Es gibt Cafés, in die man wegen des Kaffees geht, und Cafés, in die man wegen des Raums geht. Das Xauen an der Plaza del Buen Pastor ist eines der seltenen, bei denen beides stimmt. Seit dem 8. August 2026 hat es wieder geöffnet – mein Magic gehörte zu den besten Milchkaffees, die ich in Donostia getrunken habe, und der Black Royal Benedict dazu war kein Deko-Teller, sondern Küchenarbeit. Wo das Café genau liegt und was rundherum lohnt, steht im San Sebastián Reiseführer und auf meiner Seite zum Centro.
Xauen Café auf einen Blick
- Lage: Plaza del Buen Pastor 4, Centro – direkt gegenüber der Kathedrale
- Konzept: Specialty Coffee, Tostadas und Patisserie, Frühstück und Vormittag
- Hinter dem Haus: Interiorist Íñigo Iriarte, Betreiberfirma Juquehy S.L.
- Gegessen: Black Royal Benedict
- Getrunken: Magic, Espresso
- Preisniveau: €€
- Öffnungszeiten: Mo–So 08:00–15:00
- Zuletzt besucht: August 2026
Wieder offen seit dem 8. August 2026
Als ich wenige Tage nach der Wiedereröffnung morgens vor der Tür stand, war von einem Neustart nichts zu merken – der Laden lief. Man erzählte mir im Haus, dass seit Kurzem wieder geöffnet ist; warum das Xauen vorher zu war, habe ich nicht erfahren, und ich schreibe hier nichts hin, was ich nicht weiß. Wer also in den vergangenen Wochen vor verschlossener Tür stand: Es geht weiter.
Die Adresse ist eine der besten der Stadt für ein Café. Die Plaza del Buen Pastor liegt zwischen Área Romántica und Einkaufsstraßen, die neogotische Kathedrale steht direkt gegenüber, und morgens um elf ist hier noch nichts von dem Gedränge zu spüren, das in der Parte Vieja längst begonnen hat.
Der Raum: Belle Époque, von einem Interioristen gebaut
Hinter dem Xauen steht Íñigo Iriarte, in Donostia bekannt für sein Studio und Showroom Veluto ein paar Straßen weiter. Das Café ist kein Nebenprojekt, sondern die Übersetzung seiner Arbeit in den Alltag der Stadt: Interieur, Dekoration, Grafik, Uniformen und Geschirr stammen sämtlich von ihm, die Karte trägt die Handschrift seiner Frau Fadua. Der Name ist eine Hommage an ein Café von 1937, und der gestalterische Ausgangspunkt war erklärtermaßen, die Kaffeehäuser der Belle Époque wieder aufleben zu lassen, an die sich die ältere Generation Donostias noch erinnert.

Was daraus geworden ist, sieht man in dem Moment, in dem man eintritt. Der Grundriss ist schmal und springt in der Höhe, Spiegel vervielfachen den Raum, historisierender Stuck zieht sich über Wände und Decke, ein handgelegter Steinmosaikboden geht in italienisch verlegte Marmore über, dazu Edelstahl, Nussbaum und Samt. Sehr stylisch, mit vielen unterschiedlichen Elementen – und trotzdem in sich stimmig. Hier gibt es viel zu entdecken, das ist kein Raum, den man mit einem Blick abhandelt. Selbst das Geschirr ist bewusst uneinheitlich, jede Tasse hat ihre eigene Geschichte.

Der Kaffee: ein Magic, wie er sein soll
Bestellt habe ich einen Magic (3 €) – und das ist die interessanteste Position auf der Karte. Der Magic stammt aus der Barcelonaer Specialty-Szene und ist genau definiert: doppelter Ristretto auf rund 140 Milliliter, die Milch in einem Guss eingegossen. Dichter und schokoladiger als ein Flat White, kleiner als ein Cappuccino. Dass ein Haus in Donostia ihn überhaupt führt, ist ein Statement und kein Zufall.

