parkplatz 2 bis 2,5 Stunden ein. Der Hinweg dauert je nach Route 30 bis 40 Minuten, dazu kommen der Aufstieg über die Stufen, Zeit oben und der Rückweg – der anstrengende Teil, weil es dann bergauf geht.
Wie kommt man von San Sebastián nach Gaztelugatxe?
Mit dem Auto sind es rund 120 Kilometer und knapp zwei Stunden über die AP-8 bis Bilbao und weiter über die BI-631 und BI-3101. Ohne Auto fährst du zunächst nach Bilbao und von dort mit Bizkaibus weiter; die Haltestelle am Zugang heißt Gaztelubegi. Die Linien wechseln saisonal.
War Gaztelugatxe ein Drehort von Game of Thrones?
Ja. In der siebten Staffel steht der Felsen für Drachenstein, den Stammsitz des Hauses Targaryen; gedreht wurde hier vom 20. bis 22. Oktober 2016. Die Burg wurde digital ergänzt, Fels und Treppe sind real. Weitere Drehorte im Baskenland sind der Strand von Itzurun in Zumaia, wo Daenerys landet, und die Playa de Muriola in Barrika.
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Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


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