Lotu San Sebastián: Aduriz-Restaurant im Palacio Bellas Artes | Gozatu!

Außenansicht des Hotel Palacio Bellas Artes mit dem Restaurant Lotu im historischen Gebäude in Donostia-San Sebastián bei Abenddämmerung.

Manche Restaurants eröffnen. Andere kehren zurück. Das Lotu im Palacio Bellas Artes gehört in die zweite Kategorie: Es sitzt im ehemaligen Palco eines Kinos von 1914, das vier Jahrzehnte lang verschlossen war – und wird von der IXO Grupo rund um Andoni Luis Aduriz betrieben, derselben Kreativgruppe, die hinter dem legendären Mugaritz steht. Seit Anfang Juli 2026 ist es geöffnet. Mehr zur Stadt findest du in meinem San Sebastián Reiseführer.

Lotu auf einen Blick

  • Name: Lotu (bei Google: Lotu Restaurante)
  • Küche/Konzept: Klassiker vergangener Jahrzehnte, modern interpretiert – IXO Grupo / Andoni Luis Aduriz
  • Haus: Hotel Palacio Bellas Artes San Sebastián, Curio Collection by Hilton
  • Stadtteil: Centro – Área Romántica, wenige Minuten von der Kathedrale
  • Probierte Gerichte: Hommage an Zuberoa, überbackene Cannelloni nach Art des „Sardi’s“, Tagliatelle mit Kalbsragù, Schokoladen-Soufflé
  • Preisniveau: €€€
  • Öffnungszeiten: Mo, Do, Fr 19:30–22:00; Sa & So 13:00–15:00 und 19:30–22:00; Di & Mi Ruhetag
  • Adresse: Prim Kalea 40, 20006 Donostia-San Sebastián
  • Telefon: +34 843 74 30 10
  • Besonderheit: Restaurant im ehemaligen Theater-Palco, verteilt über zwei Etagen

Ein Kino von 1914 – und was daraus wurde

Der Palacio Bellas Artes wurde 1914 nach Plänen von Ramón Cortázar errichtet, einem der Architekten, die den baskischen Baustil prägten. Er entstand auf dem Höhepunkt der Belle Époque, als San Sebastián Sommerresidenz des spanischen Hofes war – und beherbergte eines der ersten Kinos Spaniens. Kino, Theater, Treffpunkt: Das Haus war jahrzehntelang eine der Adressen der Stadt.

Dann wurde es still. Rund vierzig Jahre stand das Gebäude für Publikum geschlossen – ein blinder Fleck mitten im Zentrum. Erst der Umbau zum Hotel hat es zurückgeholt. Architekt Ignacio Quemada leitete die Restaurierung, rekonstruierte die markante Kuppel und sanierte die Fassade; die Innenräume verantwortete das Büro Isabel López Vilalta + Asociados.

Und genau hier wird es kurios: Wer heute eincheckt, betritt die Lobby durch die ehemalige Bühne und geht dabei unter dem alten Proszeniumbogen hindurch. Die 81 Zimmer tragen Namen aus dem Theater – Gallery, Amphitheatre, Grand Stalls, Front Box, Corner Box –, und unter der Kuppel liegt die Cupula Suite. In jedem Zimmer hängt ein eigens geschaffenes Kunstwerk des baskischen Künstlers Lander Andonegi: 81 Arbeiten, eine pro Raum, alle zum Thema Licht, Bewegung und Blick. Das Hotel ist damit gleichzeitig eine Galerie. Das Lotu wiederum sitzt dort, wo früher der Palco war – die beste Loge des Hauses –, verteilt über zwei Etagen.

Auch sonst tut sich in der Prim Kalea etwas: Ein paar Hausnummern weiter, in der Nummer 34, kocht noch bis Jahresende 2026 Miga, das Pop-up des Sternekochs Leandro Gil – gleiche Straße, völlig anderes Format.

Elegante Lobby des Hotel Palacio Bellas Artes mit großem Kronleuchter und modernem Design
Die Lobby des Palacio Bellas Artes – wer hier steht, steht auf der ehemaligen Bühne.

Warum das Restaurant „Lotu“ heißt

„Lotu“ heißt auf Baskisch verbinden, zusammenführen, vereinen, anbinden. Je nach Kontext auch: sich verbinden, zusammenkommen, verknüpfen. Für ein Restaurant im Palacio Bellas Artes ist dieser Name bewusst gewählt. Er soll die Idee widerspiegeln,

  • Menschen zusammenzubringen,
  • Geschichte und Gegenwart zu verbinden,
  • Gastronomie, Kultur und Architektur miteinander zu verknüpfen,
  • und Gäste an einem gemeinsamen Tisch zu vereinen.

