Laguardia thront auf einem Hügel über einem Meer aus Reben – eine mittelalterliche Festungsstadt mit Stadtmauer, engen Gassen und einem Untergrund, der von Weinkellern durchlöchert ist. Das Städtchen mit rund 1.500 Einwohnern ist der Hauptort der Rioja Alavesa, des baskischen Teils der Rioja, und gilt als schönster Ort der Provinz Álava. Für Weinliebhaber ist Laguardia der ideale Standort, um die Bodegas zwischen der Sierra de Cantabria und dem Ebro zu entdecken. Dieser Beitrag zeigt, was du in Laguardia sehen solltest, welche Weingüter sich lohnen und wie du den Ausflug von Donostia aus planst.
Laguardia – auf einen Blick
- Region: Rioja Alavesa, Provinz Álava (Baskenland)
- Einwohner: rund 1.500
- Bekannt für: mittelalterliche Altstadt, polychromes Portal von Santa María de los Reyes, Weinkeller unter der Stadt
- Wein: DOCa Rioja, vor allem Tempranillo
- Entfernung: 18 km nach Logroño, 64 km nach Vitoria-Gasteiz, knapp zwei Autostunden von Donostia
- Anreise: am besten mit dem Auto – die Bodegas liegen verstreut in den Weinbergen
- Dauer: als Tagesausflug machbar, besser mit Übernachtung
Geschichte: die Wache von Navarra
Der Name verrät die Herkunft. Im 10. Jahrhundert ließ der navarresische König Sancho Abarca auf dem Hügel eine Burg errichten, um die Südgrenze seines Reiches gegen Kastilien zu sichern – „La Guarda de Navarra“. 1164 verlieh Sancho VI. der Weise dem Ort die Stadtrechte, im 13. Jahrhundert umgab Sancho VII. der Starke ihn mit einer mächtigen Mauer. Erst 1486 kam Laguardia auf Anordnung der Katholischen Könige zu Álava. Mit dem Ende der Grenzkonflikte verlor die Festung ihre militärische Bedeutung – und der Weinhandel wurde zur Lebensgrundlage.
Was du in Laguardia sehen solltest
Stadtmauer und Altstadt
Laguardia hat seinen mittelalterlichen Grundriss fast unverändert bewahrt: drei lange, schmale Hauptstraßen, verbunden durch kleine Plätze und Gassen, umschlossen von der restaurierten Stadtmauer. Fünf Tore führen hinein – Santa Engracia, San Juan, Páganos, Carnicerías und Mercadal. Die Altstadt ist weitgehend autofrei; du parkst unten am Hang und gehst zu Fuß hinauf. Vom Mauerrand aus reicht der Blick über die Weinberge bis zur Sierra de Cantabria im Norden und zum Ebrotal im Süden.

Santa María de los Reyes
Das wichtigste Bauwerk der Stadt ist die Kirche Santa María de los Reyes, und ihr Schatz ist das Portal. Es wurde Ende des 14. Jahrhunderts in Stein gehauen und im 17. Jahrhundert farbig gefasst – eines der wenigen polychromen gotischen Portale, die in Spanien erhalten sind. Apostel, Propheten, Könige und Engel stehen in leuchtenden Farben unter filigranen Wimpergen. Weil das Portal heute im Inneren eines späteren Vorbaus liegt, siehst du es am besten bei einer Führung, die das Tourismusbüro organisiert.
Die Calados: Weinkeller unter der Stadt
Unter Laguardias Gassen liegt eine zweite Stadt. Seit Jahrhunderten wurden hier Calados in den Fels gegraben, unterirdische Keller, in denen der Wein gekeltert und gelagert wurde und die fast das ganze Städtchen durchziehen. Einige Bodegas im Ort öffnen ihre Calados für Besichtigungen und Verkostungen – ein guter Einstieg, bevor es hinaus in die Weinberge geht.
Die Rioja Alavesa: Wein vor der Haustür
Rund um Laguardia liegt die Rioja Alavesa, der baskische Teil der DOCa Rioja. Die Sierra de Cantabria schützt die Weinberge vor den kühlen Nordwinden, die Böden sind kalkhaltig und karg, die Hauptrebsorte ist Tempranillo. Neben großen, architektonisch spektakulären Häusern – der Bodega Ysios von Santiago Calatrava direkt unterhalb von Laguardia oder dem von Frank Gehry entworfenen Hotel Marqués de Riscal im Nachbarort Elciego – arbeiten hier viele kleine Familienweingüter, die ihre Lagen wieder einzeln ausbauen.
Bodega Ysios: Calatravas Weinkathedrale
Das bekannteste Weingut vor den Toren der Stadt ist die Bodega Ysios, entworfen von Santiago Calatrava und 2001 eröffnet – die erste große Architekten-Bodega der Rioja Alavesa. Zwei rund 196 Meter lange, geschwungene Betonwände tragen ein wellenförmiges Dach, das sich vor der Sierra de Cantabria abzeichnet. Die Südfassade ist mit Zedernholzlatten verkleidet, die sich im Wasserbecken davor spiegeln und an eine Reihe Barriques erinnern. Von außen kannst du Ysios jederzeit anschauen, der Bau ist sogar von der Altstadt aus zu sehen. Ins Innere kommst du nur mit einer vorher reservierten Führung; sie endet mit einer Verkostung im Raum unter dem Dach, mit Blick hinüber auf Laguardia.

