Gagootz hat im Juni 2026 im Stadtteil Gros eröffnet – und die Pizza-Frage in Donostia-San Sebastián damit neu gestellt. Ein 48-Stunden-Sauerteig aus sieben Mehlen, ganz ohne Handelshefe. 90 Sekunden im Ofen. Sechs Pizzen, sechs Pintxos, drei Extras, ein Dessert – mehr steht nicht auf der Karte. Dazu Hip-Hop-Beats und eine Naturweinkarte, in der Flaschen stehen, die es auf dem freien Markt praktisch nicht gibt. Wer hier ankommt, merkt schnell: Das ist keine Pizzeria, die auf Vollständigkeit setzt. Sondern auf Präzision.
Gagootz auf einen Blick
- Name: Gagootz
- Küche: Sauerteig-Pizza mit 48 Stunden Naturfermentation, saisonale Beläge, Pintxos, Naturwein, Craft Beer, Softeis
- Ideal für: einen Abend mit Freunden, an dem man die Pizzen als Tisch teilt und sich durch die Naturweinkarte probiert
- Empfohlene Gerichte: Pizza Marinara, Pizza Margarita, Tomates (lokale Tomaten mit Sherryessig), Helado Cremoso mit Pistazie, Hazy IPA von Basqueland
- Besonderheit: Karte mit nur 6 Pizzen, 6 Pintxos, 3 Extras und einem Dessert – Pizzen werden einzeln nacheinander serviert, zum Teilen
- Eröffnet: Juni 2026
- Stadtteil: Gros – Peña y Goñi Kalea, wenige Schritte von der Zurriola, im selben Haus wie das Basqueland Izakaia
- Betreiber: Dan Pearson, Bäcker aus Maine und Gründer der Pariser Pizzeria Oobatz – gemeinsam mit Basqueland Brewing
- Preisniveau: €€ – Pizzen 13–22 €, Pintxos 5–13,50 €, Dessert 5 €; zu zweit mit zwei Pizzen, Vorspeise, Dessert und Getränk rund 50 €
- Öffnungszeiten: Mo–Do 17:00–00:30 · Fr 17:00–01:30 · Sa 12:30–01:30 · So 12:30–00:30
- Reservierung: online über gagootzpizza.com oder telefonisch unter +34 646 78 85 76 – dringend empfohlen
- Mein Bestell-Tipp: Die Marinara und die Margarita zeigen den Teig am ehrlichsten, dazu die Tomates als Auftakt und das Helado Cremoso zum Abschluss.
- Adresse: Peña y Goñi Kalea 4, 20002 Donostia-San Sebastián
- Website: gagootzpizza.com
- Zuletzt besucht: 2026
Was bedeutet Gagootz?
Der Name stammt aus dem italoamerikanischen Slang der Einwandererviertel – abgeleitet vom süditalienischen cucuzza, dem Flaschenkürbis. In New York und New Jersey wurde daraus ein Wort mit mehreren Gesichtern: Es kann Kürbis heißen, es kann ein liebevoller Kosename sein, und es kann jemanden meinen, der einen Dickschädel hat. Genau diese Doppelbödigkeit passt zum Haus.
Das ist übrigens kein Zufall, sondern Methode. Das Pariser Schwesterprojekt heißt Oobatz – ebenfalls italoamerikanischer Slang, von pazzo, also „verrückt“. Zwei Namen aus derselben Sprachwelt, zwei Häuser mit derselben Handschrift.
Dan Pearson: vom Sauerteigbrot zur Pizza
Hinter Gagootz steht Dan Pearson, ein amerikanischer Bäcker aus Maine. Sein Weg führte über Madrid nach Paris, wo er in der inzwischen geschlossenen Circus Bakery und anschließend bei Ten Belles Bread arbeitete – Adressen, die für Sauerteig stehen, nicht für Pizza. Genau das ist der Punkt: Pearson kommt vom Brot, nicht vom Pizzaofen.
Aus einem Pop-up im Pariser Restaurant Le Rigmarole wurde 2024 Oobatz, seine erste feste Pizzeria im 11. Arrondissement. Das Haus landete in der 50-Top-Pizza-Europe-Liste und wurde bei den Time Out Food & Drink Awards 2025 als beste Pizza der Stadt ausgezeichnet. Gagootz in Donostia ist der nächste Schritt – gemeinsam mit Basqueland Brewing, deren Bier schon in Paris bei Oobatz vom Zapfhahn lief.
Der Teig: 48 Stunden, sieben Mehle, keine Hefe
Das Haus formuliert es selbst so klar, dass man es kaum besser sagen kann: „Pizza ist für uns etwas Persönliches. Die Leute lieben es, Pizzastile zu definieren – aber unsere passt in keine einzelne Kategorie.“ Die Basis ist ein Sauerteig mit 48 Stunden Naturfermentation, komplett ohne Handelshefe, aus einer Mischung von sieben Mehlen aus Italien und Spanien, darunter alte Getreidesorten. Gebacken wird bei hoher Temperatur, 90 Sekunden – nicht länger. Sämtliche Teige und Brote entstehen im Lokal selbst.