Er war perfekt. Eine Harmonie zwischen Milch und Kaffeearoma, bei der keins das andere übertönt, eine zarte, elegante Röstung ohne die verbrannten Noten, die man in Spanien so oft im Glas hat, dazu eine cremige Textur bis zum letzten Schluck. Der Espresso (2,50 €) dazu hielt dasselbe Niveau. Bei den Kaffees stimmt das Verhältnis von Preis und Leistung uneingeschränkt.
Welchen Röster das Xauen ausschenkt, ist öffentlich nicht ausgewiesen – ich habe es auch vor Ort nicht in Erfahrung gebracht. Für die Qualität in der Tasse macht das keinen Unterschied.
Black Royal Benedict: der Teller, der seinen Namen erklärt
Gegessen habe ich den Black Royal Benedict (19,50 €), die auffälligste Position der Karte. Der Name ist ein doppelter Code. „Royale“ bezeichnet die Eggs-Benedict-Variante mit Räucherlachs statt Schinken – je nach Land auch Eggs Atlantic oder Eggs Hemingway. „Black“ meint das Brioche: gefärbt mit Aktivkohle, lebensmittelrechtlich Pflanzenkohle E153, seit 1980 in der EU als Farbstoff zugelassen und geschmacksneutral. Die Farbe ist Optik, kein Aroma – das sollte man wissen, bevor man sich davon eine zusätzliche Geschmacksebene verspricht.

Kurios ist, dass das Xauen mit dem Brioche näher am Original liegt als die meisten Brunch-Läden. Zur Entstehung der Eier Benedict gibt es zwei Versionen: Charles Ranhofer, Chefkoch bei Delmonico’s in New York, soll sie für den Finanzier LeGrand Benedict erfunden haben – ein Rezept für „Eggs à la Benedick“ steht in seinem Kochbuch The Epicurean von 1894. Die Gegenversion nennt den Börsenmakler Lemuel Benedict, der im selben Jahr im Waldorf ein Katerfrühstück verlangte. Die Delmonico-Fassung arbeitete mit Brioche, nicht mit den English Muffins, die heute als kanonisch gelten.
Auf dem Teller: zwei pochierte Eier, norwegischer Räucherlachs, Avocado, Kürbiskerne, Microgreens, Dill und Brachyscome-Blüten – das Blaue Gänseblümchen, ein australischer Korbblütler, der in der Gastronomie als essbare Mikroblüte gehandelt wird und ebenfalls vor allem Deko ist. Entscheidend ist, was darunter passiert, und da stimmte alles: Das Eigelb war flüssig, die Hollandaise vielschichtig statt bloß buttrig und band den ganzen Teller zusammen, das Brioche blieb fest und weichte nicht durch. Vier Texturen, die perfekt zusammenspielen. Küchenarbeit, keine Dekoration.
Was sonst auf der Karte steht
Das Xauen ist ein Frühstücks- und Vormittagshaus, kein Restaurant. Iriarte selbst beschreibt die Karte als gereist und ehrlich, mit Patisserie de autor und Tagesprodukt als Grundsatz. Die Tostadas reichen von der schlichten Clásica mit Sauerteigbrot, mariniertem Tomatenfleisch und Olivenöl früher Ernte (6 €) bis zur La Ibérica mit Ibérico-Schinken, Ricotta, mazerierten Trauben und Arbequina-Ölperlen (19,50 €). Daneben stehen die Burrata Mr. Rico mit hausgemachtem Pesto, ein Benedict Florentine mit Spinat und Pinienkernen (18,50 €), Huevos Turcos auf gewürztem Joghurt mit brauner Paprikabutter (17,50 €) und das Overnight Joya aus in Orangensaft eingeweichten Haferflocken (16,50 €).

Süß gibt es Cookie, Cinnamon Roll, Marmorkuchen und einen Carrot Cake (5,50 €). Der Matcha kommt im Cognacschwenker – eine dieser Ideen, die woanders albern wären und hier zum Haus passen.

🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Ein Café, das von einem Interioristen gebaut wurde, hat ein Risiko: dass am Ende alles schön aussieht und der Kaffee egal ist. Genau das passiert im Xauen nicht. Der Magic war eine perfekte Harmonie zwischen Milch und Kaffeearoma, zarte, elegante Röstung, cremige Textur – daran gibt es nichts zu deuteln, und dafür würde ich auch ohne den Raum wiederkommen. Der Black Royal Benedict hat das bestätigt: Unter der auffälligen schwarzen Optik steckt sauberes Handwerk – flüssiges Eigelb, eine Hollandaise mit echter Vielschichtigkeit, ein Brioche, das trägt statt durchzuweichen. Der Raum kommt dann obendrauf: sehr stylisch, viele unterschiedliche Elemente, und trotzdem stimmig. Man sitzt da und entdeckt beim zweiten Hinsehen immer noch etwas Neues an der Wand, am Boden, an der eigenen Tasse. Für einen ruhigen Vormittag im Centro fällt mir derzeit kein besserer Platz ein.
Praktische Infos & Kontakt
📍 Xauen Café
Plaza del Buen Pastor 4, 20005 Donostia-San Sebastián
Instagram: @xauencafe
Keine Reservierung, keine Telefonnummer – man geht hin und setzt sich.
🕐 Öffnungszeiten
| Montag – Sonntag | 08:00 – 15:00 Uhr |
Das Xauen ist ein Vormittagshaus – ab dem frühen Nachmittag ist Schluss. Der Laden ist klein, zur Frühstückszeit an Wochenenden kann es eng werden. Wer den Raum in Ruhe sehen will, kommt kurz nach der Öffnung. Stand: Oktober 2026.
🗺️ Lage & Anfahrt
Zu Fuß: Die Plaza del Buen Pastor liegt mitten im Centro. Vom Boulevard und der Parte Vieja sind es rund acht Minuten, vom Strand La Concha etwa zehn, vom Bahnhof Donostia gut zehn.
Öffentlich: Dbus-Halte an der Avenida de la Libertad und am Boulevard in Gehweite. Die Euskotren-Station Easo liegt wenige Minuten entfernt.
Auto & Parken: Kein eigener Parkplatz. Das öffentliche Parkhaus Buen Pastor liegt direkt unter der Plaza, ringsum gilt OTA-Bewirtschaftung.
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→ Kafe Botanika: Frühstück mit Garten
→ The Social Corner: Brunch in Gros
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Häufige Fragen zum Xauen Café
Wo liegt das Xauen Café in San Sebastián?
An der Plaza del Buen Pastor 4 im Centro von Donostia-San Sebastián, direkt gegenüber der neogotischen Kathedrale Buen Pastor. Die Plaza liegt zwischen Área Romántica und den Einkaufsstraßen; vom Boulevard und der Parte Vieja sind es rund acht Minuten zu Fuß, vom Strand La Concha etwa zehn.
Hat das Xauen wieder geöffnet?
Täglich von 08:00 bis 15:00 Uhr. Ja. Seit dem 8. Einen Grund für die vorherige Schließung hat das Haus nicht genannt.
Wer steckt hinter dem Xauen?
Der Interiorist Íñigo Iriarte, der in Donostia auch das Studio und Showroom Veluto betreibt. Interieur, Geschirr, Grafik und Uniformen stammen von ihm, die Karte von seiner Frau Fadua. Betreiberfirma ist die Juquehy S.L.
Was ist der Black Royal Benedict?
Die Eggs-Benedict-Variante des Hauses: zwei pochierte Eier mit norwegischem Räucherlachs auf einem mit Aktivkohle schwarz gefärbten Brioche, dazu Avocado, Hollandaise, Kürbiskerne, Dill und essbare Blüten. „Royale“ steht für Lachs statt Schinken, „Black“ für die Farbe des Brotes – die Pflanzenkohle ist geschmacksneutral und rein optisch.
Was ist ein Magic?
Ein Milchkaffee aus der Barcelonaer Specialty-Szene: doppelter Ristretto auf etwa 140 Milliliter, die Milch in einem Guss eingegossen. Dichter und schokoladiger als ein Flat White, kleiner als ein Cappuccino. In Donostia führen ihn nur wenige Häuser.
Was kostet ein Frühstück im Xauen?
Die Tostadas und warmen Frühstücksteller liegen zwischen 6 und 19,50 €, Süßes zwischen 4,80 und 5,50 €, Smoothies bei 10,50 €. Espresso und Milchkaffees liegen zwischen 2,50 und 5 €. Wer nur Kaffee trinkt, bleibt deutlich unter dem Niveau der Teller.
Kann man im Xauen Café einen Tisch reservieren?
Nein, das Xauen nimmt keine Reservierungen an und hat auch keine Telefonnummer – man geht hin und setzt sich. Der Laden ist klein, an Wochenendvormittagen kann es voll werden. Wer den Raum in Ruhe sehen will, kommt kurz nach der Öffnung um 8 Uhr.
Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


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