Arrea! in Santa Cruz de Campezo: Bergküche mit Michelin-Stern

Kartoffel, Landei und Trüffel im Arrea! in Santa Cruz de Campezo

Manche Restaurants muss man sich erfahren. Das Arrea! liegt mitten in der Montaña Alavesa, im 1.000-Seelen-Dorf Santa Cruz de Campezo, rund eine Autostunde südlich von San Sebastián. Hier kocht Edorta Lamo eine radikal lokale Bergküche – ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern und dem Grünen Stern für Nachhaltigkeit. Alles, was auf den Teller kommt, wächst, kriecht oder fliegt im Umkreis von rund 30 Kilometern. Ehrlich, mutig und absolut besonders.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · von Christian Fenske

Arrea! auf einen Blick

  • Küche: Km-0-Bergküche, kreativ und nachhaltig
  • Ideal für: einen besonderen Mittagsausflug in die Montaña Alavesa mit dem großen Degustationsmenü rund um Wild, Feder, Fluss und Garten – oder ein marktorientiertes Mittagessen in der Kuadra
  • Empfohlene Gerichte: großes „Menú Arrea!“ mit Ongietorri und frei wählbaren Gängen (pases) rund um Rebhuhn, Forelle, Taube, Reh und Wildschwein; dazu Lammhirn mit Entenleber und Schlehen, Bachforelle als Tartar und in Tempura, Tauben-Consommé und gedämpfte Wildschweinzunge
  • Ort: Santa Cruz de Campezo / Santikurutze Kanpezu, Montaña Alavesa (Álava)
  • Küchenchef: Edorta Lamo (zuvor A Fuego Negro, Donostia)
  • Auszeichnungen: 1 Michelin-Stern, Grüner Michelin-Stern, 2 Sonnen Guía Repsol
  • Preis: großes Menü ab ca. 140 € pro Person, zusätzliche Gänge je etwa 25 €; Mittagsmenü in der Kuadra deutlich günstiger
  • Öffnungszeiten: Mi–Fr 13:00–15:00 · Sa–So 13:00–15:30 · Mo–Di geschlossen
  • Ruhetag: Montag und Dienstag; geöffnet nur mittags
  • Reservierung: für das große Menü 48 Stunden im Voraus
  • Adresse: Subida al frontón 46, 01110 Santa Cruz de Campezo (Álava)
  • Telefon: +34 689 74 03 70
  • Website: arrea.eus

Was steckt hinter dem Arrea! in Santa Cruz de Campezo?

Die Rückkehr eines Kochs in sein Heimatdorf. Anfang der 2000er eröffnete der als „etwas verrückter“ Kochkünstler bekannte Edorta Lamo gemeinsam mit seiner Schwester Amaia García de Albizu die Bar A Fuego Negro in der Altstadt von San Sebastián. Auffallend modernes, jugendliches Design, flippige Musik und innovative kleine Häppchen – Pintxos – trugen im Baskenland zu einer kleinen Essrevolution bei. Doch Lamo stammt gebürtig aus der Montaña Alavesa, aus dem Dorf Santa Cruz de Campezo (Santikurutze Kanpezu); die Stadt und der ganze Trubel haben ihn nie geblendet oder abheben lassen.

Seine Wurzeln und seine Dankbarkeit gegenüber der Heimat würdigt er heute mit dem Restaurant Arrea! – Arrea steht im Baskischen für das Land. Er gibt dem Dorf zurück, was es ihm gegeben hat, und bezeichnet seine Küche als Bergküche. Mit modernen Techniken und teils skurrilen Präsentationen erweckt er im Arrea! den Geschmack der alten Generationen wieder zum Leben. Die Lebensmittel kommen aus dem Dorf und der unmittelbaren Umgebung; vieles wird im Haus weiterverarbeitet, eingelegt, konserviert und verfeinert. Gegründet hat Lamo das Arrea! 2018 – die Rückkehr zu sich selbst, seiner Familie und seinen Vorfahren; schon seine Großeltern León und Encarna betrieben eine der ersten Bars des Dorfes.

Es scheint eine echte Herzensangelegenheit von Edorta Lamo und seinem Team zu sein, dem langsam sterbenden Dorfleben wieder einen Sinn zu geben. Denn eigentlich ist es ziemlich mutig, hier in der Provinz, in einem 1.000-Seelen-Dorf, ein Restaurant dieser Güte zu eröffnen. Man kann ihm dabei nur alle Daumen drücken – und hoffen, dass das Unterfangen viele Blüten treibt und in anderen Regionen Nachahmer findet.

Woher kommen die Zutaten im Arrea!?

