Im verschlafenen Hernani, nur wenige Kilometer von Donostia-San Sebastián, haben zwei Köche mit dem Errioguarda einen Ort geschaffen, der nachhaltige, regionale Küche mit echter kreativer Wucht verbindet. Rustikaler Speiseraum, raffinierte Teller – und ein Geschmackserlebnis, das noch lange nachhallt. Wer die Stadt selbst plant, findet alles Wichtige im San Sebastián Reiseführer; Hernani gehört zu den lohnendsten Tagesausflügen von San Sebastián.
Errioguarda auf einen Blick
- Art: Kreative, nachhaltige baskische Küche
- Ideal für: einen Ausflug nach Hernani mit Degustationsmenü in rustikalem Rahmen und herzlicher Atmosphäre oder ein kreatives Mittagsmenü unter der Woche
- Empfohlene Gerichte: Degustationsmenü „Nortasuna“, kreatives Mittagsmenü, mutige Weinkarte; aus dem Menü etwa Rote Bete mit Edelschimmelkäse und Erdbeere, Sardine mit Beurre Blanc und Papada, Hummer mit Salmorejo, geangelter Seehecht mit Muscheln und Spinat im Plankton-Sud sowie Spanferkel mit Möhre und Orange
- Ort: Hernani, Gipuzkoa (ca. 9 km bzw. 15 Minuten von Donostia)
- Küchenchefs: Santiago Vázquez und Beñat San Sebastián
- Auszeichnung: Guía Repsol
- Preisniveau: Degustationsmenü 58 €, Mittagsmenü 30 € (unter der Woche)
- Öffnungszeiten: Mi–Do, Sa–So 13:30–15:30 · Fr 13:30–15:30 & 20:30–22:30 · Mo–Di geschlossen
- Reservierung: sehr zu empfehlen, das Lokal ist klein und bei Einheimischen beliebt
- Tipp: für Freitagabend und die Wochenendmittage vorab reservieren
- Adresse: Iturriaga Kalea 12, 20120 Hernani
- Telefon: +34 943 84 15 58
- Zuletzt besucht: 2026
Hernani: ein verschlafenes Städtchen am Urumea
Hernani ist eine kleine Stadt in der Provinz Gipuzkoa mit gut 20.000 Einwohnern, gelegen am linken Ufer des Flusses Urumea, rund 9 Kilometer von Donostia-San Sebastián entfernt. Ursprünglich Teil des mittelalterlichen Tals von Hernani, das sich um die Flüsse Urumea und Oria erstreckte, wurde der Ort im späten 12. Jahrhundert der Gerichtsbarkeit von Donostia zugeordnet.
Die genaue Datierung der Stadtgründung – vermutlich unter König Alfons X. von Kastilien im 13. Jahrhundert oder um 1379 – lässt sich wegen eines Brandes und der Zerstörung der Stadt nicht sicher bestimmen. Die ersten erhaltenen städtischen Verordnungen stammen aus dem Jahr 1542, nachdem ältere Dokumente in französischen Invasionen verloren gegangen waren. Über die Jahrhunderte erlebte Hernani zahlreiche Invasionen und Zerstörungen: mittelalterliche Sezessionskriege, französische Einfälle und die Karlistenkriege. 1986 trennte sich schließlich Lasarte, ein historischer Stadtteil im Tal des Oria, im Zuge der städtischen Expansion von Hernani ab.
Heute wirkt Hernani angenehm verschlafen und authentisch. Der Tourismus hat sich hier noch nicht breitgemacht, und die schmucke Altstadt mit ihren unzähligen Bars und Restaurants wird fast ausschließlich von Einheimischen frequentiert – genau der richtige Rahmen für ein Restaurant wie das Errioguarda.
