Es gibt Weinhandlungen, in denen man kauft. Es gibt Weinbars, in denen man trinkt. Das Curdelón an der Kolon Pasealekua in Gros ist beides gleichzeitig – und genau darin liegt sein Reiz: Jede Flasche aus dem Regal darf man gegen ein Korkgeld an Ort und Stelle öffnen lassen. Der Schwerpunkt liegt auf Champagner, dazu kommen erstklassige Konserven, Schinken und Käse. Im San Sebastián Reiseführer steht Gros ohnehin weit oben – und innerhalb des Viertels ist Curdelón die Adresse, an der Laden und Bar am konsequentesten zusammenfallen.
Curdelón auf einen Blick
- Name: Curdelón – Selbstbezeichnung „Joyería de vinos“
- Konzept: Weingeschäft und Weinbar in einem – alle Flaschen aus dem Laden vor Ort trinkbar
- Stadtteil: Gros – zwischen Kursaal und Zurriola
- Sortiment: nach Angaben des Hauses über 1.500 Etiketten zum Entkorken
- Schwerpunkt: Champagner – eine eigene Champagnera im Zentrum des Ladens
- Küche: hochwertige Fisch- und Fleischkonserven, Bellota-Ibérico, Käse, Patés, Oliven, Gilda, Pulpo
- Auszeichnung: Solete der Guía Repsol
- Reservierung: für die Verkostungen vorab Pflicht, ab zwei Personen; für den Wine Bar nach unserer Beobachtung vor Ort nicht nötig
- Ruhetag: keiner – täglich geöffnet
- Preisniveau: €€
- Besonderheit: Terrasse am Paseo Colón, monatliche Verkostungsreihe „Encuentro Curdelón“
- Zuletzt besucht: Juli 2026
Ein Weingeschäft, in dem man trinken darf
Das Prinzip klingt banal und ist es überhaupt nicht: Was im Regal steht, darf geöffnet werden. Gegen ein Korkgeld wird die Flasche entkorkt, das Glas kommt dazu, und man sitzt damit auf der Terrasse oder drinnen im Laden. Kein Restaurantaufschlag, keine Weinkarte, die nur einen Bruchteil dessen abbildet, was im Haus liegt. Man geht an die Wand, zieht die Flasche heraus, die man wirklich trinken will – und trinkt sie.
Für einen Weinhändler ist das die ehrlichste Form des Weinverkaufs, die es gibt. Wer eine Flasche vorher probieren kann, kauft sie anschließend mit anderem Vertrauen. Und wer sie sich für den Abend gönnt, zahlt nicht das Dreifache dafür, dass jemand einen Korkenzieher bedient. Nach Angaben des Hauses stehen über 1.500 Etiketten zur Verfügung, von etablierten Häusern bis zu kleinen Betrieben, die man in Spanien sonst kaum findet.
Wer es einfacher mag, bleibt beim offenen Ausschank. Die Glaskarte ist bewusst beweglich gehalten und wechselt laufend; nach unserer Beobachtung vor Ort stehen rund dreißig Weine offen. Das ist keine Alibi-Auswahl, sondern ein echter Querschnitt – man kann hier einen ganzen Abend lang glasweise durch Europa reisen, ohne zweimal dasselbe im Glas zu haben.

Die Champagnera
Das Haus macht kein Geheimnis daraus, wo seine Schwäche liegt. Die Champagnera steht mitten im Laden und wird auf der eigenen Website ausdrücklich als eines der Erkennungszeichen genannt. Die Auswahl ist breit und dabei sorgfältig kuratiert: große Häuser stehen neben Winzerchampagnern, und man bekommt hier Flaschen ins Glas, die anderswo in Donostia schlicht nicht offen ausgeschenkt werden.
Das ist der Punkt, an dem ich als Händler ins Schwärmen gerate. Champagner glasweise ist im Gastgewerbe fast immer ein Kompromiss – eine Marke, ein Brut, fertig. Hier ist es umgekehrt: Die Frage lautet nicht, ob es Champagner gibt, sondern welchen. Und wenn die gewünschte Flasche im Glasausschank nicht dabei ist, holt man sie eben aus dem Regal und lässt sie öffnen.