Aus einem Umkreis von rund 30 Kilometern – der Radius ist Programm. Verarbeitet wird nur, was in dieser Zone wächst, schleicht, kriecht, fliegt oder krabbelt. So landen auch schon einmal spontan von Winzerkindern eingesammelte Schnecken aus dem Hof dankbar in der Küche, und die eine oder andere Speise wird wegen Nachschubproblemen kurzerhand durch ein anderes Gericht ersetzt. Das ist ehrlich, konsequent, nachhaltig und bewundernswert – und dabei wird baskisch groß aufgekocht, mit allem Wissen und allen Tricks. Die Berge und ihre essbaren Bewohner sind die eigentlichen Stars.

Wofür wurde das Arrea! ausgezeichnet?

Für seine Küche und für seine Haltung. Wenige Jahre nach der Gründung holte Arrea! gleich doppelt Michelin-Ehren – den klassischen Stern und den Grünen Stern für nachhaltige Gastronomie, beide am selben Abend. Dazu kommen zwei Sonnen im Guía Repsol; damit ist Arrea! neben Marqués de Riscal das einzige Haus Álavas mit dieser Auszeichnung.

Das Haus gliedert sich in drei Welten: die Taberna als Bar und Wartebereich, die Kuadra mit einem markt- und bergorientierten Mittagsmenü rund um den traditionellen Putxero, und den mit Eichenholz ausgekleideten Speiseraum, in dem das große gastronomische Menü serviert wird. Dieses beginnt mit einem „ongietorri“, einem Willkommensteil aus Pasteten, Käse, Pökelwaren und Konserven aus der Nähe. Darauf folgen die frei wählbaren Gänge („pases“, mindestens drei) rund um Rebhuhn, Forelle, Gartengemüse, Taube, Reh und Wildschwein. Das große Menü sollte man 48 Stunden im Voraus reservieren.

Was kommt im Menú Arrea! auf den Tisch?

Wild, Feder, Fluss und Garten – in dieser Reihenfolge. Das große Menü ist, was Natürlichkeit, Innovation und Schmackhaftigkeit angeht, kaum zu übertreffen, und jeder Happen wird am Tisch liebevoll und detailliert erklärt. Ein Streifzug durch das, was bei uns auf den Tisch kam, beginnt mit dem, wofür Arrea! steht: dem Wild aus den umliegenden Bergen.

Tauben-, Hirsch-, Wildschwein- und Rehwürste aus der Region im Arrea!
Tauben-, Hirsch-, Wildschwein- und Rehwürste aus der Region.

Zum Auftakt (ongietorri) und aus dem Garten eine Reihe präziser Kleinigkeiten – von der Gilda über ein mariniertes Salatblatt bis zum gefrorenen Käsebrot und einer kalten Bohnensuppe.

Aus dem Fluss kam die Bachforelle in mehreren Zubereitungen – darunter als Tartar und in Tempura.

Bachforellen-Tartar und in Tempura im Arrea!
Bachforelle als Tartar und in Tempura.

Und dann die Stars: Feder und Wild aus den Bergen. Vielleicht die skurrilste und zugleich beeindruckendste Präsentation war das Lammhirn mit Entenleber und Schlehen.

Lammhirn mit Entenleber und Schlehen im Arrea!
Lammhirn mit Entenleber und Schlehen.

Dazu Taube in mehreren Gängen (Consommé und Filet), Wachtel sowie Wildschwein von Filet bis zur gedämpften Zunge – eine Hommage an die Jagd und die Berge rundum.

Zum Ausklang wird es süß und kräuterig – von den Früchten des Erdbeerbaums (Madroño) über Milch in verschiedenen Texturen bis zu Schlehentee, Petit Fours und Butterkeksen mit Schlehenmarmelade. Die Teezubereitung am Tisch ist dabei fast schon eine kleine Zeremonie.

🗣️ Mein Eindruck vor Ort

Was auf den ersten Blick fast wahnsinnig, fremd, ja beinahe abstoßend wirken mag, ist in Wahrheit ehrlich, nachhaltig, zukunftsweisend und absolut besonders. Dass hier auf Sterne-Niveau gekocht wird und trotzdem alles so bodenständig und mit dem Dorf verbunden bleibt, hat mich tief beeindruckt. Jeder Gang erzählt vom Land ringsum.

Dazu sphärische Klänge, ab und zu unterbrochen von lockerem Reggae und Dub, und die eine oder andere Flasche Rioja – und man gleitet endgültig auf einen anderen Planeten. Sozial, nachhaltig, authentisch, liebens- und lebenswert. Für mich einfach groß. Magnífico!

