Txakoli kommt für die meisten vom Meer – aus Getaria, von den Steillagen über dem Atlantik. Hika Txakolina steht woanders: rund zwanzig Kilometer landeinwärts, im Oria-Tal bei Amasa-Villabona, mit Blick auf den Monte Ernio. Eine Bodega von 2016, gebaut wie ein Architekturprojekt, und ein Txakoli, der bewusst weg vom Terrassenwein-Klischee geht. Wer die Region erkundet, findet die Anfahrt im Hub für Tagesausflüge von San Sebastián.
Hika Txakolina auf einen Blick
- Bodega: Hika Txakolina (auf Google: HIKA Upategia)
- Lage: Amasa-Villabona, Gipuzkoa – Oria-Tal, Blick auf den Monte Ernio
- Gegründet: 2016
- Herkunft: D.O. Getariako Txakolina
- Fläche: 7 Hektar Rebfläche
- Rebsorten: Hondarrabi Zuria, Hondarrabi Beltza, Chardonnay, Petit Courbu
- Weine: Hika Blanco, Rosé, Tinto, B119, Bilduma, Txinpart
- Produktion: rund 60.000 Flaschen Txakoli plus etwa 4.000 Flaschen Rosé pro Jahr
- Besonderheit: eigenes Restaurant im Haus – HIKA Gastronomiko von Roberto Ruiz
- Besuch: Führung mit Verkostung nur nach Voranmeldung
- Preisniveau: €€ – €€€
- Adresse: Barrio Otelarre 40, 20150 Villabona
- Telefon: +34 943 142 709
Lage und Weinberge: sieben Hektar über dem Oria
Die Weinberge liegen an einem Hang über dem Fluss Oria, gegenüber dem Massiv des Ernio. Das ist Txakoli-Anbau ohne Meerblick, aber mit demselben atlantischen Klima: feucht, mild, mit ordentlich Niederschlag. Die Böden sind leicht sauer und lehmig-tonig, die Reben in Spaliererziehung gezogen – anders als die klassischen hohen Pergolen an der Küste. Das bringt mehr Sonne an die Trauben und damit reifere Aromen bei erhaltener Säure.


Von den sieben Hektar stand zunächst nur ein Teil im Ertrag: gut zweieinhalb Hektar Hondarrabi Zuria und ein halber Hektar Chardonnay. 2019 kamen vier Hektar Neupflanzung dazu, darunter Petit Courbu und Hondarrabi Beltza, die rote autochthone Sorte für den Rosé. Dass hier überhaupt Chardonnay und Petit Courbu im Spiel sind, hat einen regulatorischen Hintergrund: Die D.O. Getariako Txakolina erlaubt ergänzende Sorten in begrenztem Anteil. Hika nutzt den Chardonnay, um die schroffe Säure der Hondarrabi Zuria abzufedern.
Die Jahresproduktion liegt bei rund 60.000 Flaschen Txakoli und etwa 4.000 Flaschen Rosé. Ein erheblicher Teil geht in den Export – Großbritannien, Kanada, USA und Japan gehören zu den Märkten, in denen Txakoli längst nicht mehr als Terrassenwein, sondern als Spezialität gehandelt wird.
Im Keller: Inertgas-Pressung und CO₂-Management
Das Gebäude von 2016 ist energetisch durchdacht und in den Hang gebaut. Technisch arbeitet Hika mit einer Inertys-Presse von Bucher, bei der unter Schutzgas gepresst wird – der Most kommt praktisch ohne Sauerstoffkontakt in den Tank. Dazu kommt ein System, das das bei der Gärung entstehende CO₂ auffängt und wiederverwendet. Für ein Weingut dieser Größe ist das ein bemerkenswerter Aufwand.

Der Effekt ist im Glas zu schmecken: Die Weine sind sehr klar, ohne oxidative Kanten, mit präziser Frucht. Wer Txakoli aus alten Familienbetrieben kennt, merkt den Unterschied sofort – hier ist nichts dem Zufall überlassen.
Die Weine von Hika
Hika deckt eine ungewöhnlich breite Palette ab: vom klassischen jungen Txakoli über Rosé und Rotwein bis zum fassvergorenen Weißwein und einem Schaumwein aus traditioneller Flaschengärung. Das ist für ein Haus dieser Größe selten.