Warum das Lokal Curdelón heißt
Der Name kommt nicht aus dem Baskischen, sondern aus Buenos Aires. Im Lunfardo, dem Slang der argentinischen Hauptstadt, beschreibt „curdelón“ einen ordentlichen Rausch. Die Inhaber stammen aus Argentinien – eine Herkunft, die sich auch auf der Karte wiederfindet.
Der Untertitel, den sich das Haus selbst gegeben hat, passt besser zum Anspruch als der Name: Joyería de vinos, Juwelierladen für Weine. Wer an den Regalwänden entlanggeht, versteht sofort, warum. Die Flaschen sind ausgestellt wie Schmuckstücke, und zwischen den bekannten Namen versteckt sich regelmäßig etwas, das man in dieser Stadt nicht erwartet hätte.
Was dazu auf den Tisch kommt
Die Küche ist bewusst schmal gehalten und trotzdem ernst gemeint. Es gibt keine Herdplatte, die hier den Ton angibt – es gibt Produkt. Und zwar in der Qualität, die man in Spanien für eine eigene Disziplin halten darf: Konserven. Muscheln, Sardellen, Tintenfisch, Thunfisch – hochwertige Fisch- und Fleischkonserven sind hier kein Notbehelf, sondern der Punkt.
Dazu kommen Bellota-Ibérico, handwerkliche Käse, Patés und wirklich gute Oliven. Die Gilda – Olive, Guindilla, Sardelle – gehört zum Standardrepertoire, und der Pulpo ist das Gericht, das das Haus auf seiner Website selbst als sein Aushängeschild bezeichnet. Aus Argentinien haben es außerdem Empanadas auf die Karte geschafft.

Wer die klassische Bar-Route durch die Stadt sucht, findet sie in meinem Überblick über gute Weinadressen in San Sebastián. Curdelón ist darin die Adresse, an der Laden und Bar am konsequentesten zusammenfallen.