📍 Arrea!, Subida al frontón 46, 01110 Santa Cruz de Campezo (Álava) | +34 689 74 03 70 | arrea.eus

🕐 Öffnungszeiten

Montag – DienstagGeschlossen
Mittwoch – Freitag13:00 – 15:00 Uhr
Samstag – Sonntag13:00 – 15:30 Uhr

Geöffnet ist ausschließlich mittags, abends bleibt die Küche kalt. Für das große Menü ist eine Reservierung 48 Stunden im Voraus nötig – am besten telefonisch unter +34 689 74 03 70 oder über die Website. Stand: Oktober 2026.

🗺️ Lage & Anfahrt

Zu Fuß: Im Dorf selbst ist alles fußläufig – das Arrea! liegt an der Auffahrt zum Frontón, wenige Minuten vom Ortskern entfernt.

Öffentlich: Nur eingeschränkt möglich. Nach Santa Cruz de Campezo fahren werktags einzelne Busse aus Vitoria-Gasteiz; aus Donostia ist mehrfaches Umsteigen nötig. Ein Auto ist die deutlich bequemere Lösung.

Auto & Parken: Von Donostia-San Sebastián rund eine Autostunde, von Vitoria-Gasteiz knapp eine Stunde – die letzte Etappe führt über die Landstraße A-132 durch die Montaña Alavesa. Im Ort gibt es kostenlose Parkplätze an der Straße.

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Martín Berasategui – das 3-Sterne-Haus in Lasarte-Oria vor den Toren von Donostia, eine der großen Adressen Spaniens.

Mugaritz – die 2-Sterne-Avantgarde von Andoni Luis Aduriz in Errenteria, kompromisslos experimentell.

Txispa – Tetsuro Maedas Feuerküche in Atxondo, ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern.

SVGAR – Txuleta und Naturwein in Laguardia, gut eine halbe Stunde südlich in der Rioja Alavesa.

Bakea – Feuerküche und Degustationsmenü in Mungia, nördlich von Bilbao.


Häufige Fragen zum Arrea!

Wo liegt das Arrea!?

In Santa Cruz de Campezo (Santikurutze Kanpezu) in der Montaña Alavesa, im Südosten der Provinz Álava – an der Grenze zu Navarra und der Rioja, rund eine Autostunde von Donostia-San Sebastián entfernt.

Wer kocht im Arrea!?

Küchenchef und Inhaber Edorta Lamo, der zuvor 15 Jahre die Pintxos-Bar A Fuego Negro in San Sebastián prägte. 2018 kehrte er in sein Heimatdorf zurück und eröffnete Arrea!, das inzwischen einen Michelin-Stern und den Grünen Stern für Nachhaltigkeit trägt.

Was bedeutet der Name Arrea!?

Arrea steht im Baskischen für das Land. Der Name ist Programm: Er verweist auf die Montaña Alavesa rings um das Dorf, aus der praktisch alle Zutaten stammen, und auf Edorta Lamos Rückkehr zu seinen Wurzeln.

Was kostet das Menü im Arrea!?

Das große „Menú Arrea!“ mit Ongietorri, mindestens drei frei wählbaren Gängen und Dessert liegt bei rund 140 € pro Person; zusätzliche Gänge sind je etwa 25 € möglich. In der Kuadra gibt es zudem ein deutlich günstigeres, marktorientiertes Mittagsmenü.

Was ist die Kuadra im Arrea!?

Der zweite Gastraum des Hauses, in dem ein markt- und bergorientiertes Mittagsmenü rund um den traditionellen Putxero serviert wird. Wer das große Degustationsmenü nicht möchte oder kurzfristig kommt, isst hier deutlich günstiger und trotzdem aus derselben Küche.

Muss man im Arrea! reservieren?

Unbedingt. Für das große Menü ist eine Reservierung 48 Stunden im Voraus nötig, damit das Team die Zutaten aus dem Umkreis von 30 Kilometern zusammenstellen kann.

Wann hat das Arrea! geöffnet?

Mittwoch bis Freitag von 13:00 bis 15:00 Uhr, Samstag und Sonntag von 13:00 bis 15:30 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage.

Wie kommt man zum Arrea!?

Am besten mit dem Auto: von Donostia-San Sebastián rund eine Stunde, von Vitoria-Gasteiz knapp eine Stunde, die letzte Etappe über die Landstraße A-132 durch die Montaña Alavesa. Im Ort gibt es kostenlose Parkplätze an der Straße. Öffentlich ist die Anreise nur eingeschränkt möglich – aus Vitoria-Gasteiz fahren werktags einzelne Busse.

Christian Fenske, Weinhändler und Foodblogger von Gozatu

Über den Autor

Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

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