Das ist keine Marketingfloskel, sondern das Programm der Küche. Das Lotu ist inspiriert von den großen Speisesälen des frühen 20. Jahrhunderts – jenen Lokalen, in denen sich zwischen Premieren, Festivals und Sommersaisons Schauspieler, Schriftsteller, Filmemacher und Reisende trafen. In einem Haus, das selbst ein Kino war, schließt sich der Kreis.

Modern gestalteter Gastraum des Restaurants Lotu im Hotel Palacio Bellas Artes in Donostia
Der Gastraum des Lotu – im ehemaligen Palco des Kinos, über zwei Etagen.

IXO Grupo und Andoni Luis Aduriz

Hinter dem Lotu steht die IXO Grupo rund um Andoni Luis Aduriz – dieselbe Kreativgruppe, die das Mugaritz in Errenteria betreibt, eines der einflussreichsten Restaurants der Welt. Wer jetzt Avantgarde und essbare Steine erwartet, liegt allerdings falsch. Das Lotu ist kein zweites Mugaritz, sondern dessen Gegenstück: bekannte Gerichte, handwerklich auf höchstem Niveau, mit genau so viel Gegenwart, dass sie nicht museal wirken.

Und die Gruppe lässt hier nichts dem Zufall: Kaum eröffnet, saß Aduriz mit seiner Familie selbst im Restaurant – zur persönlichen Qualitätskontrolle. Man kann daraus zwei Dinge lesen. Erstens: Das Projekt ist Chefsache. Zweitens: Wer hier kocht, weiß, dass jemand hinschaut.

Weinkühlschrank und Eingangsbereich des Restaurants Lotu im Hotel Palacio Bellas Artes
Die Weinauswahl im Lotu – als Weinhändler bleibe ich hier gerne einen Moment stehen.

Was auf den Tisch kommt

Die Karte spannt einen Bogen von Klassikern aus anderen Jahrzehnten bis zu modernisierten Klassikern – und genau darin liegt der Reiz. Nichts davon will überraschen. Alles davon will stimmen.

Eine Hommage an Zuberoa

Ein Nizza-Salat mit grünen Bohnen und Kaisergranat, dazu eine Schalotten-Tomaten-Vinaigrette. Eine Verbeugung vor dem Zuberoa in Oiartzun, einem der prägenden Häuser der baskischen Küche. Der Kaisergranat ist der Star, die Vinaigrette hält ihn säuerlich in Balance – ein Gericht, das aus einem anderen Jahrzehnt stammt und trotzdem heute funktioniert.

Nizza-Salat mit grünen Bohnen, Kaisergranat und Schalotten-Tomaten-Vinaigrette im Restaurant Lotu
Eine Hommage an Zuberoa – Nizza-Salat mit Kaisergranat.

Überbackene Cannelloni nach Art des „Sardi’s“

Gefüllt mit geschmortem Rindfleisch, dazu eine leichte Béchamelsauce und ein kräftiger Bratenjus. Der Name zitiert das legendäre Theaterlokal, in dem sich die Bühnenwelt nach der Vorstellung traf – in einem ehemaligen Kino serviert, ist das eine sehr bewusste Pointe. Kulinarisch ist es schlicht große Schmorkunst: Die Béchamel bleibt leicht, der Jus liefert die Tiefe.

Überbackene Cannelloni mit geschmortem Rindfleisch, Béchamelsauce und Bratenjus im Restaurant Lotu
Überbackene Cannelloni nach Art des „Sardi’s“.

Tagliatelle mit traditionellem Kalbsragù

Eine langsam geschmorte Sauce mit aromatischem Sofrito und gereiftem Parmesan – gemacht aus Kalbsbacke und Kalbszunge. Das ist der Teller, an dem man merkt, wer hier kocht: Zunge und Backe sind Stücke, die Zeit und Können verlangen und dafür eine Tiefe geben, die kein Filet liefert.

Tagliatelle mit traditionellem Kalbsragù, langsam geschmortem Sofrito und gereiftem Parmesan im Restaurant Lotu
Tagliatelle mit Kalbsragù aus Backe und Zunge.

Schokoladen-Soufflé mit Vanilleeis

Zum Abschluss ein warmes Schokoladen-Soufflé mit Vanilleeis. Kein Konzept, keine Dekonstruktion – einfach richtig gemacht. Genau das ist die Handschrift des Hauses.

Warmes Schokoladen-Soufflé mit Vanilleeis im Restaurant Lotu in Donostia-San Sebastián
Schokoladen-Soufflé mit Vanilleeis – der richtige Schlusspunkt.