Catas und Encuentro Curdelón
Neben dem Tagesgeschäft läuft ein eigenes Veranstaltungsprogramm. Der Encuentro Curdelón ist die monatliche Verkostungsreihe des Hauses: fünf Weine zu einem wechselnden Thema, dazu eine passende Speisenbegleitung aus Käse, Landpâté und eingelegten Miesmuscheln. Verkostet wird im eigenen Salon.
Nach Angaben des Hauses dauert eine Cata rund eine Stunde und kostet 60 Euro pro Person, das Minimum liegt bei zwei Personen, eine Reservierung vorab ist Pflicht. Angeboten werden die Verkostungen auf Spanisch, Baskisch, Englisch und Französisch. Neben dem monatlichen Format gibt es feste Reihen zu nationalen Weinen sowie zu Alter und Neuer Welt – und Zusammenstellungen komplett nach Wunsch.
Wer als Gast in der Stadt ist und einen Abend über den bloßen Konsum hinaus möchte, sollte vorher fragen, was im Kalender steht. Die Termine werden vor allem über die eigene Website und Instagram kommuniziert.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Ich bin hier oft, und fast immer sitze ich draußen. Die Terrasse am Paseo Colón ist nicht spektakulär, aber sie liegt richtig: genug Betrieb, um etwas zu sehen, genug Ruhe, um sich zu unterhalten. Zuletzt an einem Julitag gegen halb acht abends, Tisch vier.
Zwei Gläser A.R. Lenoble zu 13,50 €, dazu die halbe Käseplatte für 15 € und zwei Gildas zu je 2,50 €. Mit Wasser standen am Ende 50 € für zwei Personen auf dem Bon. Für glasweisen Champagner dieser Klasse ist das kein Wort der Klage wert – und die Käseauswahl ist ohnehin einer der Gründe, weshalb ich wiederkomme. Auch die Oliven sind top, was banal klingt und es nicht ist: Wer schon einmal irgendwo mittelmäßige Oliven zum guten Wein bekommen hat, weiß, wie viel Sorgfalt darin steckt.
Bedient hat uns Lourdes, die Sommelière des Hauses. Sie berät, ohne zu belehren, und sie merkt schnell, mit wem sie es zu tun hat. Das ist die Art Gespräch, für die ich in fremden Städten in Weinläden gehe.
Was das Curdelón für mich besonders macht: Die Weinkarte wechselt ständig, es gibt immer etwas Neues im Glas, und man geht selten mit derselben Erfahrung wieder raus. Als Weinhändler ist das der beste Grund, ein Lokal immer wieder zu betreten.
Praktische Infos & Kontakt
📍 Curdelón
Kolon Pasealekua 35
20002 Donostia-San Sebastián (Gipuzkoa)
+34 943 27 86 85
curdelon.com
🕐 Öffnungszeiten
| Montag | 11:00 – 15:00 Uhr · 18:00 – 22:00 Uhr |
| Dienstag | 11:00 – 22:00 Uhr |
| Mittwoch | 11:00 – 22:00 Uhr |
| Donnerstag | 11:00 – 22:00 Uhr |
| Freitag | 11:00 – 23:00 Uhr |
| Samstag | 11:00 – 23:00 Uhr |
| Sonntag | 11:00 – 22:00 Uhr |
Die eigene Website führt keine Öffnungszeiten – die Angaben stammen aus Google. Laden und Bar teilen sich dieselben Zeiten. Für die Verkostungen ist eine Reservierung vorab Pflicht, telefonisch unter +34 943 27 86 85.
🗺️ Lage & Anfahrt
Zu Fuß: Curdelón liegt mitten in Gros. Bis zum Strand Zurriola sind es rund 315 Meter, bis zum Kursaal rund 340 Meter. Über die Zurriola-Brücke – knapp 470 Meter entfernt – erreicht man die Plaza de la Constitución in der Altstadt nach etwa 870 Metern.
Öffentlich: Der Haltepunkt Gros der Renfe Cercanías liegt rund 375 Meter entfernt, der Bahnhof Donostia der Renfe an der De Francia Ibilbidea rund 850 Meter.
Auto & Parken: Das Kursaal-Parkhaus an der Zurriola Hiribidea ist rund um die Uhr geöffnet und rund 210 Meter entfernt, das Parkhaus Txofre an der Bermingham Kalea rund 300 Meter. Der Parkplatz Sagués liegt rund 480 Meter nördlich.
Weitere passende Empfehlungen in Gros
Bar Manojo – Herzküche und Naturweine, keine drei Minuten entfernt.
Iratze – Natural Wine, bretonischer Einschlag und ein außergewöhnlicher Tomatensalat.
Topa Sukaldería – wo Baskenland und Lateinamerika aufeinandertreffen.
Yabushi Ramen – das Ramen-Esszimmer des Viertels, klein und konzentriert.
Gronx – direkt an der Zurriola, mit New Yorker Handschrift.
Häufige Fragen zu Curdelón
Wann hat Curdelón geöffnet?
Montag von 11:00 bis 15:00 und von 18:00 bis 22:00 Uhr, Dienstag bis Donnerstag sowie Sonntag durchgehend von 11:00 bis 22:00 Uhr, Freitag und Samstag bis 23:00 Uhr. Laden und Bar haben dieselben Zeiten. Die eigene Website führt keine Öffnungszeiten, die Angaben stammen aus Google.
Kann man Flaschen aus dem Laden vor Ort trinken?
Ja. Nach Angaben des Hauses kann jede der über 1.500 Flaschen im Ladenlokal gegen ein Korkgeld an Ort und Stelle geöffnet und getrunken werden – auf der Terrasse oder drinnen. Zusätzlich gibt es einen wechselnden offenen Ausschank, nach unserer Beobachtung vor Ort rund dreißig Weine.
Was bedeutet der Name Curdelón?
„Curdelón“ stammt aus dem Lunfardo, dem Slang von Buenos Aires, und bezeichnet einen ordentlichen Rausch. Die Inhaber kommen aus Argentinien. Ihr eigener Untertitel für das Haus lautet „Joyería de vinos“ – Juwelierladen für Weine.
Was gibt es bei Curdelón zu essen?
Hochwertige Fisch- und Fleischkonserven, Bellota-Ibérico, handwerkliche Käse, Patés, Oliven und Gildas. Als Signature-Gericht nennt das Haus den Pulpo, aus der argentinischen Herkunft stammen Empanadas.
Was kostet eine Weinverkostung bei Curdelón?
Nach Angaben des Hauses kostet eine Cata 60 Euro pro Person, dauert rund eine Stunde und umfasst fünf Weine mit drei Speisenbegleitungen. Das Minimum liegt bei zwei Personen, eine Reservierung vorab ist Pflicht, angeboten wird auf Spanisch, Baskisch, Englisch und Französisch.
Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


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