Egosari San Sebastián: Airaudos Pintxo-Bar in der Parte Vieja

Theke und Barbereich im Egosari in Donostia-San Sebastián

In der Calle Fermín Calbetón, der dichtesten Pintxo-Straße der Parte Vieja, läuft man an guten Adressen leicht vorbei. Das Egosari lohnt den Stopp: 1983 gegründet, stand es vor dem Aus, bis Paulo Airaudo – der Koch hinter dem Amelia – es übernahm und im Juni 2025 wiedereröffnete. Avantgarde sucht man hier vergeblich, und genau das ist der Punkt: gute Produkte, saubere Garpunkte, klassische baskische Küche. Wer Donostia-San Sebastián zum ersten Mal auf eigene Faust erkundet, findet in der Altstadt wenige Adressen, die so verlässlich liefern.

Egosari auf einen Blick

  • Name: Egosari (bei Google: Bar Egosari)
  • Küche/Konzept: traditionelle baskische Pintxos und Küche – Barra im Erdgeschoss, Comedor im Untergeschoss
  • Gruppe: Paulo Airaudo Group – in Donostia außerdem Amelia, Ibai und La Bottega di Filippo
  • Stadtteil: Parte Vieja – mitten in der Calle Fermín Calbetón
  • Eröffnet: 1983, seit Juni 2025 unter Paulo Airaudo
  • Probierte Pintxos: Anchoas en Salazón, Brocheta de Txuleta, Gamba en Gabardina
  • Im Glas: Txakoli Txomin Etxaniz
  • Preisniveau: €€ – Pintxos zwischen 4,50 und 9,00 €
  • Reservierung: für den Comedor über die Website oder telefonisch empfohlen, an der Barra nicht nötig
  • Ruhetage: Dienstag und Mittwoch
  • Zuletzt besucht: Juli 2026

1983 gegründet, 2025 gerettet

Das Egosari ist keine Neugründung, auch wenn der Name eines Zwei-Sterne-Kochs darüber steht. Es öffnete 1983 in einer ehemaligen Sidrería und Kohlenhandlung in der Fermín Calbetón – zwischen Nachbarn wie dem Casa Urola, dem Borda Berri und dem Bar Sport. Der Name kommt aus dem Baskischen und bezeichnet das, was gekocht wird: Eintöpfe, Schmorgerichte, Küche mit Zeit. Zum Markenzeichen wurden die Brochetas am Tresen.

Vor wenigen Jahren stand das Lokal vor dem Aus, weil der Vorbesitzer in den Ruhestand ging. Dass es weitergeht, ist Paulo Airaudo zu verdanken: Der Argentinier hatte 2024 schon das legendäre Ibai zurückgeholt und übernahm auch hier – die Originalaufteilung des Hauses blieb dabei unangetastet. Am 13. Juni 2025 öffnete das Egosari wieder.

Die Fermín Calbetón – Donostias berühmteste Pintxo-Straße

Die Straße verbindet die Kirche Santa María mit dem ehemaligen Kloster San Telmo und ist auf ihrer ganzen Länge mit Bars, Tabernas und Restaurants gesäumt. Für viele Donostiarras ist der Rundgang durch die Fermín Calbetón kein Touristenprogramm, sondern gelebter Alltag – Stichwort Txikiteo.

Wer hier isst, sitzt fast immer in einem Neubau des 19. Jahrhunderts – auch wenn sich das niemand vorstellen mag. Am 31. August 1813 nahmen britische und portugiesische Truppen San Sebastián ein, und die Stadt brannte. Von mehreren hundert Gebäuden überstanden nur eine Handvoll das Feuer, die meisten davon in der heutigen Calle 31 de Agosto. Alles andere entstand beim Wiederaufbau neu – daher die engen, hohen Häuser mit ihrer typischen Aufteilung über mehrere Ebenen.

Schon in der befestigten Stadt vergangener Jahrhunderte war das eine der Hauptachsen. Historiker vermuten, dass sich in genau diesem Bereich die erste mittelalterliche Siedlungsstruktur Donostias entwickelte.

Wer war Fermín Calbetón?

Fermín Cándido Calbetón Blanchón (1853–1919) war Jurist, liberaler Politiker, Abgeordneter und Senator, später spanischer Minister für öffentliche Arbeiten und schließlich Finanzminister. Geboren wurde er genau in dieser Straße, die damals noch Calle Puyuelo hieß. Wenige Tage nach seinem Tod beschloss der Stadtrat die Umbenennung. Sein Vater Joaquín Calbetón hatte die Modernisierung San Sebastiáns im 19. Jahrhundert mitgeprägt.