Zwei Köche, eine Mission: Santiago Vázquez und Beñat San Sebastián
In dieser malerischen Ecke von Gipuzkoa, wo die sanften Hügel auf den Atlantik treffen, begann das neue Kapitel zweier außergewöhnlicher Köche, die sich der nachhaltigen Gastronomie verschrieben haben. Santiago Vázquez – ecuadorianischer Küchenmeister mit Wurzeln in der Extremadura und dem Herzen eines echten Gipuzkoaners – brachte die Erfahrung aus renommierten Sterne-Restaurants wie dem Restaurante Tierra und L’Atelier de Joël Robuchon mit. Sein Weg führte ihn nach Gipuzkoa, wo ihn das Schicksal im Hotel Villa Antilla in Orio mit Beñat San Sebastián zusammenbrachte, einem talentierten jungen Koch aus Hernani.
Beñat fand in Santiago einen Gleichgesinnten. Ihre Begegnung war mehr als das Aufeinandertreffen zweier Köche – es war die Vereinigung zweier Seelen mit einer gemeinsamen Mission. Schon nach wenigen Monaten gemeinsamer Arbeit entstand daraus ein neues Lebensprojekt: das Restaurant Errioguarda. Das Haus selbst ist in Hernani ein Begriff: Über Jahrzehnte war das Errioguarda Enea eine Institution, zuletzt unter Juan Mari Izagirre und seinem legendären Mittagsmenü; zwei Generationen zuvor betrieb die Familie Egiguren hier einen Lebensmittelladen. Nach einer Schließung öffnete das Haus am Tag des Heiligen Thomas (Santo Tomás) 2023 unter den beiden jungen Chefs wieder seine Türen.
Nachhaltigkeit mit einem „toque macarra“
Errioguarda versteht sich als kulinarischer Tempel der Nachhaltigkeit. Santiago und Beñat sehen sich als Hüter der regionalen Gastronomie – mit, in ihren eigenen Worten, „un toque macarra“, einer frech-unangepassten Note. Sie beleben lokale Produkte und Traditionen wieder und greifen auf Techniken zurück, die schon immer Teil der regionalen Küche waren, im Schatten der Lebensmittelindustrie aber verloren gegangen sind. Ihr Ansatz vereint das Beste moderner Küchentechnik mit der Hingabe für lokale, nachhaltige Zutaten – vom Besten des Kantabrischen Meeres bis zur ökologisch angebauten Apfelsorte für lokalen Sagardo.
Ein eigenes Kapitel ist die Weinkarte: Beñat verantwortet Bodega, Service und Empfehlungen und stellt eine bewusst mutige Auswahl zusammen, die hervorragend mit der Küche spielt. Angeboten werden das Degustationsmenü „Nortasuna“ (baskisch für „Identität“) für 58 € sowie ein kreatives Mittagsmenü aus den besten Marktprodukten für 30 €.
Das Menü, Gang für Gang
Obwohl der Speiseraum eher rustikal und etwas bäuerlich wirkt, verbinden die Kreationen auf den Tellern Raffinesse, Struktur und eine perfekte Balance aus Säure, Kraft, Süße und Substanz. Ein Querschnitt durch das, was bei uns auf den Tisch kam:
Zum Auftakt eine Reihe präziser Snacks – knusprig, salzig, konzentriert.



