Nerua Guggenheim Bilbao: 1-Sterne-Küche von Josean Alija

Blumenskulptur Puppy von Jeff Koons vor dem Guggenheim-Museum in Bilbao

Im Guggenheim-Museum in Bilbao kocht Josean Alija eine Küche, die mit drei, vier Zutaten pro Teller auskommt – und trotzdem eine der eigenwilligsten des Baskenlandes ist. Das Nerua liegt im Bauch des Gehry-Baus, trägt einen Michelin-Stern und drei Sonnen der Guía Repsol. Ich war 2012 dort, kurz nach der Eröffnung, und der Besuch hat sich mir bis heute eingebrannt. Dieser Beitrag verbindet den Rückblick auf diesen Abend mit dem aktuellen Stand: Menü, Preise, Öffnungszeiten und alles, was man vor einer Reservierung wissen sollte.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · von Christian Fenske

Nerua Guggenheim Bilbao auf einen Blick

  • Name: Nerua Guggenheim Bilbao
  • Küche: Kreative baskische Küche, stark produktbezogen, viel Gemüse, reduzierte Teller
  • Auszeichnungen: 1 Michelin-Stern · 3 Soles Guía Repsol
  • Chef: Josean Alija
  • Besonderheit: Der Gast betritt das Restaurant durch die offene Küche
  • Menü: MUINA, acht Gänge, 110 € · Weinbegleitung 50 € · alkoholfreie Begleitung 42 €
  • À la carte: Einzelgerichte von 12 bis 42 €
  • Preisniveau: €€€
  • Öffnungszeiten: Di, Mi, So 13:00–14:30 Uhr · Do–Sa zusätzlich 20:00–21:00 Uhr · Montag Ruhetag
  • Adresse: Abandoibarra Etorbidea 2, 48009 Bilbao (Abando)
  • Telefon: +34 944 000 430 – Reservierung erforderlich
  • Mein Besuch: April 2012

Warum kocht Josean Alija so radikal reduziert?

Weil er seinen Geschmackssinn einmal komplett neu lernen musste. Im Jahr 2000 verunglückte Josean Alija schwer mit dem Motorrad und lag 21 Tage im Koma. Als er zurückkam, waren Geschmacks- und Geruchssinn weg – für einen Koch das Ende des Werkzeugkastens. Er eignete sich beides neu an, Zutat für Zutat. Wer das weiß, versteht besser, warum auf seinen Tellern selten mehr als drei oder vier Komponenten liegen. Jede muss für sich stehen können.

Der Weg dorthin begann früh. Alija wusste schon als Kind, dass er Koch werden wollte. Mit vierzehn Jahren begann er seine Ausbildung an der Hotelfachschule in Leioa und gehörte damit zu den jüngsten seines Jahrgangs. Drei Jahre später stand er in ersten Küchen, lernte die baskische Tradition in klassischen Häusern und arbeitete parallel in Avantgarde-Betrieben. 1998 kam er in die Küchen des Guggenheim-Museums – der Ort, an dem er bis heute geblieben ist.

Der Weg zurück in den Beruf führte über einen Wettbewerbssieg als bester Nachwuchskoch. 2009 wurde er bei Identità Golose in Mailand als bester internationaler Koch ausgezeichnet, 2011 folgte der Prix du Chef de l’Avenir der Internationalen Akademie für Gastronomie. Im selben Jahr eröffnete im Guggenheim sein eigenes Restaurant: das Nerua. In der erweiterten Rangliste der World’s 50 Best Restaurants stand es 2015 auf Platz 68 und 2017 auf Platz 56.

Wie läuft der Empfang im Nerua ab?

Man betritt das Restaurant durch die offene Küche. Statt einer Empfangstheke gibt es erst einmal Arbeitsgeräusche, Handgriffe, Konzentration – und ein erstes Glas. Bei meinem Besuch standen dort rund zwanzig Köche. Wer zum ersten Mal kommt, braucht einen Moment, bis er begreift, dass dieser Durchgang bereits Teil des Abends ist.

Köche in der offenen Küche des Restaurants Nerua in Bilbao bei der Vorbereitung
Wer ins Nerua kommt, steht zuerst in der Küche. (April 2012)

Der Speiseraum selbst wirkt kühl und zweckmäßig: ein komplett weißer Raum, eine leicht geschwungene silberne Decke, aus der klassische Musik kommt, große Tische mit weißen Decken – und sonst nichts. Kein Bild an der Wand, keine Dekoration, nichts, was ablenkt. Der ganze Fokus liegt auf dem Raum und auf den Tellern. Man fühlt sich ein wenig auf das Raumschiff Enterprise versetzt und ist dabei froh, dass die Küche in der Zukunft immer noch mundet und es auch dort noch gute, natürliche Zutaten gibt.

Was kam bei meinem Besuch 2012 auf den Tisch?