Hika Blanco: der klassische Einstieg
Der Basiswein besteht überwiegend aus Hondarrabi Zuria, ergänzt um Chardonnay. Hellgelb mit grünlichen Reflexen, mit der typischen feinen Perlage, die beim Einschenken kurz aufblitzt. In der Nase weißes Kernobst, Zitrus und eine krautig-salzige Note. Am Gaumen straff, mit knackiger Säure und schlankem Körper – der Wein, der zu Pintxos, Anchoas und gegrilltem Fisch gehört.
Rosé und Tinto: die roten Sorten
Der Rosé entsteht aus Hondarrabi Beltza – blass, herb, mit roter Beere und salziger Kante, alles andere als ein süßlicher Sommerwein. Der Tinto ist die Rarität im Programm: roter Txakoli ist im Baskenland eine kleine Nische, leichtfüßig, mit ausgeprägter Säure und kühler Frucht. Beide Weine funktionieren am besten gut gekühlt.
B119 und Bilduma: Txakoli mit Ausbau
Der B119 ist im Fass vergoren – Hondarrabi Zuria mit Chardonnay, deutlich mehr Volumen und Textur als der Basiswein, bei rund 12,5 % Alkohol. Kein Holzwein im plakativen Sinn, das Fass arbeitet an der Struktur, nicht am Aroma. Der Bilduma ist die Selektion des Hauses. Beides sind Weine, die man ins Glas mit größerem Kelch geben und nicht eiskalt servieren sollte – bei 10 bis 12 Grad zeigen sie erst, was sie können.
Txinpart: Flaschengärung aus Txakoli
Der Txinpart ist der spannendste Wein des Hauses. Grundwein aus eigenen Trauben, insgesamt 26 Monate Reifung: erst 14 Monate im Tank auf der Feinhefe, dann eine zweite Gärung in der Flasche über 12 Monate bei kontrollierten 16 Grad. Traditionelle Methode also, mit dem Säurerückgrat, das Hondarrabi Zuria von Haus aus mitbringt. Wer Schaumwein aus kühlen Klimazonen mag, sollte hier zugreifen.
Besuch, Führung und Verkostung
Hika ist ein Weingut, das Besucher ausdrücklich einlädt – aber nur mit Anmeldung. Die Führung durch Keller und Weinberge dauert rund 40 Minuten, danach folgt die Verkostung. Angeboten werden Kombinationen aus Führung, Probe und einem baskischen Aperitif oder Brunch; die Termine liegen üblicherweise am späten Vormittag. Für kleinere Gruppen lohnt die direkte Nachfrage, da meist ab vier Personen geplant wird.

Reservierungen laufen über das Formular auf der Website oder telefonisch – kurzfristige Anfragen unter 24 Stunden werden nur am Telefon angenommen. Festes Schuhwerk ist sinnvoll, weil die Führung durch den Weinberg geht.
HIKA Gastronomiko: das Restaurant im Haus
Zur Bodega gehört ein eigenes Restaurant, und das ist kein Anhängsel: HIKA Gastronomiko wird von Roberto Ruiz geführt, der zuvor über zwei Jahrzehnte das Frontón in Tolosa geprägt hat. Gekocht wird über Holzkohle und Holz, mit Produkten aus der Umgebung – Klassiker wie die Alubias de Tolosa mit ihren Beilagen stehen ebenso auf der Karte wie Grillfisch und Txuleta. Zwei Soles im Guía Repsol sprechen für sich. Die ganze Geschichte samt Gerichten und Terrasse steht im eigenen Beitrag: HIKA Gastronomiko Villabona: Roberto Ruiz, Parrilla und Alubias.
🗣️ Mein Eindruck vor Ort
Mein Besuch liegt schon eine Weile zurück, aber der Eindruck ist geblieben: Hika ist kein romantischer Familienkeller, sondern ein durchdachtes Weingut mit klarer Handschrift. Die Lage über dem Oria-Tal mit dem Ernio gegenüber ist spektakulär, ohne kitschig zu sein – und die Technik im Keller merkt man den Weinen an. Sauber, präzise, ohne Ecken, an denen etwas schiefgeht.
Als Weinhändler interessiert mich vor allem, was hier über den Standard-Txakoli hinausgeht. Der Blanco ist ein guter, verlässlicher Wein für den Tresen. Spannend wird es beim B119 mit seinem Fassausbau und beim Txinpart aus traditioneller Flaschengärung – zwei Weine, die zeigen, wie viel in Hondarrabi Zuria steckt, wenn man ihr Zeit gibt. Wer nach Villabona fährt, sollte die Führung buchen und nicht nur zum Essen kommen.