Drei Winzer der Region habe ich auf Gozatu! porträtiert: Sierra de Toloño, eine Mikrobodega am Fuß des gleichnamigen Berges, die Terroir-Weine von Roberto Oliván (Tentenublo) und Fernández de Piérola aus Moreda de Álava. Wer tiefer in die Weinwelt des Baskenlandes einsteigen will, findet in Guter Wein in San Sebastián die passenden Adressen in der Stadt.

Essen in Laguardia
Die Küche der Rioja Alavesa ist deftig und ehrlich: Patatas a la riojana mit Chorizo, Lammkoteletts vom Rebholzfeuer, Gemüse aus dem Ebrotal. Meine Adresse im Ort ist das SVGAR – Txuleta vom Grill, Gemüse aus der Region und eine Karte voller Naturweine. Wer einen Abstecher in die Berge der Montaña Alavesa machen will, findet mit Arrea! in Santa Cruz de Campezo ein Sternerestaurant auf der anderen Seite der Sierra.


Praktische Infos & Anreise
Von Donostia fährst du über die A-1 nach Vitoria-Gasteiz und weiter über die A-124 in die Rioja Alavesa – knapp zwei Stunden. Ein Zwischenstopp in der baskischen Hauptstadt lohnt sich. Von Logroño sind es nur 18 Kilometer. Öffentlich ist Laguardia per Bus ab Vitoria-Gasteiz und Logroño erreichbar, für Bodega-Besuche brauchst du aber ein Auto. Wer Wein verkosten will, plant am besten eine Übernachtung im Ort ein oder bucht eine geführte Tour. Weitere Ziele für freie Tage findest du in den Tagesausflügen von San Sebastián.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Kleine Gassen, viele schnuckelige Restaurants, spannende Weinbars, bekannte Weingüter und die Atmosphäre eines traditionellen Winzerorts – das macht Laguardia für mich zu einem tollen und abwechslungsreichen Ausflugsziel.
🗺️ Lage & Anfahrt
Häufig gestellte Fragen zu Laguardia
Gehört Laguardia zum Baskenland oder zur Rioja?
Zu beidem: Laguardia liegt in der Provinz Álava und damit politisch im Baskenland. Weinbaulich gehört es zur DOCa Rioja, deren baskischer Teil Rioja Alavesa heißt. Laguardia ist der Hauptort dieser Weinregion, die bis an den Ebro und die Grenze zur Region La Rioja reicht.
Was ist in Laguardia die wichtigste Sehenswürdigkeit?
Das polychrome gotische Portal der Kirche Santa María de los Reyes. Es wurde Ende des 14. Jahrhunderts gehauen und im 17. Jahrhundert farbig bemalt und gehört zu den wenigen erhaltenen Portalen dieser Art in Spanien. Zu sehen ist es bei Führungen, die das Tourismusbüro von Laguardia organisiert.
Was sind die Calados von Laguardia?
Calados sind unterirdische Weinkeller, die über Jahrhunderte in den Fels unter der Altstadt gegraben wurden. Dort wurde Wein gekeltert und gelagert, die Gänge durchziehen fast den ganzen Ort. Einige Bodegas in Laguardia bieten Besichtigungen ihrer Calados mit anschließender Verkostung an.
Wie komme ich von San Sebastián nach Laguardia?
Am einfachsten mit dem Auto über die A-1 nach Vitoria-Gasteiz und weiter in die Rioja Alavesa, die Fahrt dauert knapp zwei Stunden. Öffentlich geht es per Bus über Vitoria-Gasteiz oder Logroño. Für Besuche bei Weingütern in den Weinbergen ist ein Auto oder eine geführte Tour nötig.
Lohnt sich Laguardia als Tagesausflug von San Sebastián?
Ja, aber der Tag wird lang: rund vier Stunden Fahrt hin und zurück. Wer die Altstadt, eine Bodega und ein Mittagessen einplant, schafft das an einem Tag. Entspannter ist eine Übernachtung in Laguardia – dann bleibt Zeit für mehrere Weingüter und einen Abend in der ruhigen Altstadt.
Welche Weingüter kann man bei Laguardia besuchen?
Neben den Calados im Ort liegen rund um Laguardia zahlreiche Bodegas, von der Architektur-Ikone Ysios von Santiago Calatrava bis zu kleinen Familienbetrieben. Auf Gozatu! vorgestellt sind Sierra de Toloño, Tentenublo von Roberto Oliván und Fernández de Piérola. Besuche am besten vorher anfragen.
Wo isst man gut in Laguardia?
Meine Empfehlung im Ort ist das SVGAR mit Txuleta vom Grill, Gemüse aus der Region und einer großen Auswahl an Naturweinen. Typisch für die Rioja Alavesa sind außerdem Patatas a la riojana und Lammkoteletts vom Rebholzfeuer. Für ein Sterne-Menü lohnt der Abstecher zum Arrea! in Santa Cruz de Campezo.
Weitere passende Empfehlungen in Álava
→ Vitoria-Gasteiz: die gechillte Hauptstadt des Baskenlandes
→ SVGAR Laguardia: Kultlokal für Txuleta & Naturwein in der Rioja
→ Tentenublo: Terroir-Weine von Roberto Oliván aus der Rioja Alavesa
→ Sierra de Toloño: Mikrobodega in der Rioja Alavesa
→ Fernández de Piérola: Rioja Alavesa aus Moreda de Álava
→ Arrea! in Santa Cruz de Campezo: Bergküche mit Michelin-Stern
Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


Schreibe einen Kommentar