Acht Gänge, die alle demselben Prinzip folgten. Zur Begrüßung kam noch in der Küche eine Consommé von Anchoa und Algen, danach Bacalao-Chips. Dann ging es an den Tisch: 30 Monate alter Parmesan mit Trüffeltränen und grünem Shiso. Weiße Zwiebel unter Bacalao-Schuppen mit grüner Paprikacreme. Geangelter Seewolf mit schwarzer Olivencreme. Filet vom Ibérico-Schwein mit Mohrrüben und Artischockencreme. Zum Abschluss eine Kaltschale vom Kürbis mit Bergamotte und Biereis und pure Schokolade, in der Machart dem Innenleben eines Schokotörtchens mit warmem, flüssigem Kern nicht unähnlich.

Bacalao-Chips auf kleinem weißem Teller im Restaurant Nerua in Bilbao
Bacalao-Chips zum Auftakt. (April 2012)
Consommé mit Parmesanwürfeln, Trüffel und grünem Shiso in tiefem weißem Teller im Restaurant Nerua
30 Monate alter Parmesan mit Trüffeltränen und grünem Shiso. (April 2012)

Die Teller wirkten spartanisch, waren dabei aber wohl bedacht. Bei einem Einsatz von drei bis vier Rohstoffen ist jeder für sich perfekt schmeckbar – und genau das ist der Punkt. Es gibt keine Sauce, hinter der sich etwas verstecken ließe, keine Beilage als Lückenfüller. Was auf dem Teller liegt, muss tragen. Mein Besuch liegt inzwischen mehr als ein Jahrzehnt zurück, das Nerua war damals noch keine zwölf Monate alt; die Gänge stehen längst nicht mehr auf der Karte, weil die Küche ihre Menüs dreimal im Jahr wechselt.

Weiße Zwiebel unter Bacalao-Schuppen auf grüner Paprikacreme im Restaurant Nerua in Bilbao
Weiße Zwiebel unter Bacalao-Schuppen, dazu grüne Paprikacreme. (April 2012)
Filet vom Ibérico-Schwein mit Mohrrüben und Artischockencreme im Restaurant Nerua in Bilbao
Filet vom Ibérico-Schwein, Mohrrüben, Artischockencreme. (April 2012)
Orangefarbene Kürbis-Kaltschale mit Bergamotte und Biereis im Restaurant Nerua in Bilbao
Kaltschale vom Kürbis mit Bergamotte und Biereis. (April 2012)
Dessert aus purer Schokolade auf Krümelstreifen im Restaurant Nerua in Bilbao
Pure Schokolade zum Abschluss. (April 2012)

Was kostet das MUINA-Menü heute?

110 Euro für acht Gänge. Das Degustationsmenü heißt MUINA und wird für den ganzen Tisch serviert. Die Weinbegleitung kostet 50 Euro, die alkoholfreie Begleitung 42 Euro, das Brot mit Olivenöl 3 Euro pro Person; die Mehrwertsteuer ist eingeschlossen. Dreimal im Jahr wird das Menü neu geschrieben: im Frühling, im Sommer und für den Herbst-Winter.

Im Sommer 2026 führt die Gangfolge über Tomaten, Meeresschnecken, Brandade vom Kabeljau, Thunfisch, Rochen, Wolfsbarsch und Schweinebauch bis zur Birne zum Abschluss. Wer nicht das ganze Programm möchte, kann à la carte bestellen – Vorspeisen wie Tomaten in Kräutersauce für 26 Euro, russischer Salat für 35 Euro oder Meeresfrüchte für 38 Euro, Hauptgänge zwischen 36 und 42 Euro, Desserts für 12 Euro.

Die Küche arbeitet ausgesprochen gemüselastig, was 2011 deutlich ungewöhnlicher war als heute. Fisch aus dem Kantabrischen Meer bleibt zentral, aber Alija baut seine Menüs regelmäßig um pflanzliche Produkte herum. Wer die Gegenprobe machen will, findet sie ein paar Kilometer weiter bei Mugaritz in Errenteria oder am offenen Feuer im Asador Etxebarri.

🗣️ Mein Eindruck vor Ort

Es gibt Restaurants, die man nach über zehn Jahren immer noch vor sich sieht. Das Nerua gehört dazu. Nicht wegen eines einzelnen Gerichts, sondern wegen der Konsequenz: ein weißer Raum ohne jede Ablenkung, klassische Musik von der Decke, und Teller, auf denen wirklich nur das liegt, was zwingend nötig ist.

Das ist eine Küche, die einem etwas abverlangt. Wer Opulenz sucht, ist hier falsch. Wer wissen will, wie eine weiße Zwiebel oder ein Stück Seewolf schmeckt, wenn nichts danebenliegt, das ihn übertönt, wird selten so klar bedient wie hier.

Mein Besuch war im April 2012, das Restaurant war damals frisch. Auf ein Wiedersehen freue ich mich.