Das Konzept: Airaudo ohne Avantgarde

Das Egosari gehört zur Paulo Airaudo Group, die in Donostia mehrere Häuser betreibt – darunter Fine-Dining-Adressen, für die man Wochen im Voraus reserviert. Hier ist das Programm ein anderes: baskische Küche ohne Schnickschnack, gute Produkte, Saisonware, klassische Rezepte in sauberer Ausführung. Warme Pintxos werden auf Bestellung zubereitet, nicht auf dem Tresen warm gehalten.

Ebenerdig die Barra mit dem Tresen, im Untergeschoss der Comedor – ein Modell, das in der Parte Vieja funktioniert, weil es beides zulässt: schnell zwei Pintxos im Stehen oder ein längeres Essen am Tisch. Auf der Karte unten stehen dann Gerichte wie Kokotxas, Seehecht in grüner Sauce oder Entrecôte.

Schriftzug Stop thinking, start drinking im Egosari in Donostia-San Sebastián
„Stop thinking, start drinking“ – die Hausansage im Egosari.

Was auf den Tisch kam

Besucht habe ich das Egosari an einem Julinachmittag um kurz nach drei – also in der ruhigen Stunde zwischen Mittag und Abend, in der man in der Altstadt tatsächlich noch einen Platz bekommt. Drei Pintxos, ein Glas Txakoli.

Pintxo Anchoas en Salazón · 5,50 €

Gesalzene Sardellen auf Brot – der Prüfstein jeder Pintxo-Bar, weil man hier nichts verstecken kann. Entweder das Filet taugt oder es taugt nicht. Hier taugt es: sauber gesalzen, ohne diese aggressive Schärfe schlechter Ware, das Filet fest und ölig im richtigen Maß. Ein Pintxo, der komplett von der Produktqualität lebt.

Pintxo mit eingelegten Anchovis im Egosari in Donostia-San Sebastián
Anchoas en Salazón – hier entscheidet allein die Qualität des Filets.

Brocheta de Txuleta · 9,00 €

Der teuerste Posten auf der Rechnung und der überzeugendste Teller – und zugleich das, wofür das Haus seit den Achtzigern bekannt ist. Gegrillte Txuleta-Stücke am Spieß, außen mit Röstaromen, innen auf den Punkt: rosa, saftig, nicht durchgegart und nicht roh. Genau der Garpunkt, an dem viele Bars mit warmen Pintxos scheitern, weil sie vorproduzieren. Hier kommt es aus der Küche, wenn es fertig ist.

Brocheta de Txuleta mit gegrilltem Rindfleisch im Egosari in Donostia-San Sebastián
Brocheta de Txuleta – auf den Punkt gegrillt.

Gamba en Gabardina · 4,50 €

Die Garnele „im Regenmantel“, also im Backteig frittiert – ein spanischer Klassiker, der fast überall pappig serviert wird. Nicht hier: knusprig ausgebacken, der Teig dünn und trocken, die Garnele darin noch saftig. Wer wissen will, ob eine Fritteuse ordentlich geführt wird, bestellt genau das.

Knusprig frittierte Gamba en Gabardina im Egosari in Donostia-San Sebastián
Gamba en Gabardina – knusprig ausgebacken statt pappig.

Txakoli Txomin Etxaniz · 2,90 €

Im Glas der Klassiker aus Getaria: Txomin Etxaniz, Hondarrabi Zuri, hohe Säure, wenig Alkohol, salzig-mineralisch. Zu Anchoa und frittierter Garnele ist das keine Geschmackssache, sondern schlicht die richtige Antwort – die Säure räumt Salz und Fett weg.

🗣️ Mein Eindruck vor Ort

Das Egosari macht genau das, was ich in der Fermín Calbetón zu selten finde: Es nimmt die einfachen Dinge ernst. Kein Gericht auf meiner Rechnung war originell – Anchoa, Spieß, frittierte Garnele stehen in dieser Straße hundertfach auf der Karte. Der Unterschied liegt im Handwerk: gute Produkte, perfekte Garpunkte, eine Fritteuse, die jemand im Griff hat.

Dass hinter dem Haus die Airaudo-Gruppe steht, merkt man nicht an der Optik, sondern an der Disziplin. Warme Pintxos kommen frisch, nicht vom Tresen. Am frühen Nachmittag war es entspannt, abends dürfte hier deutlich mehr los sein.

Unterm Strich: drei Pintxos und ein Glas Txakoli für 21,90 € für eine Person – für diese Lage und diese Qualität in Ordnung. Ich komme gerne wieder.