Praktische Infos & Kontakt
📍 Hika Txakolina
Barrio Otelarre 40
20150 Villabona (Amasa-Villabona), Gipuzkoa
Telefon: +34 943 142 709
Web: hikabodega.com
🕐 Öffnungszeiten
| Montag | 9:00–17:30 Uhr |
| Dienstag | 9:00–17:30 Uhr |
| Mittwoch | 9:00–17:30 Uhr |
| Donnerstag | 9:00–17:30 Uhr |
| Freitag | 9:00–17:30 Uhr |
| Samstag | Bodega geschlossen |
| Sonntag | Bodega geschlossen |
⚠️ Das sind die Zeiten der Bodega. Führungen und Verkostungen finden ausschließlich nach Voranmeldung statt, auch außerhalb dieser Zeiten. Das Restaurant HIKA Gastronomiko hat eigene Servicezeiten und ist am Wochenende geöffnet.
🗺️ Lage & Anfahrt
Mit dem Auto: Von Donostia-San Sebastián auf der N-1 oder AP-8/AP-1 Richtung Tolosa, Ausfahrt Villabona-Zizurkil, dann bergauf Richtung Amasa und Barrio Otelarre. Rund 20 Kilometer, etwa 25 Minuten. Die letzten Kilometer sind schmal und kurvig.
Mit Bus und Bahn: Die Renfe-Cercanías-Linie C-1 Donostia–Brinkola hält in Villabona-Zizurkil, Lurraldebus fährt Richtung Tolosa ebenfalls durch den Ort. Vom Bahnhof bis zur Bodega geht es allerdings deutlich bergauf – ein Taxi für das letzte Stück ist die bequemere Lösung.
Parken: Stellplätze direkt am Haus. Route in Google Maps öffnen →
Weitere passende Empfehlungen rund um Txakoli
Wer Hika besucht, sollte die Txakoli-Landschaft weiter erkunden. Diese Adressen passen dazu:
→ HIKA Gastronomiko Villabona: Roberto Ruiz, Parrilla und Alubias
→ Bodega Katxiña Orio: Moderner Txakoli aus dem Baskenland
→ Bodega K5 Aia: Txakoli aus den Höhenlagen des Baskenlandes
→ Txomin Etxaniz: Klassischer Txakoli aus Getaria
→ Ameztoi Txakoli Getaria: Traditionsweingut mit Meerblick
→ Txakoli de Getaria: Der spritzige Weißwein aus dem Baskenland
Häufig gestellte Fragen zu Hika Txakolina
Wo liegt die Bodega Hika?
In Amasa-Villabona in Gipuzkoa, Barrio Otelarre 40, rund 20 Kilometer südwestlich von Donostia-San Sebastián im Oria-Tal. Mit dem Auto sind es etwa 25 Minuten.
Kann man die Bodega besichtigen?
Ja, Führungen durch Keller und Weinberge mit anschließender Verkostung sind möglich – ausschließlich nach Voranmeldung über die Website oder telefonisch unter +34 943 142 709. Die Führung dauert rund 40 Minuten, geplant wird meist ab vier Personen.
Welche Weine produziert Hika?
Neben dem klassischen weißen Txakoli gibt es einen Rosé aus Hondarrabi Beltza, einen roten Txakoli, den fassvergorenen B119, die Selektion Bilduma und den flaschenvergorenen Schaumwein Txinpart. Alle Weine gehören zur D.O. Getariako Txakolina.
Was unterscheidet Hika von den Txakoli-Gütern an der Küste?
Die Lage im Landesinneren über dem Oria-Tal statt an den Steillagen am Meer, die Erziehung der Reben in Spalieren statt Pergolen und ein technisch sehr modern ausgestatteter Keller von 2016 mit Inertgas-Pressung. Das Ergebnis sind präzisere, oft etwas fülligere Weine als der klassische Küsten-Txakoli.
Gehört das Restaurant zur Bodega?
Ja. HIKA Gastronomiko unter Roberto Ruiz befindet sich im selben Gebäude und arbeitet mit den Weinen des Hauses. Restaurant und Bodega haben eigene Zeiten und eigene Reservierungswege.
Über den Autor
Christian ist Weinhändler und Foodblogger. Auf Gozatu! schreibt er über gutes Essen und Trinken in Donostia-San Sebastián und dem Baskenland – mit Leidenschaft und Seele, immer aus erster Hand vor Ort. Mehr über Christian →


Kommentar verfassen