Was das im Ergebnis bedeutet, merkt man sofort: ein dünner Boden, der trotzdem knusprig bleibt, mit gut ausgeprägten Blasen am Rand und dieser leicht säuerlichen Tiefe, die nur lange Fermentation liefert. Er liegt nicht schwer im Magen. Er hängt nicht durch. Er hat Biss, ohne trocken zu sein. Das ist handwerklich eine völlig andere Liga als der übliche Kompromiss zwischen neapolitanisch-weich und römisch-knackig.
Der zweite Baustein ist die Belegphilosophie: Jede Pizza wird um eine einzige Hauptzutat herum gebaut. Alles andere ist dazu da, dieses eine Produkt hervorzuheben – nicht, um mitzureden. Saisonal, reduziert, konsequent.
Die Karte: sechs Pizzen, mehr braucht es nicht
Sechs Pintxos, sechs Pizzen, drei Extras, ein Dessert – dazu das, was je nach Tag und Markt noch obendrauf kommt. Diese Karte ist eine Ansage. Wer nur sechs Pizzen anbietet, kann sich bei keiner einzigen verstecken.
Die sechs Pizzen
- Marinara (13 €) – Tomatensauce, Oregano, Knoblauch, Olivenöl. Ohne Käse.
- Margarita (15 €) – Büffelmozzarella, Tomatensauce, Basilikum
- Bianca (20 €) – Spinat, Büffelmozzarella
- Salsiccia (20 €) – Chorizo Vela, Caciocavallo, Tomatensauce (Jalapeño +1 €)
- Funghi (20 €) – Shiitake, Büffelmozzarella
- Ragu (22 €) – Ragù von Kalb und Pancetta, Caciocavallo
Wichtig für die Planung: Die Pizzen kommen einzeln nacheinander an den Tisch, ausdrücklich zum Teilen. Man bestellt also nicht jeder für sich, sondern arbeitet sich als Tisch durch die Karte. Genau so funktioniert das Haus am besten.

Die Margarita ist der Lackmustest. Tomatensauce, Büffelmozzarella, Basilikum – es gibt nichts, wohinter man sich verstecken könnte. Genau deshalb sollte man sie hier bestellen. Die Tomate ist konzentriert und hat Süße wie Säure, der Büffelmozzarella schmilzt, ohne zu wässern, und der Boden trägt alles, ohne selbst zu verschwinden.

Noch radikaler ist die Marinara: Tomatensauce, Knoblauch, Oregano, Olivenöl. Kein Käse, kein Puffer – und mit 13 € die günstigste Pizza der Karte. Eine Pizza, die man nur anbietet, wenn man dem eigenen Teig und der eigenen Tomate vollständig vertraut. Sie ist für mich der eigentliche Beweis, dass hier jemand weiß, was er tut.
Pintxos, Extras und Dessert
Die sechs Pintxos sind kein Beiwerk, sondern eigenständig gedacht: Focaccia de Anchoa (9 €) mit Kantabrik-Anchovis auf Sauerteig-Focaccia, saisonale Supplì (5 €) als römische Kroketten, eine Charcuterie-Auswahl aus drei Wurstsorten (10 €), Ensalada Verde mit lokalem Salat und Gagootz-Vinaigrette (8 €), Tomates (11 €) und Burrata mit Focaccia und nativem Olivenöl (13,50 €).