Praktische Infos & Kontakt

📍 Nerua Guggenheim Bilbao
Abandoibarra Etorbidea 2
48009 Bilbao (Abando)
Tel.: +34 944 000 430
Web: neruaguggenheimbilbao.com

🕐 Öffnungszeiten

MontagRuhetag
Dienstag & Mittwoch13:00 – 14:30 Uhr
Donnerstag – Samstag13:00 – 14:30 & 20:00 – 21:00 Uhr
Sonntag13:00 – 14:30 Uhr

⚠️ In der Sommersaison (Mitte Juni bis Ende September) wird täglich mittags und abends serviert. Reservierung ist Pflicht; bei Nichterscheinen oder Stornierung später als 24 Stunden vorher werden 50 Euro pro Person berechnet. Allergien und Unverträglichkeiten bitte bei der Buchung angeben.

🗺️ Lage & Anfahrt

Im Museum: Das Restaurant liegt im Guggenheim-Museum an der Abandoibarra Etorbidea, auf Höhe des Flusses Nervión.

Von Donostia: Über die AP-8 rund eine Stunde bis Bilbao – die Stadt gehört zu den schönsten Tagesausflügen von San Sebastián.

ÖPNV: Metro Moyua, danach rund zehn Minuten zu Fuß durch Abandoibarra. Die Straßenbahn hält direkt am Museum.

Anreise: Wer über den Flughafen Bilbao kommt, ist mit Bus oder Taxi in rund zwanzig Minuten am Museum.

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Häufige Fragen zum Nerua in Bilbao

Hat das Nerua einen Michelin-Stern?

Ja. Der Michelin Guide führt das Nerua Guggenheim Bilbao mit einem Stern und ordnet die Küche als kreativ ein, Preiskategorie €€€. Dazu kommen drei Sonnen der Guía Repsol. Küchenchef ist Josean Alija, der das Restaurant 2011 im Guggenheim-Museum eröffnet hat.

Was kostet ein Essen im Nerua?

Das Degustationsmenü MUINA umfasst acht Gänge und kostet 110 Euro pro Person, die Weinbegleitung 50 Euro, die alkoholfreie Begleitung 42 Euro. Wer à la carte bestellt, zahlt zwischen 12 Euro für ein Dessert und 42 Euro für einen Hauptgang. Brot mit Olivenöl kostet 3 Euro pro Person, die Mehrwertsteuer ist enthalten.

Wann hat das Nerua geöffnet?

Dienstag, Mittwoch und Sonntag mittags von 13:00 bis 14:30 Uhr, von Donnerstag bis Samstag zusätzlich abends von 20:00 bis 21:00 Uhr. Montag ist Ruhetag. In der Sommersaison von Mitte Juni bis Ende September wird mittags und abends serviert. Eine Reservierung ist erforderlich.

Muss man im Nerua reservieren?

Ja, eine Reservierung ist erforderlich. Sie läuft über die Website des Restaurants oder telefonisch unter +34 944 000 430. Die Stornierung ist bis 24 Stunden vor dem Termin kostenfrei; danach oder bei Nichterscheinen werden 50 Euro pro Person über die hinterlegte Karte berechnet. Da das Restaurant klein ist und nur in engen Zeitfenstern serviert, lohnt es sich, früh zu buchen.

Wer ist Josean Alija?

Der Küchenchef des Nerua, geboren in Bilbao. Er begann mit vierzehn Jahren die Ausbildung an der Hotelfachschule in Leioa und arbeitet seit 1998 in den Küchen des Guggenheim-Museums. Nach einem schweren Motorradunfall im Jahr 2000 musste er Geschmacks- und Geruchssinn neu erlernen. 2011 eröffnete er sein eigenes Restaurant im Museum.

Wie ist das Nerua eingerichtet?

Radikal reduziert. Gäste betreten das Restaurant durch die offene Küche und sehen der Brigade bei der Arbeit zu. Der Speiseraum selbst ist komplett weiß gehalten, mit geschwungener silberner Decke und großen, weiß eingedeckten Tischen ohne Dekoration. Die Gestaltung folgt derselben Logik wie die Teller: nichts, was ablenkt.

Ist das Nerua etwas für Vegetarier?

Die Küche arbeitet auffällig gemüsebetont, viele Gänge kreisen um pflanzliche Produkte – im MUINA-Menü stehen aber ebenso Fisch und Fleisch. Ein durchgehend vegetarisches Menü weist das Restaurant nicht aus. Allergien und Unverträglichkeiten können bei der Buchung angegeben werden, das Menü wird dann angepasst; wer vegetarisch essen möchte, klärt das am besten vorab telefonisch.

Welche Restaurants liegen in der Nähe?

Direkt gegenüber dem Guggenheim liegt das Islares, ebenfalls mit einem Michelin-Stern. Rund fünfzehn Gehminuten entfernt kocht Zarate an der Licenciado Poza seine Küche der Gezeiten. Wer es unkomplizierter mag, findet in der Altstadt Pintxos-Adressen wie Kapikua.

Christian Fenske, Weinhändler und Foodblogger von Gozatu

Über den Autor

Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →

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