Praktische Infos & Kontakt

📍 Egosari
Fermín Calbetón Kalea 15
20003 Donostia-San Sebastián (Gipuzkoa)
+34 943 95 18 16
egosari.com

🕐 Öffnungszeiten

Montag12:00 – 16:00 Uhr & 19:00 – 22:30 Uhr
DienstagGeschlossen
MittwochGeschlossen
Donnerstag12:00 – 16:00 Uhr & 19:00 – 22:30 Uhr
Freitag11:00 – 22:30 Uhr
Samstag11:00 – 22:30 Uhr
Sonntag11:00 – 22:30 Uhr

Angegeben sind die Zeiten der Barra im Erdgeschoss. Für den Comedor im Untergeschoss nennt das Haus mittags 12:30 – 15:00 Uhr und abends 19:30 – 22:00 Uhr. Reservierungen für den Comedor laufen über egosari.com oder telefonisch unter +34 943 95 18 16; an der Barra ist keine Reservierung nötig. Bei Nichterscheinen oder Stornierung außerhalb von 24 Stunden behält sich das Haus 25 € pro Person vor, Gruppen ab acht Personen vereinbaren ein festes Menü.

🗺️ Lage & Anfahrt

Zu Fuß: Mitten in der Parte Vieja. Bis zur Plaza de la Constitución sind es rund 65 Meter, zum San Telmo Museoa etwa 190 Meter, zur Basilika Santa María del Coro rund 195 Meter. Die Fermín Calbetón läuft parallel zur 31 de Agosto – wer die Altstadt einmal durchquert, kommt automatisch vorbei.

Öffentlich: Die Dbus-Haltestelle „Boulevard 17“ am zentralen Umsteigepunkt der Stadt liegt rund 135 Meter entfernt. Zum Renfe-Bahnhof Donostia sind es knapp 900 Meter.

Auto & Parken: Die Altstadt ist Fußgängerzone, die Anfahrt mit dem Auto sinnlos. Am nächsten liegt das Parking Boulevard (Telpark, 24 Stunden) in rund 255 Metern, danach das Parking Okendo (24 Stunden) in etwa 440 Metern und das Parkhaus Paseo Nuevo (7 – 21 Uhr) in rund 745 Metern.

Route in Google Maps öffnen

Weitere passende Empfehlungen in der Parte Vieja

Bar Txepetxa – der Anchoa-Tempel der Altstadt, seit Generationen auf ein einziges Produkt spezialisiert.

Bar Borda Berri – puristischer Pintxo-Klassiker, nur wenige Meter weiter in derselben Straße.

La Cuchara de San Telmo – heiße Pintxos auf Bestellung, ohne einen einzigen Teller auf dem Tresen.

Ganbara – saisonale Pintxos-Ikone, berühmt für den Pilzteller im Herbst.

Bar Sport – Foie, Txangurro und Gildas, direkter Nachbar des Egosari.


Häufige Fragen zu Egosari

Wann hat das Egosari geöffnet?

Montag und Donnerstag von 12:00 bis 16:00 Uhr und von 19:00 bis 22:30 Uhr, Freitag bis Sonntag durchgehend von 11:00 bis 22:30 Uhr. Dienstag und Mittwoch ist Ruhetag. Für den Comedor im Untergeschoss nennt das Haus engere Zeiten: mittags 12:30 bis 15:00 Uhr, abends 19:30 bis 22:00 Uhr.

Wer steht hinter dem Egosari?

Die Paulo Airaudo Group, die in Donostia außerdem das Amelia, das Ibai und La Bottega di Filippo betreibt. Anders als die Fine-Dining-Häuser der Gruppe verfolgt das Egosari ein bewusst traditionelles Konzept: baskische Küche, gute Produkte, klassische Rezepte.

Seit wann gibt es das Egosari?

Seit 1983. Das Lokal entstand damals in einer ehemaligen Sidrería und Kohlenhandlung in der Fermín Calbetón und wurde vor allem für seine Brochetas bekannt. Nachdem der Vorbesitzer in den Ruhestand gegangen war, übernahm Paulo Airaudo das Haus und eröffnete es am 13. Juni 2025 wieder – unter Beibehaltung der ursprünglichen Aufteilung.

Was kosten die Pintxos im Egosari?

Im Juli 2026 kostete der Pintxo Anchoas en Salazón 5,50 €, die Gamba en Gabardina 4,50 € und die Brocheta de Txuleta 9,00 €. Ein Glas Txakoli lag bei 2,90 €. Drei Pintxos plus Wein summierten sich auf 21,90 €.

Muss man im Egosari reservieren?

Für die Barra im Erdgeschoss nicht – dort isst man im Stehen am Tresen. Für den Comedor im Untergeschoss ist eine Reservierung sinnvoll, über egosari.com oder telefonisch unter +34 943 95 18 16. Bei Nichterscheinen oder Stornierung außerhalb von 24 Stunden behält sich das Haus 25 € pro Person vor.

Christian Fenske, Weinhändler & Foodblogger von Gozatu!

Über den Autor

Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

Über zwanzig Jahre Donostia, mehr als drei Monate im Jahr vor Ort. Alle Empfehlungen auf Gozatu! entstehen aus eigenen Besuchen – auf eigene Kosten, ohne bezahlte Inhalte und ohne Gegenleistung. Wie ich auswähle und arbeite

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