Aus dem Garten: Rote Bete, Edelschimmelkäse und Erdbeere – erdig, salzig und fruchtig zugleich, ein starkes Spiel der Gegensätze.

Aus dem Meer kam der stärkste Block des Menüs – Kantabrik pur, sauber und präzise gearbeitet.



Zum Fleischgang ein zart geschmortes Spanferkel mit Möhre und Orange – Tiefe und Frische in einem Teller.

Zum Abschluss zwei Desserts, die nicht in die Süßfalle tappen, sondern mit Säure und Bitterkeit spielen.


🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Der Speiseraum wirkt eher rustikal, fast ein bisschen bäuerlich – und genau das macht den Kontrast so schön. Denn was auf den Tellern passiert, ist alles andere als grob: Raffinesse, Struktur und eine perfekte Balance aus Säure, Kraft, Süße und Substanz. Es schmeckt hier einfach irrsinnig lecker, ein wahres Hochfest für die Sinne.
Dazu eine gute Stimmung und eine herzliche Bedienung, die jedes Gericht erklärt. Mit jeder weiteren Minute wächst die Dankbarkeit für diese großartige Gesamtperformance. Für mich einer der spannendsten Orte im Umland von Donostia – gerade weil er so unprätentiös daherkommt.
Praktische Infos & Kontakt
📍 Errioguarda (Errioguardaenea Jatetxea)
Iturriaga Kalea 12
20120 Hernani
+34 943 84 15 58
errioguarda-enea.com
🕐 Öffnungszeiten
| Montag – Dienstag | Geschlossen |
| Mittwoch – Donnerstag | 13:30 – 15:30 Uhr |
| Freitag | 13:30 – 15:30 & 20:30 – 22:30 Uhr |
| Samstag – Sonntag | 13:30 – 15:30 Uhr |
Das Lokal ist klein und bei Einheimischen beliebt – für den Freitagabend und die Wochenendmittage sollte man unbedingt vorab reservieren. Stand: Oktober 2026.
🗺️ Lage & Anfahrt
Zu Fuß: Das Errioguarda liegt mitten in der Altstadt von Hernani. Vom Bahnhof und vom zentralen Platz sind es jeweils nur wenige Minuten zu Fuß.
Öffentlich: Die Euskotren-Linie Donostia–Hernani hält im Ortszentrum, dazu verkehren Lurraldebus-Linien vom Busbahnhof Donostia. Die Fahrt dauert rund 25 Minuten.
Auto & Parken: Von Donostia über die N-1 beziehungsweise die GI-131 in rund 15 Minuten. In der Altstadt selbst ist Parken knapp, am Ortsrand finden sich aber ausreichend kostenfreie Stellplätze.
Weitere passende Empfehlungen im Baskenland
Hernani: Städtchen am Urumea, Chillida-Leku und Sidrerías – das Ortsporträt mit Altstadt, Museum und Apfelweinsaison rund um das Errioguarda.
Martín Berasategui – das 3-Sterne-Restaurant in Lasarte-Oria, nur wenige Minuten von Hernani.
Mugaritz – 2-Sterne-Avantgarde von Andoni Luis Aduriz in Errenteria.
Ama Tolosa: 1-Sterne-Küche von Javi Rivero und Gorka Rico
Masta Taberna – kreative baskische Küche und feine Weinkarte in Zarautz.
Bakea – Feuerküche und Degustationsmenü in Mungia nahe Bilbao.
Pluviôse – Naturwein und Degustationsmenü in Saint-Jean-de-Luz.
Häufige Fragen zum Errioguarda
Wo liegt das Errioguarda?
In der Iturriaga Kalea 12 in der Altstadt von Hernani (Gipuzkoa), rund 9 Kilometer bzw. 15 Minuten von Donostia-San Sebastián entfernt.
Wer steht hinter dem Errioguarda?
Die Köche Santiago Vázquez und Beñat San Sebastián. Sie eröffneten das traditionsreiche Haus Ende 2023 neu und stehen für eine nachhaltige, kreative baskische Küche. Beñat verantwortet zudem die Weinauswahl und den Service.
Was kostet das Menü im Errioguarda?
Das Degustationsmenü „Nortasuna“ kostet 58 € pro Person (ohne Weinbegleitung), das kreative Mittagsmenü unter der Woche 30 €. Für die gebotene Qualität ist das ein ausgesprochen faires Preis-Leistungs-Verhältnis.
Muss man im Errioguarda reservieren?
Sehr zu empfehlen. Das Lokal ist klein und bei Einheimischen beliebt – gerade für das Abendessen am Freitag und die Wochenendmittage sollte man vorab reservieren.
Wann hat das Errioguarda geöffnet?
Mittwoch und Donnerstag und Samstag und Sonntag von 13:30 bis 15:30 Uhr, Freitag von 13:30 bis 15:30 Uhr und von 20:30 bis 22:30 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage.
Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


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