🗣️ Mein Eindruck vor Ort

„Lotu“ heißt verbinden – und genau das passiert hier. Menschen kommen an einem Tisch zusammen, Geschichte und Gegenwart greifen ineinander, Gastronomie, Kultur und Architektur werden verknüpft. Das klingt groß, funktioniert aber im Alltag: Man sitzt in einem Raum, der einmal die beste Loge eines Kinos war, und isst Gerichte, die aus einer anderen Zeit stammen und trotzdem heute schmecken.

Als Weinhändler schaue ich zuerst auf die Karte – und die flankiert die Küche ausgezeichnet, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Speisenkombinationen sind raffiniert, ohne verkopft zu sein. Dass Andoni Luis Aduriz kurz nach der Eröffnung mit seiner Familie selbst hier saß, um zu prüfen, ob alles stimmt, sagt viel: Hier bleibt nichts dem Zufall überlassen.

Am Ende des Abends hat man zwei Möglichkeiten – und beide sind gut: satt und zufrieden ins Hotelbett fallen oder noch auf einen Drink an die Bar schlendern.

Praktische Infos & Kontakt

📍 Lotu – Hotel Palacio Bellas Artes
Prim Kalea 40
20006 Donostia-San Sebastián
Gipuzkoa, Spanien
Tel.: +34 843 74 30 10

🕐 Öffnungszeiten

Montag19:30 – 22:00 Uhr
Dienstag – MittwochGeschlossen
Donnerstag – Freitag19:30 – 22:00 Uhr
Samstag13:00 – 15:00 Uhr & 19:30 – 22:00 Uhr
Sonntag13:00 – 15:00 Uhr & 19:30 – 22:00 Uhr

⚠️ Das sind Einlasszeiten, keine Servicezeiten – wer um 21:30 Uhr einen Tisch bekommt, sitzt entspannt bis in die Nacht. Das Restaurant ist ganz frisch eröffnet (Anfang Juli 2026), Zeiten und Karte können sich noch ändern. Reservierung dringend empfohlen.

🗺️ Lage & Anfahrt

Zu Fuß: Mitten im Centro, in der Área Romántica. Von der Kathedrale Buen Pastor sind es rund drei Minuten, vom Boulevard und der Altstadt gut zehn. Der Hoteleingang liegt an der Urbieta Kalea, das Restaurant an der Prim Kalea.

Öffentlich: Zahlreiche Dbus-Linien halten in der Urbieta bzw. am Boulevard. Vom Bahnhof Donostia (Renfe) sind es rund zehn Minuten zu Fuß.

Auto & Parken: Das Zentrum ist stark reguliert. Am besten in die Tiefgaragen an der Plaza de Easo oder unter dem Boulevard fahren – von dort wenige Minuten zu Fuß.

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Häufige Fragen zum Restaurant Lotu

Wann hat das Lotu geöffnet?

Montag, Donnerstag und Freitag von 19:30 bis 22:00 Uhr, Samstag und Sonntag zusätzlich mittags von 13:00 bis 15:00 Uhr. Dienstag und Mittwoch ist Ruhetag. Da das Restaurant erst Anfang Juli 2026 eröffnet hat, können sich die Zeiten noch ändern.

Wer steht hinter dem Restaurant Lotu?

Die IXO Grupo rund um Andoni Luis Aduriz – dieselbe Kreativgruppe, die das zwei Sterne tragende Mugaritz in Errenteria betreibt. Das Lotu ist jedoch kein Avantgarde-Restaurant, sondern setzt auf Klassiker, handwerklich perfekt ausgeführt und behutsam modernisiert.

Was bedeutet „Lotu“?

„Lotu“ ist Baskisch und bedeutet „verbinden“, „zusammenführen“, „vereinen“ oder „anbinden“. Der Name steht dafür, Menschen an einem Tisch zusammenzubringen und Geschichte, Architektur und Gastronomie miteinander zu verknüpfen.

Was ist die Geschichte des Palacio Bellas Artes?

Das Gebäude entstand 1914 nach Plänen von Ramón Cortázar und beherbergte eines der ersten Kinos Spaniens. Nach rund vier Jahrzehnten Schließung wurde es unter Leitung des Architekten Ignacio Quemada restauriert – inklusive Rekonstruktion der Kuppel – und 2026 als Hotel Palacio Bellas Artes, Curio Collection by Hilton, wiedereröffnet. Das Lotu sitzt im ehemaligen Palco des Kinos.

Muss man im Lotu reservieren?

Ja, unbedingt. Das Restaurant ist neu und stark nachgefragt. Reservierung telefonisch unter +34 843 74 30 10 oder über das Hotel.

Christian Fenske, Weinhändler & Foodblogger von Gozatu!

Über den Autor

Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

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