Die Tomates sind der beste Auftakt: lokale Tomaten, natives Olivenöl extra, Sherryessig. Drei Zutaten. Wer sich traut, einen Tomatensalat mit nichts weiter als Öl und Essig auf die Karte zu setzen, muss sehr gute Tomaten haben – und hat sie hier auch.
Bei den drei Extras lohnt vor allem das Chili Crisp (1,50 €), ein knuspriges Chiliöl, das man über die Pizza gibt. Dazu gibt es Focaccia und Aceitunas (je 3 €).
Die Naturweinkarte: der eigentliche Überraschungsmoment
Hier muss ich als Weinhändler kurz sachlich bleiben, sonst klingt es übertrieben: Die Naturweinkarte im Gagootz ist außergewöhnlich. Nicht, weil sie lang wäre – sondern weil dort Flaschen stehen, die im normalen Handel schlicht nicht auftauchen. Winzer mit Kleinstmengen, Abfüllungen, die längst vergriffen sind, Namen, bei denen man zweimal hinschaut.

Und das Entscheidende: die Preise sind fair. Es wird nicht abkassiert, nur weil etwas selten ist. Wer Naturwein mag, kann hier Dinge trinken, für die man anderswo Beziehungen bräuchte. Wer ihn nicht mag, greift zum Craft Beer von Basqueland – die Hazy IPA aus der Dose kostet 5,50 € und ist zur Marinara ein ausgezeichneter Griff.
Raum, Beats und Lebensgefühl
Über den Tischen laufen lässige Hip-Hop-Beats. Nicht als Deko, sondern als Haltung. Das Ganze ist unprätentiös, laut genug, voll, aber nie hektisch. Man sitzt, teilt, trinkt, bleibt länger als geplant.

Gros ist genau der richtige Stadtteil dafür. Kein Altstadt-Tourismus, keine Pintxos-Warteschlange – sondern der Teil von Donostia, in dem die Stadt sich selbst gehört. Gagootz sitzt im selben Haus wie das Basqueland Izakaia, direkt nebeneinander – wer will, macht daraus einen ganzen Abend.
Das Dessert: Helado Cremoso
Ein Dessert. Mehr steht nicht auf der Karte: Helado Cremoso für 5 €, mit zwei wechselnden Tagessorten. Bei uns war es Pistazie – dicht, kalt, nicht zu süß und tatsächlich nach Pistazie schmeckend und nicht nach Aroma. Nach zwei Pizzen und einem Glas Naturwein ist es genau der richtige Schlusspunkt.

Was kostet ein Abend bei Gagootz?
Konkret von unserem Tisch: eine Marinara (13 €), eine Margarita (15 €), Tomates (11 €), ein Helado Cremoso (5 €) und eine Hazy IPA (5,50 €). Satt und zufrieden. Für diese Qualität ist das in Donostia ein sehr guter Kurs. Wer sich durch die Naturweinkarte trinkt, landet natürlich höher – aber dann auch bewusst.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Ich bin ehrlich: In einer Stadt, in der es um Txuleta, Anchovis und Pintxos geht, hätte ich nicht damit gerechnet, dass mich ausgerechnet eine Pizzeria so mitreißt. Aber Gagootz macht alles richtig. Der Teig ist das Beste, was ich in Donostia unter einem Belag gegessen habe – dünn, knusprig, mit dieser feinen Sauerteigsäure, die man nicht faken kann. Die Marinara ohne Käse hat mich endgültig überzeugt: Wer die anbietet, hat nichts zu verbergen.
Was mich als Weinhändler zusätzlich umgehauen hat, ist die Naturweinkarte. Da stehen Flaschen, die man auf dem freien Markt kaum bekommt – zu Preisen, die fair sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit, das ist eine Entscheidung. Dazu Hip-Hop, ein voller Raum, Bier von Basqueland und am Ende ein Eis. Wenn ich Freunden in Donostia einen Abend schenken will, gehe ich hierher. Für mich ist Gagootz die beste Pizza der Stadt.
Praktische Infos & Kontakt
📍 Gagootz
Peña y Goñi Kalea 4
20002 Donostia-San Sebastián (Gipuzkoa)
+34 646 78 85 76
Reservierung online über gagootzpizza.com
🕐 Öffnungszeiten
| Montag – Donnerstag | 17:00 – 00:30 Uhr |
| Freitag | 17:00 – 01:30 Uhr |
| Samstag | 12:30 – 01:30 Uhr |
| Sonntag | 12:30 – 00:30 Uhr |
Küche Mo–Do 18:00–22:30, Fr 18:00–23:00, Sa 13:00–23:00, So 13:00–22:30 Uhr. Eine Reservierung wird dringend empfohlen – online über gagootzpizza.com oder telefonisch unter +34 646 78 85 76. Stand: Oktober 2026.
🗺️ Lage & Anfahrt
Zu Fuß: Gagootz liegt mitten in Gros, rund 150 Meter vom Zurriola-Strand und etwa 10 Minuten von der Parte Vieja über die Kursaal-Brücke.
Öffentlich: Der Bahnhof Donostia-San Sebastián am Frantzia Pasealekua 22 liegt rund 700 Meter südlich, gut acht Minuten zu Fuß.
Auto & Parken: Das Kursaal aparkalekua an der Zurriola Hiribidea ist rund 150 Meter entfernt und rund um die Uhr geöffnet. Die Straßen in Gros selbst sind überwiegend Anwohnerzone.
Weitere passende Empfehlungen in Gros
Humo Pizza – die andere große Pizza-Adresse im Viertel, mit Holzofen und ganz eigener Handschrift.
Basqueland Izakaia – Craft Beer und asiatische Pintxos, direkt nebenan im selben Haus.
La Gresca – Naturwein-Bistro mit ambitionierter Küche, wenige Minuten entfernt.
Bar Manojo – Herzküche und Naturweine, unprätentiös und immer voll.
Lua Bistro – südamerikanische Küche und Naturwein, ein Stück weiter Richtung Zurriola.
Ganz in der Nähe
Gronx · Restaurant · wenige Schritte
La Taberna del Pícaro · Pintxos-Bar · wenige Schritte
Simona Specialty Coffee Club · Café · 80 m
Entfernung Luftlinie. Alle Lokale habe ich selbst besucht.
Häufige Fragen zu Gagootz
Wann hat Gagootz geöffnet?
Montag bis Donnerstag von 17:00 bis 00:30 Uhr, Freitag von 17:00 bis 01:30 Uhr, Samstag von 12:30 bis 01:30 Uhr, Sonntag von 12:30 bis 00:30 Uhr. Die Küche schließt früher (Mo–Do 22:30, Fr/Sa 23:00, So 22:30 Uhr). Eine Reservierung ist dringend zu empfehlen.
Was bedeutet der Name Gagootz?
Gagootz stammt aus dem italoamerikanischen Slang und geht auf das süditalienische cucuzza zurück, den Flaschenkürbis. Je nach Zusammenhang bedeutet es Kürbis, Liebling oder Dickkopf. Das Pariser Schwesterprojekt Oobatz trägt einen Namen aus derselben Sprachwelt – von pazzo, „verrückt“.
Was macht den Teig bei Gagootz besonders?
Der Sauerteig fermentiert 48 Stunden natürlich, ganz ohne Handelshefe, und besteht aus einer Mischung von sieben Mehlen aus Italien und Spanien, darunter alte Getreidesorten. Gebacken wird bei hoher Temperatur in nur 90 Sekunden. Das ergibt einen dünnen, knusprigen und gut verdaulichen Boden. Alle Teige und Brote entstehen im Lokal selbst.
Was kostet eine Pizza bei Gagootz?
Die Pizzen kosten zwischen 13 € (Marinara) und 22 € (Ragu). Pintxos liegen zwischen 5 und 13,50 €, das Dessert bei 5 €. Für ein Abendessen zu zweit mit zwei Pizzen, einer Vorspeise, Dessert und Getränk landet man bei rund 50 €.
Was sollte man bei Gagootz bestellen?
Die Marinara und die Margarita zeigen den Teig am ehrlichsten. Dazu die Tomates als Auftakt und das Helado Cremoso zum Abschluss. Die Pizzen werden einzeln nacheinander serviert und sind zum Teilen gedacht – am besten arbeitet man sich als Tisch gemeinsam durch die Karte.

Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


Warst du auch hier? Teile deinen Tipp: Was hast du gegessen, was hat dir gefallen?